Tierhaltung
Aargauer kaufen in Pandemie blindlings Haustiere – das Resultat: vernachlässigte Welpen, Tierschutz-Meldungen nehmen zu

Viele Aargauerinnen und Aargauer haben sich während der Pandemie einen Hund angeschafft. Allerdings ohne sich darüber zu informieren, wie sie diesen richtig halten. Der Veterinärdienst verzeichnet im laufenden Jahr vermehrt Tierschutzmeldungen.

Sandra Meier
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Viele Hundewelpen wachsen in der Pandemie isoliert auf.

Viele Hundewelpen wachsen in der Pandemie isoliert auf.

Symbolbild: Pixabay

In der Einsamkeit der Pandemie boomt die Nachfrage nach Haustieren – auch im Aargau. Besonders Hunde sind beliebt. Allerdings machten sich die Halterinnen und Halter offenbar nicht ausreichend Gedanken, wie sie langfristig für die Tiere sorgen sollen: Der Veterinärdienst im Amt für Verbraucherschutz (AVS) des Kantons verzeichnet eine Häufung von Tierschutzmeldungen, wie es in einer Mitteilung heisst. Diese Meldungen beträfen insbesondere Hunde, die in den letzten zwei Jahren angeschafft wurden, präzisiert Melanie Kocher, Stv. Kantonstierärztin und Leiterin Tierschutz und Hundewesen, auf Anfrage. Sie sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Pandemie und den Tierschutzmeldungen.

Viele Hundewelpen hätten nicht gelernt, alleine zu sein, da ihre Halter und Halterinnen im Homeoffice arbeiteten. Kehrten sie ins Büro zurück, hatten sie oft keine Betreuung für die Tiere organisiert. Die Hunde seien isoliert aufgewachsen. Ihre Herrchen und Frauchen hätten sich zudem oftmals nicht um einen Platz in der Hundeschule bemüht: Der Kanton verzeichnet auch einen Anstieg bei Meldungen zu auffälligen und unerzogenen Hunden. Konkrete Zahlen kann Kocher allerdings noch nicht nennen. Diese würden erst Anfang des nächsten Jahres ausgewertet.

Die Meldungen erreichen den Veterinärdienst aus der Nachbarschaft der Besitzerinnen, von Bekannten, Tierärzten oder der Polizei. Werden die Mitarbeiter auf einen Fall aufmerksam gemacht, statten sie dem Besitzer einen Besuch ab. Bei Verstössen gegen das Tierschutzgesetz werden Korrekturmassnahmen angeordnet: «So müssen Halter beispielsweise einen Hundesitter organisieren oder sie werden verpflichtet, die Tiere in die Hundeschule zu schicken», erklärt Kocher. Die Auflagen würden überprüft und bei Nichteinhaltung könne ein Tierhalteverbot ausgesprochen werden. In schwerwiegenden Fällen von Tierquälerei in Form von Misshandlung oder Vernachlässigung wurden die Hunde auch beschlagnahmt.

Auch importierte Haustiere sind ein Problem

Das Geschäft mit den Hunden boomt nach wie vor. So sehr, dass die Nachfrage nicht mit inländischen Tieren gedeckt werden kann. In der Folge haben auch die Importe von Hunden aus dem Ausland stark zugenommen. Weil sich die Halter allerdings nicht ausreichend über Vorschriften informierten, kam es auch vermehrt zu Meldungen über illegal importierte Hunde. In solchen Fällen können Halter verzeigt und die Tiere beschlagnahmt werden.

«Ein Hundekauf sollte kein Spontanentscheid sein», betont der Veterinärdienst. Halterinnen und Halter sollten sich vor dem Kauf eines Hundes über die Herkunft wie auch die Bedürfnisse der Tiere «ausgiebig informieren». Ebenso sei es wichtig, eine Betreuung zu organisieren wie auch für einen Platz in einer Hundeschule zu sorgen.

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