Polizei
Viele Polizeikandidaten sind ungeeignet

Repol und Kapo suchen Polizisten: Ein Abwerben innerhalb des Kantons kommt dabei nicht in Frage. Deshalb schalten sie Inserate, machen Werbung auf der Website und betreiben Mund-Propaganda. Geeignete Kandidaten sind aber schwer zu finden.

Adrian Hunziker
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Der Wohler Einwohnerrat hat beschlossen, die Regionalpolizei Wohlen bis 2017 um 5 Polizistinnen oder Polizisten aufzustocken. «Derzeit sind zwei Stellen für bereits ausgebildete Polizisten ausgeschrieben», sagt Marco Veil, Chef der Repol Wohlen. Sie hätten in der ersten Woche auch gleich vier Bewerbungsdossiers bekommen, was keine schlechte Bilanz sei. Doch Veil relativiert: «Drei der Dossiers waren nicht zu unserer Zufriedenheit; die haben wir gleich wieder zurückgeschickt.»

Keine Abwerbung im Kanton

Veil sucht für die zwei offenen Stellen keine Aspiranten, sondern ausgebildete Polizisten. «Von 2014 bis 2016 werden wir dafür jährlich je eine Stelle für Aspiranten ausschreiben.» Um geeignetes Personal zu finden, sucht Veil auch ausserkantonal. «Denn ich will niemanden im Kanton Aargau abwerben», sagt er.

Abwerbungsversuche von fähigen Leuten kennt auch René Lippuner, Präsident des Verbandes der Aargauer Gemeindepolizeien. «Diese Versuche kommen aber immer von ausserkantonalen Polizeistellen. Im Aargau haben Repol und Kantonspolizei ein Abkommen, dass niemand aktiv abgeworben wird», erklärt Lippuner. Sowohl die Kapo wie auch die Repol müssen ihre Kontingente bis 2017 aufstocken, bis das geforderte Verhältnis von 1 Polizisten zu 700 Bürgern gewährleistet ist. «Sollte die Bevölkerungszahl ansteigen, muss die Anzahl Polizisten wieder angepasst werden», gibt Bernhard Graser, Mediensprecher der Kapo, zu bedenken. Und Graser weiter: «Es handelt sich bei der Rekrutierung von fähigem Personal um einen Dauerauftrag.»

Zum Rekrutierungsprozess gehört auch die Akquirierung von Aspirantinnen und Aspiranten. «Wir versuchen mit Inseraten, über unsere Website und per Mund-Propaganda Interessierte für den Polizeiberuf zu begeistern», sagt Lippuner. Er habe in diesem Jahr gegen 30000 Franken für Inserate – nur für die Repol Zurzibiet – ausgegeben. «Das ist sehr teuer, doch die Inserate müssen einfach genügend gross sein, um aufzufallen.»

Doch das Werben um Polizisten wird immerhin bemerkt, sowohl bei der Regional- als auch bei der Kantonspolizei. «Unsere Informationsabende sind immer voll. Doch wir müssen weiterhin intensiv werben und dürfen uns nicht zurücklehnen», sagt Graser. Man müsse aber aufpassen, dass man nur die fähigen Bewerber auswähle. «Wir wollen nicht irgendwelche Interessenten anstellen, nur um unsere Zahlen zu erfüllen», sagt Graser.

Deutsche Sprache mangelhaft

In diesem Punkt stimmt ihm Lippuner gerne zu: «Wir legen sehr hohen Wert auf die Qualitätssicherung.» Sie sei viel wichtiger als eine Quotenanstellung. Die Kapo bekommt beispielsweise 200 bis 300 Bewerbungen pro Jahr. Letztlich werden jeweils rund 40 Aspirantinnen und Aspiranten ausgewählt. «Es haben sich auch schon Asylbewerber für eine Stelle als Polizist beworben», schmunzelt Lippuner. Die Breite der Bewerbungen sei sehr gross.

Er sieht aber noch andere Punkte, die gegen ein Engagement von einigen Bewerbern sprechen: «Häufig fehlt auch die Disziplin. Da gibt man ihnen einen Termin für ein Assessment und sie tauchen einfach nicht auf.» Es mangle an Ernsthaftigkeit. Zudem müssten die Bewerber die deutsche Sprache korrekt beherrschen. «Die Qualität, wie sich die Leute ausdrücken, hat sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert.» Lippuner sieht auch einen Grund dafür: «Die Leute lesen nicht mehr.»