Das sagen die befragten Leiter der Kraftwerke, die das hydrologische Jahr von Oktober 2010 bis Ende September 2011 abrechnen werden. Wenn die Wasserführung so optimal bleibt, wie das derzeit der Fall ist, befürchten sie im Jahresmittel noch eine Minderproduktion von rund 10 Prozent. Denn über das Jahr glätten sich auch wochenlange Wetterextreme in der Bilanz wieder aus. Zumal von Oktober bis und mit Januar überdurchschnittlich viel Wasser durch Flüsse und Turbinen floss.

Einbussen an Limmat und Reuss

Während im Zeichen eines langfristigen Atomausstiegs alle von vermehrter Nutzung der Wasserkraft reden, lässt diese die Produzenten im Stich. Das zeigt sich deutlich an den Aargauer Kraftwerken in der Limmat und der Reuss. Die Limmatwerke mit den Kraftwerken Aue, Kappelerhof, Schiffmühle und Turgi hatten im Oktober einen guten Start ins Hydrojahr 2010/11. «Aber von Februar bis Mai war es hundslausig, das gab es in meinen letzten 23 Jahren nie», sagt der zuständige Edi Kuhn und nennt die eindrücklichen Monatseinbussen: -17 Prozent im Februar, -20 Prozent im März, -30 Prozent im April, -35 Prozent im Mai, -25 Prozent im Juni betrug die Minderproduktion, verglichen mit einem durchschnittlichen Jahr. «Nach drei Quartalen fehlen 13 Prozent des Stroms», zieht Kuhn eine vorläufige Bilanz.

Ähnlich tönt es an der Reuss: «Von April bis Juni konnten wir nur 68 Prozent des üblichen Stroms produzieren», bedauert Pius Schüepp, Leiter des Kraftwerks Bremgarten-Zufikon. Im Mai lieferte das Kraftwerk der AEW Energie AG nur 6,5 statt der üblichen 12 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom. Kleiner Trost: Derzeit läuft die Produktion optimal, aber das Defizit lässt sich bis Ende September nicht mehr aufholen.

Minus 24 Prozent im Rhein

Im grössten Fluss befinden sich die leistungsstärksten Kraftwerke, an der Spitze Albbruck-Dogern mit der neuen Dotierturbine am Ufer bei Leibstadt. Zur Energiedienst AG gehören die Kraftwerke Laufenburg, das stark ausgebaute Rheinfelden und Wyhlen. «Bis Ende Juni haben wir Einbussen von 24 Prozent», erklärt Kommunikationsleiter Alexander Lennemann. Weil er per Kalenderjahr rechnet und es derzeit genug Wasser hat, will er keine Bilanz ziehen. «Wir freuen uns über jeden Regentag», meint er, zweifellos im Gegensatz zu den vielen Leuten, die lieber Sommer, Sonne und Wärme hätten. Die Prognosen versprechen für die nächsten Tage weiteren Nachschub für die Wasserkraftwerke.