Leserwandern

Tourismus-Chefin Lehner: «Ich bin mehr Aargauerin als je zuvor»

Andrea Lehner mit der Erlebniskarte Wein-Land Aargau. markus christen

Andrea Lehner mit der Erlebniskarte Wein-Land Aargau. markus christen

Andrea Lehner, Geschäftsführerin von Aargau Tourismus, zum Image des Kantons, zur Bedeutung der az-Aktion Leserwandern und über ihre persönliche Einstellung zum Aargau.

Es hat keine grosse Ausstrahlungskraft, das Büro im dritten Stock an der Hinteren Vorstadt Nummer 5 in Aarau. Das Grau der Möblierung geht an diesem Freitagnachmittag über ins Grau der Witterung, die durchs Fenster schimmert. Hier arbeitet Andrea Lehner von Aargau Tourismus. Mit ihren zwei Mitarbeiterinnen ist sie dafür besorgt, die Ausstrahlungskraft des Kantons Aargau stetig zu entfalten.

Frau Lehner, vor einem Jahr haben Sie im Interview mit dieser Zeitung gesagt, das Ziel für Aargau Tourismus sei es, dass man mehr über den Kanton zu lesen bekomme. Nun konnte man in der vergangenen Woche lesen, dass nach einer Umfrage der Aargau von der Schweizer Bevölkerung als hässlich wahrgenommen wird. Heisst das jetzt: Ziel erreicht?

Andrea Lehner: Unser Ziel haben wir tatsächlich erreicht. Es wird viel öfter berichtet über den Kanton Aargau, und zwar, auch was den Tourismus angeht, durchwegs positiv. Die angesprochene Umfragestudie zum Kantonsimage wurde in den Medien mager dargestellt. Die Aussagen wurden ohne Hintergrundinformationen plakativ zugespitzt. Überwiegend sind wir mit der Art der Medienpräsenz sehr zufrieden.

Insbesondere bei den Kriterien Einzigartigkeit oder auch Qualitätsbewusstsein werden dem Kanton schlechte Noten ausgestellt. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Nein, eventuell fehlendes Wissen? Unsere Aargauer Perlen geniessen eine grosse Wertschätzung und hohes Interesse. Sind doch die Besuche auf aargautourismus.ch in den letzten beiden Jahren um 50 Prozent gestiegen und über 60 Prozent der Besuche werden ausserhalb unseres Kantons getätigt. Das sind knapp ein Viertel Million Seitenaufrufe von Interessierten ausserhalb des Aargaus. Eventuell werden die tollen Angebote, obwohl auf der Internetseite im besten Licht dargestellt, noch immer nicht mit dem Kanton Aargau assoziiert.

Rührt die scheinbar fehlende Einzigartigkeit auch daher, dass bei Schweiz Tourismus der Kanton Aargau nicht als eigenständige Tourismus-Region geführt wird?

Es ist richtig, bei Schweiz Tourismus ist der Kanton aufgeteilt in vier Regionen. Das hat seine Vor- und Nachteile. Um daraus künftig das Optimum zu erzielen, laufen derzeit verschiedene Abwägungen. Sicher ist, dass die Vorstellung des Kantons Aargau bei Schweiz Tourismus nicht länger unter dem Hinweis «Destination Bern» laufen kann.

Sie sind nun seit zwei Jahren Geschäftsführerin von Aargau Tourismus. Welche Entwicklungen wurden in dieser Zeit in Gang gesetzt?

Im Verlauf des letzten Jahres wurde das gesamte Info-Material erneuert. Zusätzliche Broschüren wurden gedruckt und der Internetauftritt erweitert. Wir wollen vermehrt zielgruppenspezifisch kommunizieren, dies gilt es auszubauen und weiterzuentwickeln. Das Ziel ist es, das Tourismusangebot noch stärker zu vernetzen und für jeden Gast das beste Produkt bieten zu können.

Welche konkreten Projekte wurden umgesetzt?

Wir haben im Frühling das Flyer-Land Aargau lanciert. In über 12 Orten können Elektrovelos gemietet und an weiteren Orten Akkus gewechselt werden. Alle Ideen und Hinweise sind auf einer Erlebniskarte festgehalten. Dann gibt es neu die Erlebniskarte Wein-Land Aargau. 40 Winzer arbeiten mit uns zusammen und öffnen ihr Weingut für den Tourismus. Das geht von einer Weindegustation über die Rebbergführung bis zum Picknick auf dem Rebberg. Eine solche Erlebniskarte ist in der Schweiz einzigartig. Das letzte Novum ist der Wellness-Pass mit Vergünstigungen für vier Wellnessbäder. Die Thermalbaddichte im Aargau ist nämlich einzigartig, um noch einmal auf die Studie zurückzukommen.

Ausserdem ist Tourismus Aargau wieder Mitorganisator bei der az-Aktion Leserwandern. Welche Bedeutung hat dies für Sie?

Eine ganz grosse und zentrale. Ich habe mich schon im letzten Jahr sehr über die Idee gefreut. Es bietet uns die Möglichkeit, die Bevölkerung an die Highlights heranzuführen. Mit der Aktion geht ein besonderer Groove durch den Kanton. Viele Teilnehmer lernen ihre nächste Umgebung dadurch besser kennen und geben ihre Erfahrungen weiter. Besonders schön ist auch die Berichterstattung in der Zeitung. Diese wird verfolgt auch von den Lesern, die selbst nicht an einer Wanderung teilnehmen konnten.

Welche Aufgabe übernimmt Aargau Tourismus bei den Wanderungen?

Wir übernehmen die Organisation vom Start bis zum Ziel und dürfen dabei von der grosszügigen Unterstützung der jeweiligen Gemeinden und von lokalen Tourismusorganisationen profitieren.

Ein weiteres Ziel, das Sie sich gesteckt haben, war, die selbst generierten Mittel auf 200000 Franken zu erhöhen. Wurde das erreicht?

Das haben wir geschafft und sind sogar darüber hinaus. Ich werte das als grossen Erfolg, möchte aber festhalten: Aargau Tourismus ist eine Non-Profit-Organisation. Das Geld, das uns zufliesst, durch Mitgliederbeiträge und Sponsoring, wird vollumfänglich für zusätzliches Marketing verwendet.

Inwiefern hat sich Ihre persönliche Einstellung zum Aargau verändert, seit Sie bei Tourismus Aargau arbeiten?

Ich bin Aargauerin. Ich kann aber sagen, heute noch mehr als je zuvor. Ich bin durch meine Arbeit mit diesem Kanton noch tiefer verbunden und habe in den vergangenen zwei Jahren zweimal bewusst auch Ferien im Aargau gemacht.

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