Holzernte
Warum der Aargau zu den grössten Holzlieferanten der Schweiz zählt

2010 wurde in den Schweizer Wäldern mehr Holz geerntet. Die Ernte stieg auf 5,1 Millionen Kubikmeter. Nur in der Forstzone Mittelland gingen die Holzernten zurück.

Mathias Küng
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Nach wie vor wird hier aber am meisten Holz geschlagen. 35 Prozent stammen von hier, der Aargau ist gar der viertgrösste Holzlieferant.

In Zahlen ausgedrückt, wurden laut Theo Kern, Geschäftsführer des Aargauischen Waldwirtschaftsverbandes (AWV) in Muri, im Aargau letztes Jahr 389 000 Kubikmeter Holz geschlagen. Das sind 19000 Kubikmeter oder 5 Prozent weniger. Der Anteil der Nadelholzmenge sank allein um knapp 9 Prozent auf 205 000 Kubikmeter. Der Anteil Buchenstammholz ist auf 36000 Kubikmeter gesunken. Für Letzteres gebe es keinen Markt mehr, sagt Theo Kern. Die Verwertung von Buchen ausschliesslich als Plattenholz oder gar Hackschnitzel sei aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht auch keine Lösung. Ein Forstbetrieb sei «auf die zusätzlichen Einnahmen aus dem Erlös der wertvolleren Stammholzsortimente angewiesen», betont Kern. Der Anteil des genutzten Laubholzes blieb übrigens mit 184000 Kubikmetern insgesamt stabil.

Warum der Rückgang im Aargau? Kern rätselt selbst noch und sagt zurückhaltend, man habe «von der gestiegenen Nachfrage noch nicht profitiert». Erfreulich aus Umweltsicht ist immerhin, dass der Anteil des Brennholzes an der gesamten Nutzung auf 34 Prozent angestiegen ist. Dies einerseits, weil der Bedarf zunahm, aber auch, weil die Gesamtholzmenge geringer ist als 2009.

Defizit bei öffentlichen Betrieben

Leider war 2010 auch der durchschnittliche Holzerlös rückläufig. Pro Kubikmeter resultierten im Schnitt 79,9 Franken (–1,1 Franken). Letztlich resultierte ein Defizit bei den öffentlichen Forstbetrieben von 1,9 Millionen Franken oder 51 Franken pro Hektare. Kern: «Der Absatz stimmt, aber der Ertrag nicht.»

Das höhere Defizit beschleunigt die Suche der Forstbetriebe nach Diversifizierung. Zunehmend betreuen solche auch Wald- oder Güterstrassen oder übernehmen den Winterdienst einer Gemeinde. Die Kehrseite dieses «sich nach der Decke strecken» könne durchaus sein, dass weniger Zeit fürs Holzen bleibt. Kern unterstützt den Trend zur Diversifizierung, der neue Einnahmemöglichkeiten bringt, gleichwohl. Und damit den Wandel von der einstigen Forstverwaltung über den Forstbetrieb hin zum forstlichen Dienstleistungsbetrieb.

Dass immerhin der Energieholzabsatz steigt, freut Kern. Energieholz brauche weniger Unterhalt und Pflege. Damit könne man die Produktionskosten senken. Zudem ist dies ein kontinuierlicher Absatzkanal, der nicht wirtschaftlichen Schwankungen unterworfen ist.

Holzkraftwerk im Aargau?

Derzeit prüft der AWV zusammen mit den Industriellen Werken Basel (IWB) die Möglichkeit eines Holzkraftwerkes im Aargau. Hauptsächlich für Frischholz, betont Kern. Und zusätzlich, ob man ein Frischholzpelletwerk angliedern könnte. Mehr lasse sich derzeit aber noch nicht sagen.

Kaum Lieferungen für Domat/Ems

Welche Auswirkungen hatte die Schliessung des (eben noch mit vielen Hoffnungen gestarteten) Grosssägewerks in Domat/Ems für den Aargau? Laut Kern fast keine. Aus dem Aargau wurde kaum dorthin geliefert. Die Verträge seien so kompliziert gewesen, dass viele Produzenten den Eindruck gewonnen hätten, sie müssten den grössten Teil des betriebswirtschaftlichen Risikos tragen, so Kern. Die Konditionen regionaler Sägereien seien eher besser. Trotzdem bedauert er die Schliessung in Domat/Ems, denn die Grosssägerei führte doch «zu mehr Wettbewerb um Schweizer Holz».

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