Lohnbuch

Viele Arbeitnehmende mussten 2011 auf mehr Lohn verzichten

In den wirtschaftlich schwachen Branchen mussten etliche Arbeitnehmer auch Nullrunden hinnehmen.

Schweizer Durchschnittslohn: 5823 Franken (Symbolbild)

In den wirtschaftlich schwachen Branchen mussten etliche Arbeitnehmer auch Nullrunden hinnehmen.

«Von 7300 auf 8000 Mindestlöhne ist die Zahl gestiegen», sagt Philipp Mülhauser, Autor des Lohnbuchs 2011. Die Löhne stagnierten vielerorts oder legten höchstens marginal zu.

«Wie viel verdienst du im Jahr?», wird ein Mannvonseiner Kollegin gefragt. «Also verdienen würde ich 120000 Franken, aber ausbezahlt erhalte ich leider nur 80000 Franken.» Mit diesem Zitat leitet der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker das Vorwort zum schweren Lohnbuch 2011 ein, mit dem man einen Einbrecher in die Flucht schlagen könnte.

Damit spricht er an, was viele Arbeitende beim Betrachten der Lohntabelle denken; die Differenzen sind gross, die Unterschiede von Branche zu Branche massiv: Ein Informatiker verdient rasch über 6500 Franken im Monat, während sich ein Chefbäcker mit rund 5000 Franken zufriedengeben muss.

Einzigartiges Buch

Das einzigartige Buch 2011 über die «Mindestlöhne sowie die orts- und berufsüblichen Löhne in der Schweiz» erscheint jetzt im Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich. Es hat aber Aargauer Wurzeln, das Amt für Arbeit und Wirtschaft im Departement Volkswirtschaft und Inneres hat es im Hinblick auf die Personenfreizügigkeit mit der EU erarbeitet. Zehn Jahre lang ist es in Aarau erschienen, bis es einer seltsamen Sparaktion zum Opfer fiel. Autor ist noch immer der exzellente Kenner der Deutschschweizer Löhne, Philipp Mülhauser. Von 7300 auf 8000 Löhne hat «der Umfang erneut zugenommen oder um 34 Kapitel», sagt der Autor zum Fleisswerk. Das grosse Lohnbuch ist damit nochmals 120 Seiten gewachsen und jetzt ein 720 Seiten dicker Wälzer.

Keine grossen Lohnsprünge,lautet das Fazit zum Jahr 2010, «viele Löhne stagnierten oder stiegen nur ein bis zwei Prozent, in wenigen Ausnahmen gab es drei Prozent mehr», versichert Mülhauser. In den wirtschaftlich schwachen Branchen mussten etliche Arbeitnehmer auch Nullrunden hinnehmen. Aber jetzt zeigen sich Silberstreifen, «es kommt langsam etwas Bewegung in die Löhne», meint der Kenner. Die Zahlen 2011 sind eine Momentaufnahme, Stichtag ist der 1. Februar. Alle gedruckten Werte «sind Bruttolöhne, ohne jegliche Zulagen, Sondervergütungen oder Zuschläge», betont Mülhauser.

Frauen verdienen weniger

Frauen verdienen klar weniger,was im Buch nicht direkt belegt wird, ausser dass die typischen Frauenberufe Verkäuferin, Floristin oder Coiffeuse erst ganz am Schluss der Tabelle auftauchen – mit sehr tiefen Monatslöhnen. «Je nach Branchen bestehen starke Differenzen, der Minderverdienst der Frauen beträgt zwischen 10 und 33 Prozent». Dabei verweist Mülhauser auf eine Studie für die Schweiz und den Grossraum Zürich. Am grössten ist die Differenz bei Führungskräften mit Hochschulbildung und bei den Banken und Versicherungen. Ungelernte Männer in der Produktion verdienen 10 bis 20 Prozent mehr, bei Leuten mit Berufslehre liegt der Unterschied oft im einstelligen Prozentbereich.

Mit Dienst- und Lebensalter steigen die Löhne zwangsläufig an. Das Lohnbuch zeigt die Differenz nach Regionen, Zürich und Genfersee sind an der Spitze, dann kommt die Nordwestschweiz, die vor Ostschweiz, Tessin und Zentralschweiz liegt. Auf der Basis von 100 Prozent für einen unter 20-jährigen Arbeitnehmer steigt der Lohn nach 20 und mehr Dienstjahren in Zürich auf 152, in der Nordwestschweiz auf 146 Prozent. Beim Lebensalter sind die 50- bis 65-jährigen auf einem Lohnniveau von 179 bis 175 Prozent, verglichen mit den unter 20 Jahre alten Einsteigern.

Information: Das Lohnbuch 2011 kostet 65 Franken. Erhältlich beim Amt für Wirtschaft Kanton Zürichoder beim Verlag Orell Füssli,Zürich.

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