Besagte Umfrage wurde bei rund 406 Schulleitern aus der Deutschschweiz durchgeführt mit dem Ergebniss, das ein Grossteil der offenen Lehrerstellen nur besetzt werden könne, wenn Abstriche bei der Ausbildung und Erfahrung in Kauf genommen werden. So müssen. Hans-Jürg Grunder, Präsident des Verbandes der Schweizer Schulleiter spricht von einer «prekären» und weiterhin «alarmierenden» Situation.

Alles nur «aufgebauscht»

Dem entgegen hält Christian Aeberli, Leiter der Abteilung Volksschule des Kantons Aargau, dass die ganze Situation «aufgebauscht» werde. Er sieht ein Fehler in der Art und Weise, wie die Daten bei Umfragen wie derjenigen vom Verband der Schweizer Schulleiter erhoben werden: «von den Lehrpersonen wird eine Transferleistung erwartet» was bedeute, dass diese auch Fächer unterrichten müssen, in denen sie nicht spezifisch ausgebildet worden sind. Heute können angehende Lehrer auf Sekundarstufe l in ihrer Ausbildung 3 Schwerpunktfächer wählen, «wobei sie daneben grundsätzliche pädagogische Fähigkeiten vermittelt bekommen», so Aeberli. Diese Lehrpersonen würden dann später in Statistiken und Umfragen, wie sie eben der Schweizerische Schulleiter Verband durchgeführt hat, als «nicht qualifiziert» oder als «nicht übereinstimmend» mit dem Stellenprofil klassifiziert werden.

Der Peak noch nicht erreicht

Unbestrittene Tatsache aber ist, dass sich der Lehrermangel in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Erstens ist «der Peak noch nicht erreicht», wie Kathrin Scholl, stellvertretende Geschäftsführerin des Aargauischen Lehrerverbandes, sagt. Denn im Kanton Aargau werden in den kommenden Jahren überdurchschnittlich viele Lehrpersonen pensioniert werden, was zu einer zusätzlichen Anspannung der Situation führen werde. Zweitens werden wieder Geburtenstärkere Jahrgänge in die Schulen kommen. Drittens können die Pädagogische Hochschulen das Problem ebenso wenig beheben, denn im Aargau stagniert die Zahl der Studierenden. Ausser in den beiden Basel sind in den meisten Kantonen die Anmeldungen der neueintretenden Studierenden rückläufig.

Dabei ist das Problem so neu gar nicht: «wir haben schon vor 3 Jahren darauf hingewiesen», sagt Scholl. Die Hoffnung sei, dass nun mit der erhöhten Medienaufmerksamkeit «etwas gehe».

Strengere Studienbedingungen als Lösung?

Eine überraschende Möglichkeit, das Problem zu lösen, sieht Scholl darin, die Zulassungsbedingungen für Studierende zu erhöhen, um die Aspiranten des Lehrer Berufs besser selektieren zu können. Höhere Anforderungen könnten «motivierend wirken» und zudem «andere Leute anziehen». Momentan sei es so, dass man die Ausbildung zum Lehrer noch «easy» machen könne; weshalb sie viele Leute machen würden, die sich sonst kein anderes Studium zutrauen würden. In der Realität sind viele frisch ausgebildete Lehrpersonen den Ansprüchen nicht gewachsen, oder aber sie sich «schlicht die falschen Leute», so Scholl. Momentan steigen fast 50% der Lehrer nach 2 Jahren wieder aus dem Lehrerberuf aus. Als letzte Massnahme bliebe noch er Faktor Geld: über das Lohndekret werde momentan diskutiert. Ziel ist auch hier, den Lehrer-Beruf gerade für Junge oder Einsteiger wieder attraktiver zu machen.