Gerade mal drei Monate ist es her, dass am 18. April beim bisher schwersten Lawinenunglück auf dem höchsten Berg der Welt 16 Sherpas ihr Leben verloren. Einer von Ihnen war Ash Gurung. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.

Rund fünf Monate zuvor, im November 2013, begleitete ebendieser Sherpa Daniel Buchs und seine Berner Trainingspartnerin Brigitte Daxelhoffer auf einer Trekkingtour von Lukla ins Basecamp des Mount Everest.

Die Nachricht vom Tod ihres Bergführers hat den 30-Jährigen und seine Begleiterin so schwer getroffen, dass sie nun mit einem Spendenprojekt Geld sammeln, um den hinterbliebenen Kindern des Sherpas den Schulbesuch zu ermöglichen.

Von Murgenthal in den Himalaya

Daniel Buchs, der in Murgenthal aufgewachsen ist und den man heute noch viel in der Region antrifft, ist seit je her sportbegeistert. Jahrelang praktizierte er Bike-Downhill und Dirtjumping. Regelmässig war er beim Sportklettern anzutreffen.

2012 begann der gebürtige Murgenthaler mit Laufen und nahm im gleichen Jahr am Stockhorn-Halbmarathon teil. «Dort lernte ich auch Brigitte kennen, mit der ich seither regelmässig trainiere.»

Gemeinsam entschieden sich die beiden für die Reise nach Nepal. «Ich wollte in den Himalaya, weil ich es liebe, in der unberührten und weitläufigen Natur Sport zu treiben», so Buchs.

Über einen Schweizer Bergführer stellten die beiden Kontakt zur Sherpa-Vermittlung in Nepal her. Vor Ort lernten sie dann den Tourguide Ash Gurung, seine Frau Menuka und die beiden Kinder Alisma (5) und Abin (1) kennen.

«Ash hat mir schon damals von seinem Wunsch erzählt, dass seine Kinder später eine gute Schulbildung erhalten sollen», so Daniel Buchs.

Der Berg schweisst zusammen

«Ich habe mich mit Ash Gurung auf Anhieb gut verstanden», erzählt Buchs. «Mein Englisch war nicht das Beste und seines auch nicht. Deshalb hatten wir wohl einen guten Draht zueinander.»

So hätten sie viel über ihre gemeinsame Leidenschaft, das Klettern, gesprochen, erinnert er sich. «Die Tour auf dem Dach der Welt hat uns zusammengeschweisst.»

Was ihn zudem beeindruckte habe, sei die Gastfreundschaft, die der Nepalese und seine Familie den Gästen aus der Schweiz entgegengebracht hätten. «Obwohl die vierköpfige Familie auf knapp 20 Quadratmetern und ohne jeglichen Luxus zusammenlebte, haben sie uns wie Könige bewirtet.»

Hilfe selbst in die Hand genommen

Weil die nepalesische Regierung nach dem Unglück im April für die Hinterbliebenen der Sherpas nur geringe Unterstützung in Aussicht stellte, war für Buchs und Daxelhoffer schnell klar, dass sie die Hilfe für Gurungs Familie selber in die Hand nehmen. «Wir wollten zunächst den allgemeinen Hilfsfonds unterstützen. Aber ich war skeptisch, ob die Hilfe auch tatsächlich am richtigen Ort ankommt.»

Nun sammeln sie im Rahmen des «Eiger Ultra Trail» vom kommenden Samstag. Den Lauf haben die beiden schon länger geplant. Er umfasst 101 Kilometer und 6700 Höhenmeter. Gespendet werden kann für jeden gelaufenen Kilometer.

Auch Sofortspenden sind möglich. Ein Grossteil des gesammelten Geldes wird direkt für die Schulkosten der beiden Kinder eingesetzt. Der Rest soll je nach Bedürfnis vor Ort eingesetzt werden.

Eigentlich wollten die beiden den Spendenlauf gemeinsam absolvieren. Im Juni musste Daniel Buchs seine Hoffnung auf den Lauf am Eiger aufgrund einer Knochenverletzung aber begraben.

«Es war für mich verdammt schwierig zu akzeptieren, nicht dabei sein zu können», so Buchs. Einerseits, weil er die sportliche Herausforderung gerne gemeistert hätte und andererseits, weil er dies für seinen Freund Ash Gurung getan hätte. «Ich werde aber trotzdem vor Ort versuchen, noch die eine oder andere Spende zu generieren», so Daniel Buchs.

Bergtour zu Ehren des Sherpas

Im Oktober reisen Daniel Buchs und seine Trainingspartnerin dann wieder nach Nepal, um die Familie des verstorbenen Sherpas zu besuchen. «Die Reise hatten wir bereits geplant, bevor das Lawinenunglück passierte», so Buchs.

Während Daxelhoffer dann von Nepal aus wieder die Heimreise antreten wird, will er zum «Tent Peak» aufsteigen. «Ash zu Ehren», sagt er. «Er hat mir diese Tour damals in unseren Gesprächen ans Herz gelegt.»

Mehr Infos finden Sie hier