Dargebotene Hand

Sparpaket statt Geschenk zum Jubiläum des Sorgentelefons

30'000 Franken weniger soll die Freiwilligenorganisation pro Jahr erhalten, geht es nach dem Regierungsrat.

30'000 Franken weniger soll die Freiwilligenorganisation pro Jahr erhalten, geht es nach dem Regierungsrat.

Der Regierungsrat will den Betrag an die Dargebotene Hand um jährlich 30'000 Franken kürzen. Der Grosse Rat könnte dies verhindern.

In der langen Liste der Sanierungsmassnahmen fällt der Eintrag kaum auf: Streichung von Betriebsbeiträgen an die Dargebotene Hand. 30'000 Franken weniger soll die Freiwilligenorganisation pro Jahr erhalten. Das geschehe im Einvernehmen, schreibt der Regierungsrat dazu. Und: Die Kürzung habe kurzfristig keine Auswirkung auf deren Dienstleistungen. Dem widerspricht Christina Hegi. Die Leiterin der Geschäftsstelle der Dargebotenen Hand Aargau-Solothurn sagt, von einer einvernehmlichen Sparmassnahme könne keine Rede sein. «Selbstverständlich hätte die Kürzung Auswirkungen auf unseren Betrieb.»

Der Frust der Freiwilligen

Nach dem Willen der Regierung würde der Kanton die Organisation in Zukunft pro Jahr noch mit 20'000 Franken unterstützen. «Damit kürzt der Kanton 60 Prozent seines bisherigen Beitrags», sagt Hegi. Sie ärgert sich über die Abbaupläne der Regierung: «Der Kanton profitiert vom 24-Stunden-Service, will aber kaum noch dafür zahlen.» Der Frust bei den freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei gross. 10'000 Arbeitsstunden leisten sie im Jahr, ohne dafür Geld zu erhalten. «Damit stellen sie mit Abstand den grössten Posten in der Erfolgsrechnung», sagt Hegi. Die geplante Sparrunde erwecke den Eindruck, ihr Einsatz werde nicht geschätzt.

Zwar liegen diese Sanierungsmassnahmen in der Kompetenz des Regierungsrats, doch der Grosse Rat könnte einen Antrag stellen, die Massnahme rückgängig zu machen und den Betrag gegen den regierungsrätlichen Willen doch zu budgetieren.

Dass die Arbeit der Dargebotenen Hand von links bis rechts geschätzt wird, zeigte sich im letzten November während der Grossratsdebatte. Die Regierung wollte den Beitrag um 20'000 Franken kürzen; schon damals mit dem Hinweis auf das vorhandene Eigenkapital von 900'000 Franken. Doch von diesem Sparvorschlag wollte die Ratsmehrheit nichts wissen. Allerdings resultierte Ende 2016 auch mit der Unterstützung durch den Kanton Aargau ein Minus von über 37'000 Franken. Der grösste Teil der Einnahmen stammt von den beiden Landeskirchen und aus Spenden, die unter anderem mit Schoggiherzverkäufen und Sponsorenläufen in Baden und in Aarau gesammelt werden.

Chatten statt telefonieren

Geld, das auch benötigt wird, um den Anschluss an die Digitalisierung nicht zu verpassen. Die Delegiertenversammlung des Schweizer Dachverbands beschloss dieses Jahr: Alle Regionalstellen müssen sich am Chat beteiligen, der bereits jetzt auf der Website verfügbar ist, aber vom Aargauer Büro bislang noch nicht angeboten werden kann. Zuerst müssen nun dazu Arbeitsplätze eingerichtet und Mitarbeitende ausgebildet werden. Hegi: «Wir dürfen uns den neuen Technologien nicht verschliessen, insbesondere junge Menschen in Not chatten lieber, als dass sie telefonieren.»

Wie schwierig die Geldsuche sein kann, zeigte sich kürzlich: Für die Entwicklung einer App sammelte die Dargebotene Hand auf einer Crowdfunding-Seite – doch nur ein Viertel des angestrebten Betrags kam zusammen.

Am Mittwoch, 25. Oktober, um 18.30 Uhr, findet im Bullingerhaus in Aarau eine Info-Veranstaltung für interessierte Freiwillige statt. Der nächste Ausbildungsgang beginnt im kommenden April.

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