Waldwirtschaft
Waldbesitzer wollen Geld für die Erholung im Wald

Der Aargauischer Waldwirtschaftsverband fordert eine Entschädigung für die Nutzung der Infrastruktur. Der Wald werde immer stärker zur Erholung beansprucht, die Aufwände für die Eingentümer steige.

Hans Lüthi
Merken
Drucken
Teilen

So intensiv kam die Forderung noch nie auf den Tisch: «Die Revision des Richtplans bietet eine gute Gelegenheit, um die Interessen der Waldbesitzer geltend zu machen», sagt CVP-Grossrat Rudolf Lüscher aus Laufenburg. Der Präsident des Aargauischen Waldwirtschaftsverbands (AWV) betont, der Wald sei eine unverzichtbare Ausgleichsfläche zu den intensiv genutzten Siedlungen. Mit dem prognostizierten Wachstum von heute rund 600000 auf 720000 Einwohner in nur 20 Jahren werde mehr Land benötigt. Über Ausmass und Tempo des Wachstums könne man sich streiten, Fakt aber bleibe: Die Bevölkerung nimmt zu, der Einzelne beansprucht mehr Wohnraum, Industrie und Gewerbe brauchen mehr Platz.

Gewinne zulasten des Waldes

Das Fazit von Waldpräsident Lüscher lautet, die Besitzer von Immobilien und Grundstücken könnten ihre Gewinne maximieren – zulasten des Waldes. Das basiert aus der Überlegung, bei mehr Siedlungen und mehr Menschen werde der Wald stärker für Erholung und Freizeit genutzt. Die Auswirkungen auf die Waldeigentümer seien durchaus konkret, Sicherheitsempfinden und Haftungsansprüche der Leute nähmen zu, der Aufwand für die Signalisation ebenso, Holzschläge müssten mit Absperrposten gesichert werden. «Nötig sind mehr gemeinwirtschaftliche Leistungen, wie Unterhalt von Strassen und Wegen, Feuerstellen samt der Bereitstellung von Holz», erklärt Lüscher. Unter dem Strich führe die Entwicklung zu Mehrkosten und zu tieferen Erträgen. Die Waldbesitzer würden damit doppelt belastet.

Abgeltung wird sich durchsetzen

Seit sich das Holz oft knapp kostendeckend ernten lässt, zumindest keine grossen Gewinne mehr bringt, sind viele Forstbetriebe eng dran oder schreiben gar rote Zahlen. Bei der Abgeltung von Leistungen spiele es auch keine Rolle, dass 80 Prozent der Aargauer Wälder den Gemeinden und dem Kanton gehören. In den Richtplan müsse eine Aussage zum Wert des Waldes, der Verband habe sich schon bei der ersten Mitwirkung so geäussert und werde das nach einer separaten Sitzung bei der laufenden Revision erneut machen. «Bereits heute gibt es Gemeinden, die solche Beiträge bezahlen, aber das ist noch nicht allgemein üblich», erklärt der dazu befragte Rudolf Lüscher. Er ist überzeugt, in den Budgets der Einwohnergemeinden werde die Waldabgeltung «in den nächsten Jahren zum Thema und sich durchsetzen».

Aargau als grosser Waldkanton

Auch ohne Klausel zu den Kosten wird der Lebensraum Wald im Richtplan hoch eingeschätzt. Mit 49000 Hektaren oder 35 Prozent der Kantonsfläche hat der Aargau überdurchschnittlich viel Wald. Er sorge für reichhaltige Landschaft, Artenvielfalt und bilde das Gerüst für ein komplexes Ökosystem. Darum sei der Aargauer Wald zu erhalten, für die nachhaltige Nutzung von jährlich 500000 Kubikmeter Holz, aber auch zu schützen. Das kantonale Programm Naturschutz Wald bis 2020 sieht diese Schutzziele vor: 3400 Hektaren Waldreservate und Altholzinseln, 2500 Hektaren Eichenwälder, 1470 Hektaren Spezialreservate und 200 Kilometer aufgewertete Waldränder.

Widerstand gegen Naturparks

Nicht überall führt «die einseitige Förderung von Biodiversität, Naturparks und Altholzinseln» zu freudigem Applaus. Die SVP-Grossräte Jörg Hunn (Riniken) und Jürg Stüssi (Windisch) kritisierten per Postulat, die Regierung kehre der Forstwirtschaft im Sinne des Wortes den Rücken zu. Der Bestand an Nadelholz nehme bedenklich ab, obwohl es sich viel besser für Wertschöpfung, Marktfähigkeit und CO-Speicherung eigne. «Das Laubholz aber wird zu 80 Prozent nur energetisch genutzt, also verbrannt», betonte Hunn bei der Behandlung im Parlament.

Weil die Abteilung Wald im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) am falschen Ort sei, solle man diesen wichtigen Wirtschaftsfaktor ins Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI) verlegen. Die Mehrheit im Parlament stützte sich auf die Begründung der Regierung und lehnte den Vorstoss mit 71 zu 29 Stimmen sehr deutlich ab.

3700 Kilometer Waldwege

Gemäss Richtplan darf der Wald nicht zur unbeschränkten Festhütte verkommen, Rodungen zu diesem Zweck bleiben untersagt. Aber der Kanton stellt einen Trend zur Freizeitarena Wald fest. Allein schon die vorhandene Infrastruktur ist beachtlich: 3700 Kilometer Waldwege, 1000 Feuerstellen und Rastplätze und 190 Waldhütten können genutzt werden. Eines stellt Lüscher klar: «Wir wollen das im Zivilgesetzbuch garantierte Betretungsrecht keinesfalls mindern und werden keine Eintrittsgebühr für den Wald verlangen.»