Unter der Gesprächsleitung von az-Redaktor Mathias Küng kreuzten Christine Egerszegi (FDP), Ulrich Giezendanner (SVP), Pascale Bruderer (SP), Kurt Schmid (CVP) und Geri Müller (Grüne) die Klingen.

Angetippt wurden diverse sachpolitische Geschäfte, zunächst mussten die Anwärter auf einen Sitz im «Stöckli» aber einmal grundsätzlich darlegen, was sie beim Wahlvolk für das Ständeratsmandat empfiehlt. Christine Egerszegi führte natürlich den Bisherigen-Bonus ins Feld: Das Sozialversicherungswesen ist ihr Spezialgebiet, hier stehen wichtige Geschäfte an, und bei einer Wiederwahl wird sie im Dezember das Präsidium der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit übernehmen und Weichen stellen können.

Pascale Bruderer betont im Wahlkampf immer und immer wieder, dass sie eine konsensorientierte Linke ist und die Suche nach tragfähigen Lösungen über die parteipolitische Auseinandersetzung stellt. Diese Eigenschaft könne sie im Ständerat besser einbringen als in der grossen Kammer.

Geri Müller bietet sich dem Wahlvolk als Politiker an, der neue und vor allem ganzheitliche Ansätze zur Lösung von Problemen sucht.

Kurt Schmid empfahl sich dem Publikum als Wirtschaftsvertreter der Mitte: «Linke Träumereien und rechte Provokationen bringen uns nicht weiter.»

Für Ulrich Giezendanner ist klar: Einer der beiden Aargauer Ständeratssitze gehört schlicht und einfach der SVP. Der Ständerat sei in letzter Zeit immer mehr nach links gedriftet, da wolle er Gegensteuer geben.

Eine weitgehde Übereinstimmung

Bei allen parteipolitischen Differenzen gibt es in einzelnen Fragen auch eine – jedenfalls weitgehende – Übereinstimmung. Das Zwei-Milliarden-Paket zur Stützung der Wirtschaft in der Währungskrise zum Beispiel vermag von links bis rechts nicht zu begeistern.

In der Europapolitik gingen die Meinungen dann freilich schon weiter auseinander. «Brandgefährlich» (Geri Müller) sei die SVP-Initiative gegen die Masseneinwanderung. Sie gefährde die ganzen bilateralen Verträge, warnte auch Pascale Bruderer. Ohne Personenfreizügigkeit müsste ein Unternehmen nach dem anderen aufgeben, prophezeite Kurt Schmid. Und auch von Christine Egerszegi prasselte es auf Ulrich Giezendanner nieder, dass man das Freizügigkeitsabkommen auf keinen Fall gefährden dürfe. Giezendanner ficht das nicht an, die klare Mehrheit des Publikums hatte er schliesslich auf seiner Seite. Die Schweiz müsse selber entscheiden können, wie viele Ausländer sie einwandern lasse, basta.

Atomausstieg eine «Riesenchance», wenn langfristig geplant

Er sei auf keinen Fall dafür, die bilateralen Verträge zu kündigen, aber in diesem Punkt müsse nachverhandelt werden. Geschickt punktete Pascale Bruderer auf der Rechten damit, dass sie natürlich nicht die SVP-Initiative unterstützt, aber es «nicht versteht, warum die Anrufung der Ventilklausel für den Bundesrat kein Thema ist.» Als Einziger mit SVP-Mann Giezendanner einig ist Kurt Schmid, dass das EU-Beitrittsgesuch zurückgezogen werden sollte. Die anderen Kandidaten halten das für unnötig, da es sowieso keine Bedeutung mehr habe.

Zur Diskussion gestellt wurde unter anderem auch der Atomausstieg. Für Pascale Bruderer «eine Riesenchance, wenn er langfristig geplant wird.» Für Christine Egerszegi kommt es nicht infrage, einen Ausstiegsentscheid zu fällen, bevor überhaupt klar ist, wie der bewerkstelligt werden soll. Kurt Schmid dagegen hält es für vordringlich, schnell einen Grundsatzentscheid zu fällen, damit die Versorgungssicherheit mit oder ohne Kernenergie geplant werden kann.