Wahlen 2011
SVP: «Jetzt gehen wir halt auch allein»

Neben der FDP entscheidet sich nun auch die Volkspartei für den eigenen Weg. Eine Bindung mit CVP oder BDP sei undenkbar. Ist der Alleingang die logische Konsequenz, weil Ueli Giezendanner sich vor Christine Egerszegi als Gegnerin fürchtet?

Mathias Küng
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Die FDP marschiert bei den eidgenössischen Wahlen 2011 allein. Diese Meldung aus der gestrigen az Aargauer Zeitung gibt viel zu reden. Was heisst das für die Zusammenarbeit von FDP und SVP, die bisher eine Listenverbindung hatten und gegenseitig ihre Ständeratskandidaten unterstützten? Was heisst es für den Ständeratswahlkampf? Was für die SVP? Was für die FDP?

Für SVP-Präsident Thomas Lüpold wäre es «wünschenswert, weiterhin mit der FDP zusammenzugehen». Aber auch noch mit der CVP oder gar der BDP eine Listenverbindung einzugehen, «kommt für uns nicht infrage», stellt Lüpold klar. Wie der Entscheid der FDP ausfallen würde, sei für ihn nach dem letzten Gespräch mit deren Präsidenten Thier-ry Burkart schon ziemlich klar gewesen.

Ob die FDP-Basis auch so denke wie ihre Geschäftsleitung, bezweifelt Lüpold. Den Entscheid respektiert er aber und ergänzt: «Jetzt gehen wir halt auch allein.»

Weniger unglücklich als beim Nationalratswahlkampf scheint man in der SVP darüber, dass FDP und SVP auch für den Ständerat allein marschieren werden. Seit Christine Egerszegi FDP-Ständerätin ist, spreche der Aargau «ohnehin nicht mehr mit einer Stimme, gerade in sozialen Fragen», sagt er. Er rechnet damit, dass Pascale Bruderer auch in den Ständerat will und gewählt wird. Dann stelle sich die Frage, ob der Aargau zwei Frauen aus dem Bezirk Baden nach Bern schicken wolle, so Lüpold vielsagend.

Im Übrigen höre er auch Stimmen in der SVP, die zusätzlich zum eigenen Kandidaten Ulrich Giezendanner sowieso lieber Gewerbeverbandspräsident Kurt Schmid unterstützen würden – wenn der bloss nicht in der CVP wäre...

Erstaunt über den Entscheid der FDP ist auch SVP-Wahlkampfleiter und Parteisekretär Pascal Furer. Offenbar wolle die FDP «lieber mit den Linken zusammenarbeiten», orakelt er. Und auch er sagt: «Gewerbeverbandspräsident Kurt Schmid steht uns inhaltlich näher als Christine Egerszegi.» Ein gemeinsames Plakat von Christine Egerszegi und Ueli Giezendanner sei sowieso nicht geplant gewesen.

Im Nationalratswahlkampf sei die FDP offenbar bereit, durch den Alleingang den Verlust eines allfälligen Restmandats zu riskieren.

Burkart: Lauter positive Reaktionen

Wie riskant ist der Alleingang für die FDP? 2007 machte sie ihre beiden Sitze zwar allein, hatte aber nur wenig Reserve. Thierry Burkart geht davon aus, «dass wir unsere beiden Sitze halten und stimmenmässig zulegen können, weil wir allein antreten und damit Eigenständigkeit beweisen». Gestern jedenfalls bekam er aufgrund der az-Meldung über den Verzicht auf eine Listenverbindung «lauter positive Rückmeldungen».

Deren Kernbotschaft sei gewesen, die FDP habe die richtige Konsequenz gezogen, indem sie auf eine Listenverbindung verzichte. Das Signal für Eigenständigkeit komme an.

Egerszegi: «Logische Konsequenz«

Klar mit dem Entscheid der Geschäftsleitung einverstanden ist FDP-Ständerätin Christine Egerszegi. Sie verweist auf den az-Bericht über die SVP-Nominationsversammlung für Ueli Giezendanner. Giezendanner hatte Christine Egerszegi und Pascale Bruderer als seine Hauptkontrahentinnen bezeichnet.

Da ist der Verzicht auf ein Zusammengehen auch für sie «die logische Konsequenz». Dass es – wie 2007 – kein gemeinsames Plakat geben würde, war für sie schon vorher klar. Egerszegi – 2007 auf Anhieb mit der besten Stimmenzahl in den Ständerat gewählt – betont: «Meine Stimmen hatte ich von links bis rechts.» Im Ständerat sei sie weniger nah an der Parteipolitik und habe einen anderen Auftrag: «Hier vertrete ich den Aargau.» Wie elf Jahre lang im Nationalrat arbeite sie hart auch im Ständerat und hofft, «dass die Bevölkerung das sieht und mir wieder das Vertrauen schenkt».

Er sei sich bewusst, was es heisst, als viertgrösste Partei allein in den Wahlkampf zu ziehen, sagt Burkart. «Wir führen einen Wahlkampf für die FDP und für Christine Egerszegi.» Mit Blick auf die SVP-Einschätzungen sieht er überhaupt keinen Grund, Egerszegi nicht wieder zu wählen. Burkart: «Sie ist eine gut verankerte, sehr bekannte und breit akzeptierte Persönlichkeit.»