Unwetter
Wegen des Hochwassers: Viel mehr Arbeit bei den Kraftwerken und viel weniger Strom

Tagelang waren die Blicke vieler auf den Pegelstand der Seen und Fliessgewässer konzentriert. Doch um Überschwemmungen und Schäden an Kraftwerken zu verhindern, waren und sind zahllose Trupps im Einsatz, um das viele Schwemmholz wegzuräumen.

Mathias Küng
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Ein an einer Fussgängerbrücke in Aarau angeschwemmter Baumstamm wird vor Ort zerkleinert und abtransportiert.

Ein an einer Fussgängerbrücke in Aarau angeschwemmter Baumstamm wird vor Ort zerkleinert und abtransportiert.

Bild: Eniwa AG

Der Aargau ist das Wasserschloss der Schweiz. Dessen Nachteile bekam er in diesen Tagen nach heftigen Regenfällen wieder einmal zu spüren. Doch was bedeutet Hochwasser eigentlich für die Stromgewinnung bei Flusskraftwerken? Wenn so viel Wasser kommt, könnte man meinen, die Produktion falle besonders hoch aus. Das Gegenteil ist der Fall.

In den letzten Tagen und Wochen hatten die Verantwortlichen der Kraftwerke andere Sorgen. Denn schon seit über einem Monat führt die Aare ungewöhnlich hohe Wassermengen. Am Donnerstag zwischen 8 und 9 Uhr verzeichnete die Eniwa AG in Aarau für dieses Jahr einen neuen Höchstwert mit über 1000 m³ Wasser pro Sekunde.

Beim Aare-Kraftwerk in Aarau wird ein ganzer Baum rausgezogen.

Beim Aare-Kraftwerk in Aarau wird ein ganzer Baum rausgezogen.

Bild: Eniwa AG

Rechenreinigungsmaschinen sind pausenlos im Einsatz

Diese Wassermenge bedeutet einen 24h-Einsatz für die Mitarbeitenden sowie Partnerfirmen, die die Eniwa unterstützen, sagt Hans-Kaspar Scherrer, CEO der Eniwa AG. Baumstämme, teilweise inklusive Wurzelstöcke, werden laufend angeschwemmt und müssen rechtzeitig entfernt und zerkleinert werden. Die Rechenreinigungsmaschinen sind pausenlos im Einsatz, ebenso die Kettensägen. Die Arbeiten auf der Baustelle des neuen Dotierkraftwerks wurden vorläufig eingestellt und die Baustelle aus Sicherheitsgründen geflutet.

Die Arbeiten auf der Baustelle beim Dotierkraftwerk in Schönenwerd wurden vorläufig eingestellt, die Baustelle geflutet.

Die Arbeiten auf der Baustelle beim Dotierkraftwerk in Schönenwerd wurden vorläufig eingestellt, die Baustelle geflutet.

Eniwa AG

Scherrer: «Wichtiger als die Stromproduktionsmenge ist derzeit der kontinuierliche und gleichmässige Betrieb des Kraftwerks sowie die teilweise Durchleitung der Wassermassen durch den Kraftwerkskanal. Damit kann die Wassermenge im Altlauf reduziert und damit das Überschwemmungsrisiko im Schachen gemindert werden. Und natürlich die Gesundheit aller Beteiligter: Herzlichen Dank an das ganze Team von Eniwa und an alle Partner, die uns bei den teilweise gefährlichen Arbeiten unterstützten! Hebed Eu Sorg!»

Gefährliche Arbeit: Ein Baumstamm wird vor Ort mit der Kettensäge verkleinert.

Gefährliche Arbeit: Ein Baumstamm wird vor Ort mit der Kettensäge verkleinert.

Bild: Eniwa AG

Stromproduktion wegen Hochwassers teilweise gar halbiert

Einen genauen Produktionswert des Kraftwerks in Aarau könne man derzeit nicht mitteilen, heisst es bei der Eniwa AG weiter. Die Priorität liege in solchen Situation klar beim kontinuierlichen Betrieb des Kraftwerks und beim Weiterleiten der Wassermassen und nicht bei der eigentlichen Produktionsmenge. Es lasse sich jedoch sagen, dass sich die Produktion teilweise in etwa halbiert hat.

Je höher der Wasserstand, desto geringer die Fallhöhe

Eine ähnliche Auskunft gibt es bei der Axpo. Je höher der Durchfluss von Rhein oder Aare in m³/s über der sogenannten Ausbaumenge der Laufwasserkraftwerke liegt, desto stärker nimmt die Fallhöhe aufgrund des gestiegenen Wasserpegels unterhalb des Kraftwerks ab. Während der Unterwasserpegel also steigt, bleibt der Pegel oberhalb des Wehrs auf einem konstanten Niveau, sagt Mediensprecher Ueli Walther. Aufgrund der abnehmenden Fallhöhe am Kraftwerk können die Maschinen nicht mehr mit voller Leistung produzieren.

Demnach gilt: Die Stromproduktion nimmt bis zum optimalen Durchfluss (sprich Ausbaumenge – beim Kraftwerk Eglisau Rheinfelden beispielsweise sind dies 500 m³/s) zu. Danach leider nicht mehr. Walther: «Zu viel Wasser bringt also weniger Strom.»

Schwemmholz-Problematik «derzeit handelbar»

Es gibt derzeit in Rhein und Aare mehr Geschwemmsel als üblich. Allerdings sei die Situation in beiden Flüssen aus Axpo-Sicht nicht gravierend, da sowohl bei Rhein (Bodensee) als auch bei der Aare Seen vorgelagert sind, die viel Schwemmholz auffangen. Derzeit sei die Situation für die Axpo-Kraftwerke an Rhein und Aare zu bewältigen, sagt Walther.