Am 8. Juni wird der ungelöste Vierfachmord von Rupperswil in der Kriminalsendung «Aktenzeichen XY» auf ZDF gezeigt. Verfilmt wird er von der Produktionsfirma Securitel aus Ismaning bei München. Diese Woche wurde bekannt: Gedreht wird nicht im Aargau, sondern «im Raum München/Fürstenfeldbruck» (wir berichteten). Recherchen der az zeigen jetzt: Gefilmt wird in den nächsten eineinhalb Wochen vor allem in den Städten Fürstenfeldbruck und Olching. Das bestätigen die lokalen Behörden. In Bruck – die Einheimischen kürzen den Ortsnamen so ab – wurden für mehrere Drehorte Bewilligungen erteilt: eine Baustelle, ein Sportgeschäft, ein Modehaus, eine Filiale der Volksbank sowie eine der Raiffeisenbank. Opfer Carla Schauer hatte kurz vor ihrem Tod an einem Bancomaten in Rupperswil sowie am Schalter der Kantonalbank in Wildegg Geld abgehoben. Die Ladengeschäfte und die Baustelle könnten weitere Stationen an jenem verhängnisvollen Morgen des 21. Dezember 2015 gewesen sein, an dem die 48-jährige Mutter, deren zwei Söhne sowie die Freundin des älteren Sohnes umgebracht wurden.

Realisation: Elia Diehl

Cards: Vierfachmord Rupperswil – Fakten und Thesen


Ähnliches Haus gefunden


Auch für das Zuhause der Familie Schauer – ein Doppeleinfamilienhaus an der Rupperswiler Lenzhardstrasse – wurde in Bayern ein Abbild gefunden: In einem ruhigen Familienquartier in Olching. Ein Online-Augenschein auf Google Maps zeigt, dass die Häuser in der ausgewählten Strasse dem Spitzbirrli-Quartier auffällig ähnlich sehen. Das ist auch der Grund, warum das Produktionsteam nicht in den Aargau kommt: Transport und Unterbringung von 25 Mitarbeitenden inklusive Material wäre zu teuer – dafür werden Location-Scouts engagiert, die möglichst nah originalgetreue Orte suchen. Unter «XY»-Fans ist die Gegend deshalb bestens bekannt.

Tatort Rupperswil 40 Ermittler arbeiten nach wie vor am Fall

Tatort Rupperswil 40 Ermittler arbeiten nach wie vor am Fall

Ob es um einen ungeklärten Raubüberfall auf einen Juwelier geht, um eine schwere Brandstiftung oder um eine Schiesserei nach einem Fussballspiel: Weil die Produktionsfirma in Ismaning nicht weit weg liegt, werden die 35 000-Einwohner-Stadt Fürstenfeldbruck und ihre Nachbargemeinden alle paar Monate Schauplatz eines Drehs. Mindestens achtmal wurden in den letzten drei Jahren im Landkreis Verbrechen nachgestellt.

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Grafik: Elia Diehl

CartoDB: Vierfachmord von Rupperswil


Hans Kürzel ist freier Mitarbeiter der Brucker Lokalredaktion des «Münchner Merkurs». Er sagt: «Man nimmt das hier zur Kenntnis. Vielleicht ist man aufgrund der Bedeutung der Sendung auch ein bisschen stolz darauf.» Die Drehs würden von der Bevölkerung aber nicht als besondere Ereignisse wahrgenommen. Erst vergangene Woche war Kürzel wieder auf einem «XY»-Set. Die Behörden würden jeweils vorgängig informieren, weil oft Strassen oder Gebäude für längere Zeit komplett abgesperrt werden müssten. Dass die Region oft in der Fahndungssendung zu sehen ist, ist auch der Öffentlichkeitsbeauftragten der Stadt Fürstenfeldbruck, Tina Rodermund-Vogt, aufgefallen. Immer, wenn sie die Sendung sehe, denke sie sich: «Ha, da sind wir ja wieder.»

Vierfachmord Rupperswil: Staatsanwältin Barbara Loppacher informiert über den neusten Stand der Ermittlungen.

Vierfachmord Rupperswil: Staatsanwältin Barbara Loppacher informiert über den neusten Stand der Ermittlungen.

(Komplette Fassung von der Medienkonferenz am 18. Februar 2016)


Am Schluss muss der Film möglichst realitätsgetreu werden. «XY»-Redaktionsleiterin Ina-Maria Reize-Wildemann sagte im März zur az, man werde auf jeden Fall mit Schweizerdeutsch sprechenden Schauspielern arbeiten. Die Recherchen für das Drehbuch sind abgeschlossen, Regie und Castingabteilung kümmern sich um die Besetzung.