Tötungsdelikt in Küttigen

Warum nur erschoss Karl seine Liselotte und dann sich selbst?

Hier geschah das Tötungsdelikt: Alterswohnung in Küttigen.

Hier geschah das Tötungsdelikt: Alterswohnung in Küttigen.

Niemand versteht, warum ein 85-Jähriger seine Frau und dann sich selbst erschoss. Bekannte glauben aber, dass die 77-Jährige schwermütig und stark von ihrem Mann abhängig war. Erst vor kurzem zogen sie in die Alterswohnung.

«Ich kann es nicht fassen. Sie waren doch so nette Leute», sagt Enes Handanovic, Wirt des Restaurants Kreuz in Küttigen. Karl (85) und Liselotte B. (77) assen bei ihm fast täglich zu Mittag. «Das Ehepaar kam immer zusammen. Er war sehr gesprächig, sie etwas schweigsamer.

Karl B. bestellte stets nur eine halbe Portion, weil er Probleme mit dem Magen hatte.» Am letzten Freitag aber ass auch Liselotte B. nur wenig: «Sie sagte, dass sie keinen grossen Hunger habe.» Es war das letzte Mal, dass der pensionierte Architekt und seine Frau im Kreuz tafelten.

Leblos im Wohnzimmer

Zwei Tage später, am Sonntagabend um 22 Uhr, machte ein Angehöriger einen schrecklichen Fund: Die beiden lagen leblos im Wohnzimmer ihrer Küttiger Alterswohnung. Gemäss bisherigem Ermittlungsstand hat der Ehemann zuerst seine Frau und dann sich selbst mit der Pistole erschossen – eine Einwirkung von Drittpersonen schliesst die Polizei aus.

«Die Schüsse sind höchstwahrscheinlich noch vor dem Sonntag gefallen», so Roland Pfister von der Kantonspolizei. Noch seien die Einzelheiten und das Tatmotiv unklar: «Wir glauben, dass sie sich vor der Tat nicht gestritten haben.» Möglich sei, dass das Ehepaar das Ganze vereinbart habe: «Jetzt klären wir ab, ob die beiden ein körperliches oder seelisches Gebrechen hatten.»

«Nur noch Haut und Knochen»

Bis vor zwei Monaten lebten Liselotte und Karl B. in einem Terrassenhaus in Küttigen. Offenbar zogen sie in die neu gebaute Alterssiedlung, weil sie nicht mehr so mobil waren. Dort gibt der Tod des Ehepaars zu reden: «Ich kann es nicht glauben. Sie haben doch ihre Wohnung so schön eingerichtet», sagt Nachbarin Rosmarie M. (80).

Schüsse haben sie und die anderen Bewohner des Blockes aber keine gehört. Die Senioren sind sich aber einig, dass Karl und Liselotte B. gesundheitliche Probleme hatten. Einige glauben sogar, dass sie unter Demenz litt. «Soviel ich weiss, hatte sie starke Depressionen und er Probleme mit der Niere oder dem Magen», so Rosmarie M. Dies bestätigt auch eine andere 80-jährige Nachbarin, die das Ehepaar schon seit Jahrzehnten kennt: «Liselotte B. war nicht dement. Man konnte ganz normal mit ihr reden. Sie war aber schon seit Jahren schwermütig und stark von ihm abhängig. Er musste alles für sie machen.» In letzter Zeit sei er immer dünner geworden: «Er war wirklich nur noch Haut und Knochen.» Erklären, warum sich das Ehepaar aus dem Leben schied, kann sie sich nicht: «Das macht man doch nicht einfach so. Sie hinterlassen vier erwachsene Kinder.»

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