Wer erinnert sich nicht noch an den Sommersturm Mitte Juli, der über den Kanton Aargau fegte? Die abertausend Geschädigten tun das auf jeden Fall. Und auch die Aargauer Gebäudeversicherung ist tagtäglich mit diesem Thema beschäftigt. Die az Aargauer Zeitung zieht heute, knapp zwei Monate nach dem Sturm, eine erste Bilanz.

Am 13. Juli 2011 bot sich am Tag danach ein schreckliches Bild. Vor allem in der Region Zofingen sah es teilweise so aus, als wäre ein Tornado über das Gebiet gefegt. Ganze Hausdächer wurden abgedeckt, massive Bäume wie Streichhölzer umgeknickt und Hagelschauer verwüsteten unzählige Gärten. «Bis heute sind rund 23 600 Schadensmeldungen eingegangen. Einzelne Schäden, etwa 10 bis 20 pro Tag, werden noch laufend gemeldet», gibt Peter Schiller, Abteilungsleiter der Aargauischen Gebäudeversicherung AGV, Einblick. Er bestätigt, dass in diesem Juli im Aargau noch mehr Schaden entstand als beim Sturm «Lothar» 1999: «Damals gab es rund 22 900 gemeldete Schäden.» Auch betreffend Schadensumme sorgte der Sturm für einen Rekord. «Die etwa 130 Millionen Franken stechen den Hagelsturm von 2002 mit rund 58 Millionen Franken locker aus», so Schiller.

Spendengelder für Zofingen

Auch für die Stadt Zofingen war es ein Sturm der Superlative. «Wir hatten insgesamt 198 Schadensmeldungen. Darunter waren 31 Wassereinbrüche, 48 Dachschäden, 78 Baumschäden und 41 Diverse», schildert die Zofinger Stadträtin Christiane Guyer. Sie ist stolz auf die vielen Frauen und Männer, die während und kurz nach dem Sturm im Einsatz standen. «Es waren bis zu 200 Personen aktiv, von der Feuerwehr, Zivilschutz, Polizei und vom Werkhof», bedankt sich die Stadträtin indirekt bei den vielen Helfern.

Dankbar ist Guyer natürlich auch den Spenderinnen und Spendern, die Geld für den Wiederaufbau des «Heiteren» einzahlen. Auf dem Zofinger Hausberg waren 80 Prozent der Linden zerstört worden. Bisher sind bereits knapp 13 000 Franken zusammengekommen.

Neben dem Heiterenplatz wurde auch der Staatswald Baan um Zofingen stark in Mitleidenschaft gezogen. Zwar ist der Wald teilweise wieder begehbar, aber einige Wege, darunter auch der Vitaparcours, bleiben aus Sicherheitsgründen weiterhin gesperrt. «Bisher haben wir 2000 Kubikmeter Holz aufgeräumt. Somit haben wir etwa einen Fünftel der Schäden beseitigt», sagt der Staatsförster Hans Rudolf Fischer.

Doch die Arbeiten gehen unverdrossen weiter. Der Staatsförster geht davon aus, dass die Aufräumarbeiten noch bis zum Sommerbeginn 2012 andauern werden. «Unser Ziel ist es, noch vor dem Wintereinbruch das im Wald schräg liegende Holz zu entfernen. So können wir Folgeschäden, die durch das Gewicht des Schnees entstehen könnten, minimieren», so Staatsförster Fischer weiter.

Ununterbrochen an der Arbeit

Auch die Aargauer Gebäudeversicherung wird noch lange die entstandenen Sturmschäden abarbeiten müssen. «Grundsätzlich haben grosse Schäden Vorrang. Aber die Eigentümer, die kleinere Schäden gemeldet haben und bei denen bisher keine Schadenbesichtigung stattfand, müssen sich keine Sorgen machen: Die gemeldeten Schäden sind vermerkt und gehen sicher nicht vergessen», beruhigt Schiller. Bei der AGV stehen derzeit 35 Schätzerinnen und Schätzer im Dauereinsatz, zusätzlich unterstützt von Mitarbeitenden aus anderen Abteilungen. Bei ihnen sind Überstunden unter der Woche und am Wochenende an der Tagesordnung. Wie viele Schadensmeldungen genau die AGV bereits inspiziert hat, kann Schiller nicht sagen: «Die Zahlen müssten bei jedem einzelnen Schätzer erhoben werden. Das haben wir bisher nicht gemacht, um unseren Mitarbeitenden nicht noch einen zusätzlichen administrativen Mehraufwand aufzubürden.»