Gesundheit
Telefon an den Notarzt soll nichts mehr kosten

Je nach Gemeinde kostet der Anruf an den diensthabenden Arzt heute bis zu Fr. 2.13 pro Minute. Das soll sich ändern.

Christine Fürst
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Keystone

Für einen medizinischen Notfall gibt es in der Schweiz die Nummer 144. Die Ambulanz, die am schnellsten beim Unfallort sein kann, wird gerufen. Für das Funktionieren dieses Systems ist der jeweilige Kanton verantwortlich. Nun gibt es aber auch Notfälle, die keinen Krankentransport, sondern einen Hausarzt erfordern.

Unterschiedlich organisiert

Im Aargau sind die Hausärzte für Notfälle unterschiedlich organisiert. Ein besonderes Problem besteht in den Regionen, in denen die Hausärzte stark überlastet sind und in denen es an ärztlichem Nachwuchs fehlt. Dort ist der Notfallarzt über eine 0900-Nummer erreichbar. Dieser Dienst kostet aber pro Minute. Und die Gebühren variieren von Region zu Region stark. Für die Gebiete Muri und Wohlen betragen sie 2 Franken pro Minuten, für die Region Bremgarten gar Fr. 2.13.

Bei diesen «Mehrwertdienstnummern» bezahlt der Anrufer den Verbindungspreis sowie einen Aufschlag für den erbrachten Dienst. Anders ist es für die meisten Gemeinden aus der Region Baden geregelt. Sie werden auf die Notfallnummer des Kantonsspitals Baden verwiesen. Genauso in Eiken, dort läuft der Notruf über das Spital Laufenburg. Gemeinden des unteren Fricktals sind gar der ärztlichen Notrufzentrale der Region Basel angeschlossen. All diese Nummern sind für die Anrufer gebührenfrei.

Warum aber gibt es so grosse Tarifunterschiede? «Unsere Arbeit am Notfall-Telefon ist auch etwas wert», sagt Roli Schumacher, der Präsident der Freiämter Ärztegesellschaft. Ein Minutentarif von 2 Franken gibt einen Stundenlohn von 120 Franken. Rund die Hälfte davon geht an die Swisscom, der reale Stundenlohn des Arztes, der Notfalldienst hat, fällt also wesentlich tiefer aus. Damit begründet Schumacher: «Wenn man das so anschaut, ist die Leistung nicht so teuer und dazu bekommt der Anrufer eine gute Auskunft.»

Heterogene Aufteilung ablösen

Der Aargauische Ärzteverband (AAV) hat vom Kanton einen Leistungsauftrag zur Überprüfung der ärztlichen Notfallorganisation erhalten. Im gleichen Zug wird abgeklärt, wie eine einheitliche Notfallnummer geschaffen werden kann.

«Wir müssen Nägel mit Köpfen machen, ohne zentrale Notfallnummer geht das nicht», sagt der Präsident des Aargauischen Ärzteverbandes, Hans-Ulrich Iselin. Der Verband will eine ärztliche Notfallorganisation mit einer zentralen Notfallnummer aufgleisen, um so die heutige heterogene Aufteilung des Notfalldienstes abzulösen. Ziel ist es zudem, die Koordination mit den Spitälern zu intensivieren. Nun wird untersucht, wie sich dies auf kantonaler Ebene einbinden und auf technischer Ebene lösen lässt. Dazu werden derzeit Offerten eingeholt.

Zentrale Nummer bis Mitte 2011

Mit der geplanten zentralen Notfallnummer sollen die Telefongebühren wegfallen. Die mit dem Leistungsauftrag des Kantons verbundenen Mittel decken die Aufhebung dieser Gebühren nicht ab, eine Lösung muss noch gesucht werden.
Hans-Ulrich Iselin rechnet trotzdem damit, dass die zentrale Notfallnummer für den Kanton Aargau spätestens Mitte 2011 eingeführt werden kann: «Dabei muss aber alles sehr gut organisiert sein, und die Koordination mit 144 muss einwandfrei funktionieren.»