Hilswerk Margrit Fuchs
Waisenkinder kämpfen in Ruanda ums tägliche Brot

In Ruanda leben Tausende von elternlosen Kindern in sogenannten Waisenhaushalten – weitgehend auf sich allein gestellt. Das älteste Geschwister sorgt dabei für die jüngeren Kinder. Das Hilfswerk Margrit Fuchs kümmert sich nun vermehrt um sie.

Regula Gloor aus Ruanda
Merken
Drucken
Teilen
Dieser Bub wurde als Baby in einem Gebüsch gefunden. Nun ist er ins Waisenprojekt aufgenommen worden.

Dieser Bub wurde als Baby in einem Gebüsch gefunden. Nun ist er ins Waisenprojekt aufgenommen worden.

Das Projekt ermöglicht Waisen, dreimal pro Woche eine Mahlzeit zu erhalten und in Kontakt mit einer erwachsenen Ansprechperson zu kommen, um mit ihr Sorgen und Probleme zu besprechen. Und Probleme gibt es mehr als genug, sind doch die meisten dieser Waisenkinder ganz auf sich allein gestellt, wenn sich nicht eine Verwandte oder Nachbarin ihrer ein wenig annimmt. Eine Unterstützung des Staates für Waisen gibt es nicht. So muss häufig das älteste Kind die Rolle des Familienoberhauptes übernehmen und versuchen, für die jüngeren Geschwister zu sorgen.

Das Hilfswerk Margrit Fuchs Ruanda betreibt im Moment vier Zentren, in denen im Schnitt je 40 bis 50 Kinder betreut werden. Regula Gloor hatte Gelegenheit, bei einem Mittagessen in Musambira dabei zu sein, bei dem Kinder zwischen 3 und 15 Jahren teilnahmen. Die meisten der 60 Kinder kamen direkt von der Schule. Sie nehmen zum Teil einen weiten Weg auf sich, um herzukommen. Anlässlich dieser Zusammenkünfte werden den Kindern ihrem Alter entsprechend lebenspraktische Verhaltensmassnahmen nahegebracht wie persönliche Hygiene, Kochen, Aufklärung über Aids oder die Wichtigkeit des Schulbesuchs und des Lernens. Die Waisen werden zudem mit Kleidern, Schuluniformen und wenn nötig Schulgeld unterstützt.

So können Sie spenden

Weihnachts-Sammelaktion der AZ Medien für das Hilfswerk Margrit Fuchs Ruanda. Bis Dienstag, 17. Dezember 2013, kann gespendet werden:
> Waisenhilfe: Betreuung eines Kindes in einem Waisenhaushalt 150 Franken für ein Jahr, 75 Franken für ½ Jahr.
> Schulgeld: Schulbesuch für ein Kind 75 Franken für ½ Jahr, 150 Franken für ein ganzes Jahr.
> Vieh: Milchgeiss 80 Franken, Schwein 50 Franken, Kuh 600 Franken; auch ein Anteilbetrag ist möglich.
> Institutionen des Hilfswerkes: Beliebiger Betrag für Betreuung Strassenkinder, Kantine, Kinderheim, Lehrwerkstätten, Mütterstation, Kleinkredite oder Nothilfe.
Bestellungen an: Telefon 058 200 50 25 (werktags 8-12 und 13.30-17.30 Uhr), Fax 058 200 50 28
E-Mail: vieh.ruanda@azmedien.ch
www.aargauerzeitung.ch/ruanda

Die Spenden sind bei den Steuern abzugsberechtigt. (NN)

Drei Schicksale seien hier beschrieben. Corette (13) und Claude (9) haben ihre Eltern sehr früh verloren. Ein Onkel hat sie bei sich aufgenommen, sich jedoch schlecht bis gar nicht um sie gekümmert, sodass sie häufig nichts zu essen erhielten und draussen schlafen mussten. Deshalb hat die Gemeinde nun den beiden Geschwistern auf dem Land ihrer Eltern ein kleines Häuschen mit zwei Räumen gebaut, sodass sie jetzt ein eigenes Dach über dem Kopf haben.

Das Haus ist aber vollständig leer, es gibt kein Bett, keinen Stuhl, keine Küchenutensilien. Die beiden Kinder gehen tagsüber zur Schule und haben zumindest das Glück, dass sich eine Nachbarin etwas um sie kümmert. Dass sie sich nun dank dem Hilfswerk Margrit Fuchs dreimal pro Woche sattessen können, schätzen sie sehr. Auch wurden sie mit Kleidern und einer Schuluniform unterstützt. Bald erhalten sie eine Matratze und die wichtigsten Kochutensilien.

Die 17-jährige Claudine ist die Älteste von vier Geschwistern. Vor einem Jahr sind Vater und Mutter kurz hintereinander gestorben. Daraufhin hat sie die Verantwortung für ihre Schwester Delphine (13) und ihre Brüder Emmanuel (11) und Paul (8) übernommen. Sie wohnen in einem kleinen Haus, das ihnen ihre Eltern vermacht haben. Claudine hat die Schule aufgegeben und versucht, als Handlangerin auf dem Bau und durch Kunsthandwerk etwas Geld zu verdienen, um sich und ihre Geschwister ernähren zu können. Sie ist ausgesprochen dankbar, dass ihre drei Geschwister nun dreimal pro Woche ein reichliches Mittagessen erhalten und mit Schulmaterial, Kleidern und Hygieneartikeln versorgt werden. Ihre grösste Sorge war immer, dass sie ihre Geschwister nicht ernähren könnte. Der Kleinste, Paul, hatte schon starke Zeichen von Unterernährung gezeigt und habe deshalb auch in der Schule nicht folgen können. Seit sie aber in das Waisenprojekt des Hilfswerkes aufgenommen wurden, sei dies jetzt Vergangenheit. Dafür möchte sie si

Der Kleinste am Mittagstisch ist erst drei Jahre alt. Wie er heisst, weiss niemand, auch nicht, woher er kommt. Eine Nachbarin hat ihn als Baby im Gebüsch gefunden, die Arme und Beine voller Narben, von der Mutter keine Spur.

Die Nachbarin hat sich seiner erbarmt und zieht ihn neben ihren eigenen Kindern auf. Sie ist sehr froh, dass der Kleine vom Waisenprojekt unterstützt wird und sie nicht mehr allein für ihn aufkommen muss. Hergeben würde sie ihn aber nicht mehr, was man leicht versteht, wenn er einen verschmitzt anlächelt.