Stift zahlt Bleifuss mit einem Jahreseinkommen

Ein 19-Jähriger wurde zwischen Hunzenschwil und Suhr mit 144 km/h geblitzt.

Michael Küng
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Tritt an: Bruno Rudolf.

Tritt an: Bruno Rudolf.

Lenzburg Das kommt den Bäckerlehrling teuer zu stehen: Gleich mit vier Kolleginnen und Kollegen war der 19-jährige Schweizer aus dem Freiamt in einem Subaru unterwegs, als ihn am frühen Abend des Karfreitags die Polizei blitzte. Auf der für Geschwindigkeitsübertretungen bekannten Verbindungsstrasse zwischen Suhr und Hunzenschwil – 144 km/h in einer 80er-Strecke. Da half alles nichts, deswegen gestand er seine Schuld ein und einigte sich mit der Staatsanwaltschaft auf ein abgekürztes Verfahren vor dem Bezirksgericht Lenzburg.

Dort erschienen ist der junge Mann ungekämmt in Trainerhosen und Turnschuhen. «Die Kollegin fragte, ob ich einmal Gas geben kann und ich habe es halt gemacht», erklärte er sich. Eine Dummheit, die er bereuen dürfte, auch wenn er das vor Gericht so nicht sagt. Er hat seinen Lernfahrausweis verloren und muss sich nach einer einjährigen Wartefrist einem verkehrspsychologischen Gutachten stellen, bevor er einen neuen Anlauf auf der Strasse unternehmen darf.

Berüchtigte Raserstrecke

Das Gericht folgte dem Deal, den der Angeklagte mit der Staatsanwaltschaft ausgemacht hatte. Für ihn bedeutet das zwölf Monate Gefängnis bedingt, 3000 Franken Busse, gut 2500 Franken Gerichtsgebühren und weitere fast 6000 Franken Anwaltskosten – bei einem Lehrlingslohn von monatlich 950 Franken kommt so ein ganzes Jahreseinkommen zusammen. Deshalb versuchte der Anwalt des Angeklagten auch noch, eine Senkung der Busse zu erreichen, blieb allerdings ohne Erfolg. Die bedingte Gefängnisstrafe hingegen ist auf das Mindestmass begrenzt.

Aktuell legt der Lernende die sieben Kilometer zur Arbeit mit dem Velo zurück, zu seinen nächtlichen Arbeitszeiten verkehren keine Busse. Darauf, dass er das Autobillett bald wieder in Angriff nehmen darf, hofft er aber auch, weil er nach abgeschlossener Lehre eine zweite Ausbildung in Angriff nehmen will: als Automechaniker.

Die Strecke zwischen Suhr und Hunzenschwil ist seit langem bekannt für Raserdelikte. So hat die Kantonspolizei etwa im Sommer 2017 auch schon an einem einzigen Tag gleich sieben Tempoexzesse festgestellt, die auf der 80er-Strecke von 115 bis 154 km/h reichten. Zum Vergleich: Im Durchschnitt muss die Kantonspolizei bei einer Geschwindigkeitsmessung weniger als zwei Autofahrer verzeigen.