In Hellikon geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das ist klar, seit sich im Dezember 2009 dort die Erde aufgetan hat und drei bis zu 18 Meter tiefe Löcher entstanden sind. Wie Gemeindeammann Kathrin Hasler in Hellikon andeutete, möchte die Gemeinde die Löcher zu einer Touristen-Attraktion machen und ist diesbezüglich im Gespräch mit dem Landbesitzer und dem Jurapark Aargau. Die 110 az-Wanderer von gestern werden aber vorerst der grösste Touristenansturm in der schmucken Gemeinde bleiben.

Die Zahl ist übrigens eine wacklige: Gezählt wurden 102 Wanderer beim Abmarsch, doch drei hatten sich auf der Toilette aufgehalten und fünf weitere, so meldeten Wanderer, stiessen scheints später hinzu.

Das Gubrist-Gefühl

Es war kein Tag der exakten Wissenschaften. Denn nicht nur Hellikon, auch der Weg bis Wittnau ist voller Mystik. Zuerst aber fühlten sich einige vor der schmalen Treppe, die nach Wegenstetten hinunter führte, an die Stausituation vor dem Gubrist erinnert, doch das Warten, so war man sich einig, sei hier deutlich angenehmer.

Dann folgte die erste Pause. Und zwar nicht an einem profanen Rastplatz, sondern in der Grotte von Wegenstetten, mit einer Muttergottes und Gedenkkerzlein. Mitten im Wald sah man wenig später Jesus am Kreuz und ein «Stöckli», das riet: «Hier Wanderer halte kurze Rast. Ob weit du noch zu wandern hast? Ans letzte Stündlein flehend denk. . . dann erst die Schritte weiter lenk.»

Das Märchenwald-Gefühl

Erwin Schmutz von den Aargauer Wanderwegen lenkte die Schritte der Wanderer von der ursprünglichen Route ab und versprach einen «Leckerbissen»: Ein Trampelpfad führte durch das Naturreservat Thierstein - ein Stück Wald, welches nach dem Orkan Lothar sich selbst überlassen worden war. Die Wanderer stiegen über bemooste Baumstämme und seltsame Pilze. Gekippte Wurzelstöcke streckten ihnen die Holzarme entgegen und die Sonne irrlichterte durchs junge Gehölz. «Traumhaft, traumhaft», murmelte eine Frau vor sich hin.

Der nächste Kraftort war die Buschbergkapelle. Der Pfarreileiter von Wittnau, Christoph Küng, erzählte vor der halb offenen Kapelle begeistert die Sage vom Glücksstein, der einst ein Mann davor bewahrt haben soll, dass seine Beine unter die Räder einer Kutsche kamen. Die Geschichte steht im Mirakelbuch des Klosters Mariastein im Kanton Solothurn. Küng hatte die «Pilgerer» mit dem Hagelglöcklein der Kapelle willkommen geheissen, dem nachgesagt wird, es könne das Wetter beeinflussen. Aus der keltischen Hallstattkultur in der Eisenzeit wurden hier Gräber gefunden, die Schweizer Armee sei im 2. Weltkrieg auf einen wehrhaften Geist eingestimmt worden, sagte Küng, und dass das Pendel hier besonders stark ausschlage.

Das Pilger-Gefühl

Entlang eines Kreuzweges mit modernen Glastafeln zu den einzelnen Stationen gelangten die Wanderer schliesslich zu einer Lourdesgrotte, aus der Wasser sprudelte, das redselig machen soll.
In Wittnau wurden dann auch noch die irdischen Bedürfnisse gestillt.

Gemeindeammann Werner Müller, der selbst mitwanderte, hatte für einen reichhaltigen Imbiss gesorgt: Gemeinderätin von Wittnau und Präsidentin der Grünen Aargau, Gertrud Häseli, hatte 15 Kilogramm Brot gebacken. Dazu gab es Früchte und Most aus dem eigenen Biobauernhof, Käse, Speck und Lebkuchen. Hagelglöcklein hin oder her: die dunklen Wolken schienen keine Eile zu haben und die Wanderer kehrten für einmal trocken nach Hause.