Steuerrückerstattung
Steuerrückzahlung endlich ohne Gang zur Post möglich

Dass man keine Steuern nachzahlen muss, sondern zu viel bezahlte Steuern zurückbekommt, ist nicht alltäglich und ein Grund zur Freude. Im Aargau wird diese Freude allerdings durch ein «vorsintflutliches Verfahren» getrübt.

Urs Moser
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Ein unter dem Pseudonym «Observator» schreibender Kolumnist im Organ des Gewerbeverbands macht sich Luft: Ein echtes Ärgernis sei das, dass es das Finanzdepartement noch immer nicht fertiggebracht habe, zu viel kassierte Steuern auf dem Weg der bargeldlosen Überweisung zu erstatten. Er habe Handlungsbedarf, wird Dave Siegrist, dem Vorsteher des Steueramts, ins Stammbuch geschrieben.

In der Tat: Steuerrückzahlungen werden mit dem sogenannten ASR-Check (Auszahlungsschein mit Referenznummer) vorgenommen. Wer sein Geld vom Staat zurückhaben will, muss persönlich auf einer Poststelle erscheinen, um den Check einzulösen. Und Beträge über 300 Franken können nicht bei jeder beliebigen, sondern nur bei der eigenen Domizilpoststelle abgeholt werden. Da kann es zum echten Problem werden, an den unverhofften Geldsegen zu kommen. Wenn man zum Beispiel vor Schalteröffnung auswärts zur Arbeit fahren muss und erst nach der Schliessung wieder zu Hause ist.

Der gerüffelte Steueramtschef Dave Siegrist wartet nun mit einem verspäteten Weihnachtsgeschenk auf: Die Kritik rennt offene Türen ein, der Aargau ist auch punkto bargeldlosen Zahlungsverkehrs im 21.Jahrhundert angekommen. Ab Februar kann man sich zu viel bezahlte Bundessteuern auf ein Konto gutschreiben lassen, statt mit dem ASR-Check zur Post zu rennen. Man werde im Januar eine Informationskampagne dazu starten, so Siegrist. Und auf der im Frühjahr fällig werdenden Steuererklärung kann man dann auch für die Kantons- und Gemeindesteuern angeben, wohin allenfalls zu viel bezahlte Steuern zu überweisen sind.

Der umständliche Gang zum Postamt ist damit nächstes Jahr definitiv Geschichte. Was selbstverständlich klingt, ist eine mehrere hunderttausend Franken teure Übung, gibt Dave Siegrist zu bedenken. Die Umstellung sei daher aus Budgetgründen zweimal verschoben worden. Schon im Dezember 2009 hatte sich SVP-Grossrat Pascal Furer über das «hoffnungslos veraltete System» beklagt und in einem Postulat verlangt, «endlich auf eine zeitgemässe, bargeldlose Überweisung» umzustellen. Man habe die Ressourcen des Steueramts in den letzten Jahren für die Erneuerung der Informatik-Infrastruktur verwendet, die Ablösung der Check-Verteilung habe nun aber erste Priorität, schrieb der Regierungsrat damals.

Die Dimension des Luxusproblems erstaunt auch in anderer Hinsicht: Die Steuerrückerstattungen machen rund 200 Millionen Franken jährlich aus. Jahr für Jahr pilgerten bis anhin etwa 125000 Aargauer mit einem Check vom Steueramt zur Post.

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