Zofingen

Terminkonflikt zwischen SVP und Demonstranten

In Bern nahmen Anfang Juni rund 10000 Personen an einer Tanz-Demo teil (Archiv)

In Bern nahmen Anfang Juni rund 10000 Personen an einer Tanz-Demo teil (Archiv)

In Zofingen ruft eine anonyme Gruppe zu einer unbewilligten Tanz-Demonstration durch die Altstadt auf. Brisant: Am selben Abend lädt die SVP zum Oktoberfest auf dem Kirchplatz ein. Die Terminkollision birgt durchaus Konfliktpotenzial.

Eine anonyme Gruppe ruft im Internet und auf Flyern zu einer Tanz-Demo in Zofingen auf. Unter dem Motto «T(h)ut (Sch)luut» protestieren die Teilnehmer gegen das schwindende Kulturangebot in der Thut-Stadt. Sie fordern mehr kulturelle Freiräume und mehr Platz für die Jugend. Und dies ohne restriktive Lärmbeschränkungen.

«Viele Bars und Pubs in Zofingen haben Schwierigkeiten mit Anwohnern. Es kommt häufig zu Lärmbeschwerden», beschreibt ein Mitorganisator, der anonym bleiben will, gegenüber der az Aargauer Zeitung die Situation. «Wir finden: Man muss nicht in die Stadt ziehen, wenn man keinen Lärm erträgt.»

Mit einer lautstarken, aber unbewilligten Tanz-Demonstration nach Berner Vorbild durch die Zofinger Altstadt am 29. September wollen sich die Teilnehmer Gehör verschaffen. Just jenes Datum, an dem die SVP auf dem Zofinger Kirchplatz ein Oktoberfest organsiert. Zufall?

Daran mag Jürg Seiler nicht so recht glauben: «Das Datum wurde bewusst gewählt», vermutet der SVP-Grossratskandidat und OK-Präsident des Oktoberfests. «Purer Zufall», sagt hingegen der Tanz-Demo-Veranstalter. «Wir haben nicht gewusst, dass das Oktoberfest am selben Tag stattfindet.»

Ursprünglich sei die Kundgebung auf Ende August angesetzt gewesen, später jedoch auf den 29. September verschoben worden. «Aus Rücksicht auf das Moonlight Classical Festivals», wie der Veranstalter beont.

Polizei ist involviert

Da an der Demonstration eher Teilnehmer aus dem linken Lager zu erwarten sind, sorgen sich die Oktoberfest-Organisatoren um die Sicherheit.

In einem Treffen mit der Polizei wurde das Risiko evaluiert. «Wir wollten wissen, wie wir abgesichert sind», so der OK-Chef. «Die Polizei sorgt für die nötige Sicherheit. Wir sind quasi abgeschirmt.» Erwartet werden bis jetzt zwischen 300 und 600 Tanzwütige.

Tatsächlich hat die Polizei die beiden Anlässe auf dem Radar. «Aus Erfahrung wissen wir, dass solche Anlässe ein gewisses Potenzial für Ausschreitungen mit sich bringen», sagt Polizei-Mediensprecher Bernhard Graser auf Anfrage. Genaue Angaben über das Sicherheitsdispositiv gibt die Polizei aber nicht preis. Für den 29. September ist Graser jedoch zuversichtlich: «Wir erwarten einen ruhigen und gesitteten Anlass.»

Aufruf zu friedlicher Demo

Krawall sei ganz und gar nicht im Interesse der Tanz-Demonstranten, versichert der anonyme Veranstalter. Man wolle schliesslich ernst genommen werden. Auf Flyern werden die Teilnehmer aufgefordert, sich entsprechend zu verhalten und der Polizei keinen Grund zum Einschreiten zu liefern.

Dass Einzelne aus der Reihe tanzen, könne man leider nicht restlos ausschliessen. Darum haben die Organisatoren kurzerhand ein eigenes Sicherheitskonzept aufgestellt: «Es werden sich Leute von uns unter den Teilnehmern befinden, deren Auftrag es ist, für Ordnung sorgen.» Randalierer werden umgehend zurechtgewiesen.

Auch gehe man nicht auf Konfrontationskurs mit der SVP. «Unser Anliegen ist unparteiisch» so der Sprecher. Das mehrköpfige Kommitee hinter der Tanz-Demonstration bestehe ohnehin aus Personen verschiedenster Altersklassen und politischer Couleur.

Boykott-Aufruf

Eine grosse Rolle spielt die Politik hingegen am Vorabend des Oktoberfests. Dann nämlich lädt die SVP Zofingen zur Politarena ein. Dass die Kandidaten für eine Teilnahme einen finanziellen Beitrag entrichten sollen, stösst vor allem der Zofinger Juso sauer auf. Die Jungsozialisten rufen deshalb zum Boykott auf.

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