#Maturtortur
Viel zu viel (Alt-)Papier

Das letzte Jahr an der Kanti ist auch eine Materialschlacht - zumindest in Sachen Papier. Lehrer scheinen irgendwie kopiersüchtig zu sein. Die Matur-Kolumne von Patrick Züst.

Patrick Züst
Patrick Züst
Drucken
Teilen
Papier in rauhen Mengen - braucht es das noch?

Papier in rauhen Mengen - braucht es das noch?

Keystone

5,3 Kilogramm Papier haben sich seit den Sommerferien in meinem Zimmer angehäuft. 5,3 Kilogramm Übungsblätter, Skripte und «nützliche Zusatzinformationen» aus einem halben Jahr Kantonsschule.

Am vergangenen Donnerstag habe ich diese 5,3 Kilogramm fast komplett entsorgt. Was bleibt, sind einige der alten Prüfungen und ein paar Arbeitsblätter, auf die ich während der Schulstunde zusammen mit meinen Kollegen lustige Zeichnungen gemalt habe. Der Rest ist belanglos.

Blätter, die nichts nützen, noch nie etwas genützt haben und nie mehr etwas nützen werden. Meine Lehrer sind kopierwütig. Je weniger uns Schüler ein Thema interessiert, desto mehr Unterlagen kopieren sie uns dazu. Egal, ob wir sie je brauchen werden – egal, wie viel Papier man dadurch verschwendet. Dieses Verhalten nervt mich schon seit Jahren.

Wird es nicht langsam Zeit, diesen unglaublichen Papierkonsum an der Kantonsschule zu überdenken? Gäbe es heutzutage keine umweltschonenderen Methoden? Wieso kommt man an Hochschulen ganz ohne Kopien aus?

Genau diese Fragen habe ich zu Beginn des Semesters einem Wohler Kantilehrer gestellt. Er verstehe die Problematik ja schon, hat er mir damals gesagt, aber viel ändern könne er daran nicht. Rund eine Woche später kam er dann nach einer Schulstunde zu mir. Er habe sich dazu jetzt im Internet etwas kundig gemacht und sei auf einen tollen Artikel gestossen. Stolz zog er ein fünfzehnseitiges Dossier hervor, «ich habe es Ihnen kopiert.» Auf dem Titelblatt stand in grossen Buchstaben: «Papiersparen in der Schule». Den fundamentalen Widerspruch darin schien er nicht zu erkennen.

Den Artikel las ich schliesslich online – das kopierte Dossier wurde vergangene Woche Teil von meinen 5,3 Kilogramm schweren Kanti-Ballast. Eingequetscht zwischen Gottfried Keller und John F. Kennedy. Das ganze Bündel steht jetzt an der Strasse vor unserem Haus. Es ist ein Sammelsurium an Wissen, Bildung in Reinform, ein Potpourri der Wissenschaften. Und während ich mir überlege, wie viele Informationen in diesen 5,3 Kilogramm doch eigentlich stecken, kommt schon die Papiersammlung und nimmt mein zweitletztes Kanti-Semester für immer mit. Aber zum Glück habe ich all dieses Wissen ja im Kopf gespeichert. Oder ansonsten zumindest im Internet.