Laut der «Handelszeitung» wurden in der Schweiz 1992 noch 10 Liter reiner Alkohol pro Kopf im Jahr konsumiert. Heute sind es noch 8,5 Liter, aufgeteilt auf 56 Liter Bier und 39 Liter Wein. Angesichts des seit Jahren anhaltenden Rückgangs erstaunt es auf den ersten Blick, dass es beim hochprozentigen Wodka genau umgekehrt ist.

Sondersteuer gab den Startschuss

Denn spätestens seit 2004, als eine Sondersteuer auf die von den Jugendlichen so beliebten Alcopops belegt wurde, verzeichnete der Wodka eine steile Wachstumskurve. Doch warum steigt der Getreideschnaps zum neuen Kultgetränk auf? Einem Getränk, auf dem der Ruf lastet, einen schnellen Rausch hervorzubringen. Ist es wegen der Möglichkeit, das farblos-klare Getränk problemlos mit anderen Komponenten mixen zu können? Oder eher wegen des verhältnismässig sehr billigen Preises?

Detailhändler hüllen sich in Schweigen

Die eidgenössische Alkoholverwaltung vermeldet einen Wodka-Importzuwachs in 10 Jahren von 6940 Hektolitern auf 16366 Hektoliter. Diese der «Handelszeitung» entnommenen Zahlen wollen die Grossverteiler nicht gross kommentieren: «Wir können den Wachstumstrend von Wodka bestätigen. Insbesondere das Segment des klaren Wodka konnte in den letzten Jahren kontinuierlich zulegen», sagt Urs Meier, Pressesprecher von Coop.

Bei der Migros-Tocher Denner spricht man auf Anfrage «von einem nachhaltigem Wachstum in der Kategorie Wodka». Doch genauere Zahlen kann man leider nicht zur Verfügung stellen.

Absatz ist Sache der Erhältlichkeit

Bei regionalen Getränkehändlern scheint sich dieser Anstieg nicht ereignet zu haben. Die Meier Getränke AG aus Brugg, welche eine grosse Palette an Getränken führt, verkauft nicht mehr oder weniger Wodka als sonst. So auch Urs Blattner von «Blattner Getränke» in Küttigen: «Wodka ist ein beliebtes Segment. Über die Festtage verkaufen wir mehr als sonst. Doch das war schon immer so.»

Es ist kaum vorstellbar, dass die meist junge Zielgruppe für den Freitag- oder Samstagabend bei Urs Blatter Wodka bestellen. Im Coop Pronto geht das viel schneller und unkomplizierter. Dies mag ein Grund sein, weswegen Grossverteiler und kleinere regionale Getränkeverkäufer zu zwei so unterschiedlichen Verkaufszahlen kommen.

Die Schweiz hat seinen eigenen Wodka

Wodka stammt schon lange nicht mehr ausschliesslich aus Russland, sondern wird unter anderem auch in der Schweiz produziert. Die einheimische Marke Trojka, die in Luzern produziert wird, gehört inzwischen zu den meist verkauften Spirituosen in der Schweiz und ist die grösste Wodka-Marke. Nebst alkoholischen Getränken stellt die Herstellerin Diwisa, die hinter Trojka steckt, auch den bekannten Trojka-Energy-Drink her.

Politische Reaktionen

SP-Nationalrätin Bea Heim wie auch Jacqueline Fehr wünschen sich eine ähnliche Vorgehensweise wie bei den Alcopops, nämlich eine höhere Besteuerung, das berichtet «20 Minuten». Anderer Meinung ist jedoch CVP-Präsident Christophe Darbellay, der in erneuten Prohibitionsmassnahmen keinen Erfolg sieht.

Das Thema Alkoholgesetz soll in Kürze in der Wirtschaftskommission behandelt werden.