Tierseuchengesetz

Und plötzlich entbrennt ein Streit um das neue Tierseuchengesetz

Auch in der Tierwelt sind sich Impfliebhaber und Impfgegner spinnefeind. Das zeigt die Diskussion, die zum neuen Tierseuchengesetz entbrannt ist. Zwei Wochen vor der Abstimmung am 25. November machen die Impfgegner mobil.

Nicht nur in der Humanmedizin sind sich Impfliebhaber und Impfgegner spinnefeind. Auch was die Tierwelt betrifft, gehen die Meinungen stark auseinander. Trotzdem konnte man davon ausgehen, dass sich das revidierte Tierseuchengesetz problemlos durchsetzen werde – zumindest, wenn man sich den Zuspruch im Parlament anschaut (siehe Box). Doch es bildete sich eine Gegenbewegung. Die Aargauer Zeitung lässt Befürworter und Gegner zu Wort kommen.

Bestehendes Gesetz veraltet

Ralf Bucher, CVP-Grossrat, Geschäftsführer des Aargauischen Bauernverbandes und Landwirt, sieht das bestehende Tierseuchengesetz als veraltet an. Es sei ja bereits 50 Jahre alt. «Wenn man zurückschaut und vergleicht mit heute, wie damals das Klima und der Lebenswandel mit Reisetätigkeiten war, so hat das um einiges zugenommen. Das ist der Hauptpunkt, wieso sich Seuchen ausbreiten», argumentiert Bucher. Die Reisetätigkeit der Menschen und der Tiere und die Klimaerwärmung trügen dazu bei. «Mücken, die man bisher hier nicht kannte,und die sich dank der höheren Temperaturen hier ausbreiten konnten, übertragen Krankheiten.» Die Blauzungenseuche gehöre da auch dazu. Man müsse alles daransetzen, dass man alle Anzeichen einer Seuche oder einer übertragbaren Krankheit vorzeitig erkennen und zu eliminieren versuche, so Bucher. Aussagen der Gegner, ihre Tiere seien immer gesund, seien utopisch. «Sie sind deshalb nicht geheilt von diesen Krankheiten.»

Ralf Bucher (CVP) impfte alle seine 50 Tiere und hatte danach überhaupt keine Probleme. Toni Widmer

Ralf Bucher (CVP) impfte alle seine 50 Tiere und hatte danach überhaupt keine Probleme. Toni Widmer

Bucher versteht die Argumentation der Impfgegner nicht: «Eigentlich hat die Vorlage gar nichts mit dem Impfen zu tun. Es gibt einige Gegner, die hinter allem eine Verschwörung sehen und alles, was vom Bund und den Behörden kommt, bis aufs Letzte hinterfragen.» Sie behaupteten, alle seien Verbrecher und Pharmavertreter. «Diese Verschwörungstheorien sind an den Haaren herbeigezogen», echauffiert sich Bucher.

Gegensteuer der Grünen Aargau

Gertrud Häseli, Präsidentin der Grünen Aargau und Bio-Landwirtin, legt den Fokus auf die Eigenverantwortung. «Wir wehren uns gegen die staatlich verordneten Zwangsmassnahmen.» Laut Häseli habe man bereits mit der Vogelgrippe und der Blauzungenkrankheit die Erfahrung gemacht, «dass der Staat die Krankheit schon sehr schnell als Seuche einschätzte und sehr rigorose Massnahmen traf, ohne dass die Eigenverantwortung der Tierbesitzer zum Zuge kam.» Es habe keine Rücksprache gegeben. «Rücksprache wurde wohl mit den Pharma-Konzernen und den Produzenten der Impfstoffe genommen», kritisiert Häseli.

Die Grüne ist überzeugt, dass man nicht sagen könne, dass die Seuche, wenn sie komme, überall ausbreche und man das mit einer Impfung verhindern könne. «Wir schauen es ebenfalls als Illusion an, dass die Impfung einen totalen Schutz bieten kann, was ja immer vorgegaukelt wird.» Denn es gebe ja auch Wildtiere und andere Möglichkeiten, warum die Impfung nicht wirke. Man gehe also von einer falschen Sicherheit aus. Häseli ist aber nicht grundsätzlich gegen Impfungen: «Pharma ist ein Hilfsmittel, aber kein Allerheilmittel.»

Doch Häseli weiss auch, dass die Bemühungen der Impfgegner eine kleine Erfolgschance haben. «Ich sehe nicht, dass die Nein-Stimmen durchkommen, da bin ich realistisch. Aber es ist mir wichtig, dass man etwas macht und darauf hinweist, dass man bei der nächsten Seuche doppelt vorsichtig darangeht.»

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