Diesmal könnte der überspannte Bogen brechen, die Einzonung von neuen Baugebieten löst verstärkten Widerstand aus. Vom Bund her ist der Aargau verpflichtet, mindestens 40000 Hektaren Fruchtfolgeflächen zu sichern. Noch sind es 712 Hektaren mehr, doch Jahr für Jahr wird daran geknabbert.

Die Zersiedlung schreitet voran, dem starken Wachstum wird (fast) alles geopfert. Im Einzelfall geht es nur um eine Gemeinde, «die dringend neues Bauland braucht». Mit dem starken Bevölkerungswachstum begründet die Regierung die heute im Grossen Rat zur Debatte stehende Einzonung von 12 Hektaren Landwirtschaftsland in Möhlin. Das schaffe Platz für zusätzlich 1500 bis 2000 Einwohner, «für die erwünschte Entwicklung von Möhlin besteht keine Alternative», so die Regierung.

Widerstand gegen Bauzonen

Die klassische Debatte bei Einzonungen im Parlament verläuft so: SP und Grüne sind dagegen, die bürgerliche Mehrheit bedauert den Kulturlandverlust ebenfalls, winkt aber das Geschäft durch. Gegen den Richtplan Möhlin hat sich im Vorfeld viel Widerstand formiert: Von den 48 Meinungen der Mitwirkung sagte die überwiegende Mehrheit Nein. Begründungen: Verlust von Kulturland, Landschaft und Ökologie sowie ein viel zu grosses Wachstum. Nur der Planungsverband Fricktal Regio und zwei Parteien stimmten zu.

Fragen zum Wachstum

Jetzt haben die Bauern genug und wollen ein Aargauer Wachstum um 140000 Personen bis 2035 nicht länger als gottgegeben hinnehmen. Bei der Gesamtrevision des Richtplans müsse man auch darüber reden. Jede Woche gehe im Aargau eine Fläche von der Grösse eines Fussballfeldes verloren. Allein die Grossverteiler Migros und Coop hätten die Ladenflächen in 20 Jahren landesweit auf 330 Hektaren verdoppelt, mit Aldi und Lidl seien in nur fünf Jahren weitere 17 Hektaren dazugekommen. Aber auch für Auen und Naturschutz seien im Aargau 60 Hektaren im Richtplan vorgesehen. Und der Bund mache «unter dem Deckmantel Gewässerrenaturierung» Pläne, die allein in unserem Kanton 420 Hektaren Kulturland verschlingen würden.

Bauern wollen Massnahmen

Die Bauern wollen die Eigenversorgung der Schweiz stärken, was mit immer weniger Land immer schwieriger wird. Für einen Eigenversorgungsgrad von 66 Prozent kämpft die SVP, «heute sind wir bei 58 Prozent», sagt Geschäftsführer Ralf Bucher vom Bauernverband Aargau (BVA).

Geht es aber um Einzonungen, ist die SVP oft nicht konsequent und drückt beide Augen zu. Jetzt fordern die Bauern Massnahmen, die wehtun, konkret ein Verbot für eingeschossige, grossflächige Einkaufszentren und den Verzicht auf alle nicht gebauten Golfplätze. «Allein Bergdietikon benötigt 93 Hektaren Kulturland oder 63 Hektaren Fruchtfolgeflächen», erklärt Bucher. Zu den BVA-Forderungen gehören verdichtetes Bauen, mehr Wohnraum in bestehenden Bauten der Landwirtschaft und die Streichung der Ausnützungsziffer.

Industriebrachen und Altbauten müssten neu genutzt oder der Landwirtschaft zugewiesen werden. Dazu kommt eine Abgabe von 25 Prozent des Mehrwerts bei Einzonungen, um damit Auszonungen entschädigen zu können. Wie im Baugesetz gehabt – und gestrichen. Argumente für die Debatte Bauzone oder Kulturland sind viele auf dem Tisch.