Umfahrung Mellingen
Umfahrung Mellingen: Gegner drohen mit Gericht

Die Abstimmung vom 15. Mai zum 36 Millionen Franken teuren Strassenprojekt geht in die Schlussphase. Nun sorgen brisante Aussagen rund zwei Wochen vor der Abstimmung über das umstrittene Strassenprojekt für Aufregung.

Hans Lüthi
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Zerrissene Plakate bei Befürwortern und Gegnern der heftig umstrittenen Umfahrung Mellingen. Die Abstimmung vom 15. Mai zum 36 Millionen Franken teuren Strassenprojekt geht in die Schlussphase. «Es gibt wahnsinnig viele Emotionen», sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, der sich politisch in die Brennnesseln setzt und dabei nicht nur die Finger verbrennt. Denn der bekennende Freisinnige, auf der FDP-Liste für die Nationalratswahlen stehend, kämpft als Naturschützer gegen das Projekt. «Beim Freisinn ist der Sinn frei», meint er zum Konflikt, Pro Natura müsse klar Stellung beziehen und wolle bewusst Profil zeigen. «Die FDP hat einstimmig die Ja-Parole beschlossen, ohne Gegenstimme und Enthaltungen», sagt Thierry Burkart zu Jennys Abweichung. «Als Parteipräsident habe ich keine Freude daran, nehme es aber doch gelassen zur Kenntnis», lautet seine Reaktion.

Kampfansage bei Zustimmung

Kurios am Mellinger Strassenprojekt ist dies: Der ganze Kanton muss zum ganzen Projekt Ja oder Nein sagen. Dabei betonen auch die vehementen Gegner, sie wollten nur den Abschnitt 2 verhindern, hätten aber überhaupt nichts gegen Abschnitt 1 – obwohl dieser mit einer neuen Brücke über die Reuss führt. Ein Ja am 15. Mai führt nicht zwingend zum raschen Neubau der Umfahrung. Das zeigen brisante Aussagen des Gegnervereins Bye Bye Abschnitt 2: «Bei einem Ja gibt es endlose Gerichtsverhandlungen, denn die Reusslandschaft ist im Bereich der Brücke von nationaler Bedeutung», erklärt Charles Sigrist, Präsident des Vereins. Das Uvek habe das Projekt abgelehnt, von der Eidgenössischen Behörde für Heimatschutz fehle das nötige Gutachten. «Unser Verein kann den Gerichtsweg mangels Legitimation nicht selber beschreiten, aber die Umweltverbände machen das», versichert Sigrist zum Vorgehen. «Bei einem Ja machen die Umweltverbände Einwände, das gibt längere Verzögerungen», doppelt Ralf Bucher nach. Der Geschäftsführer kämpft mit dem Bauernverband Aargau an vorderster Front gegen die Strassenpläne. Abschnitt 2 werde nur auf Vorrat gebaut, die Bauern müssten sich wehren – gegen den Landverschleiss.

Neue Auflage und Verzögerung

Die Drohung des Gegnerkomitees dürfte bei der breit abgestützten Befürwortergruppe mit dem über 100-köpfigen Komitee wenig Freude auslösen. Zumal die Gegner gebetsmühlenartig wiederholen, «niemand habe etwas gegen den ersten Abschnitt». Hand bieten zum raschen Bau wollen sie aber nur bei einem Nein. So schwebt Pro Natura-Jenny eine Lösung vor, «die mit wenig Anpassungen schnell zu machen wäre».

Das befürchten die Befürworter bei einem Nein: Neues Projekt, neue Auflagen, neue Einsprachen, weitere Verzögerungen. Darum plädieren die Präsidenten von FDP, SVP, CVP und BDP, die Aargauische Industrie- und Handelskammer, TCS, Astag, weitere Verbände vehement für das Gesamtprojekt. Die Plakatzerstörungen mögen beide Seiten nicht überbewerten, das könne in der Hitze des Gefechts halt schon mal vorkommen.

Viel Geld für die Abstimmung

In der beliebten Sendung «Duell Aktuell» von Tele M1 kreuzten ausgerechnet zwei Freisinnige die Klingen, wobei der stellvertretende AZ-Chefredaktor Werner De Schepper als Moderator aufpasste, dass es ohne Verletzungen ausging. «Er habe sehr viele positive Reaktionen», zog Mellingens Ammann Bruno Gretener gestern Bilanz. Seine Gemeinde hat die 100000 Franken für die Pro-Werbung in Plakate, Flyer und Inserate investiert. «10000 Flyer haben wir gedruckt und 900 Plakate im ganzen Kanton verteilt», ergänzt Gretener. Auch er stellte fest, dass die Botschaft der Gegnerplakate mit der Strassenwalze besser ankommt. Die Befürworter seien auch mit Strassenaktionen aktiv, mithilfe von TCS und Astag, freut sich Gretener und blickt optimistisch auf die Abstimmung.

«Wir haben 48000 Franken und suchen jetzt noch Gelder», sagt Präsident Charles Sigrist und liefert das umfangreiche Argumentarium von Bye Bye Abschnitt 2. An 400 Kandelabern habe man die auffälligen Plakate doppelseitig angebracht, zudem an 150 bis 200 Plakatständern. «Dazu kommen Duftbäume, Ballone, persönliche Mails und Aktionen auf den Bahnhöfen. Wir sind immer noch voll dran», erklärt Sigrist. In einem Punkt sind sich Befürworter und Gegner der Region einig: «Die Abstimmung wird auswärts entschieden.»