Einbürgerungen

Vom «Run auf den Pass» spürt der Aargau wenig

Im Aargau werden im Gegensatz zum Bund nicht mehr Einbürgerungsgesuche registriert.  (Symbolbild)

Im Aargau werden im Gegensatz zum Bund nicht mehr Einbürgerungsgesuche registriert. (Symbolbild)

Seit Anfang Jahr verzeichnet der Bund 20 Prozent mehr Einbürgerungsgesuche. Im Aargau jedoch ist die Zahl der Gesuche seit Monaten weitgehend stabil. Eine Erklärung.

2500 Ausländer wollen seit Januar monatlich Schweizer oder Schweizerin werden. Dies entspricht einer Zunahme von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Bund aufgrund der eingegangenen ordentlichen Einbürgerungsgesuche festgestellt hat. Michael Heckendorn vom Bundesamt für Migration sprach gegenüber der «Sonntagszeitung» von einem «signifikanten Anstieg der Gesuche».

Spreitenbach: Viele, aber nicht mehr Gesuche

Davon ist im Aargau wenig bis nichts zu spüren. «Wir stellen keine Zunahme fest», sagte Sybille Meier, stellvertretende Gemeindeschreiberin von Spreitenbach, der az. Die Gemeinde im Limmattal hat mit etwas über 50 Prozent den höchsten Ausländeranteil im Kanton und bearbeitet «immer relativ viele Einbürgerungsgesuche», wie Meier weiter ausführt.

Auch Aarau (20 Prozent Ausländeranteil) und Wohlen (34 Prozent) verzeichnen keine auffälligende Zunahme bei den ordentlichen Einbürgerungen. Mit 20 Gesuchen sind bei der Freiämter Gemeinde seit Januar zwar mehr Gesuche eingegangen als in der Vorjahresperiode (das 20. Gesuch ging 2010 am 10. Juni ein), ein Trend lässt sich daraus aber nicht ableiten. «Wir haben seit dem 15. April zum Beispiel keine Gesuche mehr erhalten», gibt Michelle Steinauer, zuständig für Einbürgerungen in der Gemeinde Wohlen, zu Bedenken. «Eine klare Aussage lässt sich allenfalls Ende Jahr machen.»

Eine Einbürgerung kann drei Jahre dauern

Wie ist es möglich, dass Bund und die befragten Aargauer Gemeinden und Städte bei Einbürgerungsgesuchen derart gegensätzliche Trends ausweisen? Grund sind die unterschiedlichen Verfahrensabläufe in den Kantonen - vor allem bei der Zusammenarbeit mit dem Bund.

Denn Schweizer Bürger wird nur, wer alle drei Bürgerrechte von Gemeinde, Kanton und Bund erhält. Da die einzelnen Kantone die Einbürgerungsgesuche zu unterschiedlichen Zeitpunkten an das Bundesamt für Migration weiterleiten, kann die Zahl der laufenden Verfahren bei Bund und Kantonen nur begrenzt verglichen werden. Denn nicht selten dauern Einbürgerungsverfahren bis zu drei Jahre – und Gemeinde, Kanton und Bund führen den gleichen Fall statistisch in verschiedenen Berichtsjahren.

Wegen dieses mehrstufigen Verfahrens will sich auch die Aargauer Verwaltung nicht zur Entwicklung bei den Einbürgerungsgesuchen äussern. «Eine mögliche Zunahme der Gesuche wäre heute erst auf Gemeindeebene spürbar», sagt Verena Bänninger von der Abteilung Register und Personenstand, der az. Die Gesuche treffen erst nach Beschluss der Gemeindeversammlung oder des Einwohnerrates beim Kanton ein; im vergangenen Jahr waren dies im Durchschnitt knapp 100 Gesuche pro Monat.

Kostenwahrheit brachte mehr Gesuche

Weniger wortkarg, aber dennoch zurückhaltend, gibt sich der Kanton Solothurn. Im Gegensatz zu den Zahlen des Bundes ist im ersten Quartal die Zahl der ordentlichen Einbürgerungsgesuche im Vorjahresvergleich leicht zurückgegangen.

Lukas Schönholzer, Leiter Bürgerrecht im Amt für Gemeinden, sieht als Hauptgrund die seit 2006 tieferen Einbürgerungsgebühren. Diese Gesetzesänderung verpflichtete Kantone und Gemeinden, dem Gesuchsteller nur noch die tatsächlich anfallenden Verfahrenskosten zu verrechnen. In den Jahren 2006 bis 2008 stieg deshalb auch im Kanton Solothurn die Zahl der Einbürgerungsgesuche. Seit 2009 ist diese jedoch wieder rückläufig. «Das ist auch der matchentscheidende Effekt für den leichten Rückgang im ersten Quartal 2011», sagte Schönholzer der az.

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