Narrenfreiheit
Trotz Geri-Gate: Der Penis-Wagen bleibt dieses Jahr in der Garage

An den Aargauer Fasnachtsumzügen ist die Freiheit nicht ganz uneingeschränkt. Trotzdem wollen die Veranstalter natürlich auch politisch inkorrekte Sujets erlauben. Der Penis-Wagen vom letzten Jahr bleibt aber - trotz vielen Anfragen - zu Hause.

Tommy Richner
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Die Konfettikanone in Form eines überdimensional grossen Penis der Ennetbadener Fasnachtsgugge «34er-Höckler» von letztem Jahr.
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Dieser Penis-Wagen sorgte am Fasnachtsumzug letztes Jahr in Baden für viel Aufsehen.
Er durfte damals in Windisch nicht am Umzug mitfahren.
Konfettikanone in Penisform
Hauptsache es kommen Konfetti raus

Die Konfettikanone in Form eines überdimensional grossen Penis der Ennetbadener Fasnachtsgugge «34er-Höckler» von letztem Jahr.

Philippe Neidhart

In Köln wurde ein Karnevalswagen nicht zugelassen, der den Anschlag auf "Charlie Hebdo" thematisiert hatte. Da stellt sich also die Frage, gibt es auch im Aargau trotz Narrenfreiheit gewisse Grenzen?

Grenzen diskutieren

Jedes Jahr findet in Würenlingen einer der grössten Fasnachtsumzüge im Kanton statt. Auch gewagte Themen werden dort durchaus zugelassen. Im Komitee zählt man aber auf die Eigenverantwortung. Die Sujets werden erst einen Tag vor dem Umzug kontrolliert. Bei Themen, wie dem islamistischen Terror werde es schon ein wenig heikel, sagt André Wenzinger, Komiteepräsident des Fasnachtsumzugs gegenüber «Radio Argovia».

Trotzdem: «Die Narrenfreiheit ist ein Punkt, der sehr wichtig ist. Irgendwo hat es aber auch Grenzen und diese muss man zwischendurch wieder einmal diskutieren», so Wenzinger.

«Wir haben noch nie einen Wagen nicht zugelassen»

In Bremgarten ist man ebenfalls sehr tolerant. Marcel Buchmann, Stubenmeister der Spittelturm-Clique, äussert sich so: «An der Fasnacht werden Themen aufgegriffen, die sonst nicht angesprochen werden.» Natürlich gäbe es danach ab und zu Kritik, aber das sei auch irgendwie gewollt. «Bei unseren Umzügen haben wir noch nie einen Wagen nicht zugelassen», sagte Bachmann. Man setze auf den gesunden Menschenverstand.

Totz Penis-Wagen: Brugger schauen genau hin

Am Fasnachtsumzug in Brugg werden die Sujets vorher kontrolliert. Deshalb müssen die Betreiber ihre Wagen beim Komitee zuerst anmelden. Für den Zunftchef Hugo Schmid seien Grenzen wichtig. «Bei Rassismus oder Dingen stark unter der Gürtellinie, würden wir sicher zweimal hinschauen», sagt Schmid. «Letztes Jahr haben wir aber beispielsweise den Penis-Wagen der «34er-Höckler» zugelassen. An einem Kinderumzug hat der nichts zu suchen, aber bei uns geht das schon.», so Schmid.

Zahlreiche Anfragen - doch der Penis-Wagen bleibt zu Hause

Nicht jeder Fasnachtsumzug liess den Penis-Wagen der Ennetbadener «34er-Höckler» zu. Denn der Wagen mit einem Papmaschee-Penis aus dem weisse Konfetti schiesst, kam nicht überall gut an.

Was haben denn die «34er-Höckler» aus Enentbaden dieses Jahr geplant? «Eines kann ich vorab schon sagen. Der Penis bleibt dieses Jahr, trotz zahlreicher Anfragen bezüglich dem Gerigate, zu Hause», hält die Präsidentin, Rahel Rohr, fest. Das diesjährige Thema werde aber erneut zu reden geben, verspricht sie.

Rohr und ihre «34er-Höckler» sind der Meinung, dass man an der Fasnacht fast alles darf. «Alles was man bei den Schnitzelbänkler hört, sollte auch an einem Fasnachtsumzug gezeigt werden dürfen», sagt sie. Weltverbrechen, Gewalttaten oder Themen die gegen das Menschenrecht verstossen seien aber klar zu viel. «Ansprechen darf man vieles, man muss aber anständig bleiben», erzählt Rohr abschliessend. (tr)

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