Aarburg
So wehren sich die Aarburger Parteien gegen die Asylunterkunft

Die Aarburger Ortsparteien wehren sich in einem Brief an Regierungsrätin Susanne Hochuli gegen die geplante Asylunterkunft. Sie werfen ihr unter anderem vor, Gesprächsversuche unterbunden zu haben.

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Eine der zwei Liegenschaft an der Lindengutstrasse in Aarburg, in denen rund 90 Asylsuchende einziehen sollen.

Eine der zwei Liegenschaft an der Lindengutstrasse in Aarburg, in denen rund 90 Asylsuchende einziehen sollen.

Raphael Nadler

In Aarburg regt sich Widerstand gegen den Plan des Kantons, an der Lindengutstrasse 90 Asylbewerber aufzunehmen – auch die Ortsparteien wehren sich mit einem Protestschreiben an Regierungsrätin Susanne Hochuli (az vom 29. April).

Was genau haben die Parteipräsidenten der SP, CVP und SVP sowie der Vizepräsident der FDP eigentlich geschrieben? Im Brief, der auf Facebook zu finden ist, heisst es unter anderem: «Frau Hochuli, Sie sind fest entschlossen, am 1. Mai 2014 90 Asylsuchende bei uns einzuquartieren. Dies haben Sie äusserst kurzfristig mitgeteilt und uns vor vollendete Tatsachen gestellt. War das Ihre Taktik?» Dabei habe sie versprochen, dass mit den heutigen 34 «Asylanten» das Soll von 18 bereits mehr als erfüllt sei. «Wie viel zählt Ihr Wort heute?»

Weiter fragen die Parteipräsidenten: «Haben Sie sich überlegt, was die 90 Asylanten für gravierende langfristige Folgen mit sich bringen? Die über 40 Kinder werden in den Kindergarten und zur Schule gehen, sie benötigen Zusatzmassnahmen wie Deutschkurse, Nachhilfe, Familienbegleitung etc.» Mit den Jahren werde wohl auch die Zahl der Asylkinder zunehmen, dies bedeute noch mehr Schulraum und mehr Kosten für Aarburg.

Mobiliar für mehrere Wohnungen ist diese Woche bereits nach Aarburg geliefert worden

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Raphael Nadler

Die Ausgaben für soziale Wohlfahrt stiegen jährlich an, allein letztes Jahr habe Aarburg 6,2 Millionen Franken dafür ausgegeben. «Die Lage an der Schule und auch die finanzielle Lage der Gemeinde sowie die gravierende Verschuldung lassen keinen Handlungsspielraum mehr zu. Frau Hochuli, wo ist Ihre Solidarität gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern und insbesondere den Schülerinnen und Schülern geblieben?», heisst es im Schreiben.

Am Schluss des Briefes schreiben die Ortsparteipräsidenten: «Gerne hätten wir mit Ihnen persönlich geredet, doch haben Sie bis jetzt alle unsere Gesprächsversuche unterbunden.» Und eine weitere Frage folgt: «Können Sie es verantworten, dass Sie einer so angeschlagenen Gemeinde die Bürde von weiteren 90 Asylsuchenden auferlegen und somit die ganzen Anstrengungen der letzten Jahre mit einem Schlag zu Nichte machen?»

Balz Bruder, Leiter Kommunikation im Departement Gesundheit und Soziales, sagte heute, der Brief der Ortsparteipräsidenten sei am Dienstag eingetroffen. Stellung zu den einzelnen Fragen und Vorwürfen wollte er aber nicht nehmen. «Wir werden die einzelnen Fragen und Vorwürfe prüfen und den Absendern des Briefes direkt antworten», sagte Bruder.

Sascha Antenen, Präsident der Juso-Aargau, kritisiert, dass auch der SP-Ortsparteipräsident seine Unterschrift auf das Dokument setzte. «Das Problem ist, dass die SP damit indirekt eine Kampagne mitunterstützt, die Nährboden für rassistisches Gedankengut bildet.» Christian Suter, Präsident der SP Aarburg sagt: «Sascha Antenen hat das Problem nicht begriffen. Das Schreiben richtet sich nicht gegen die Asylsuchenden, sondern gegen das Vorgehen des Kantons.»

Sehen Sie heute Mittwoch, ab 18.30 Uhr, auf Tele M1 den «Talk Täglich» zum Thema «Mahnwache gegen Asylheim Aarburg». Die Sendung dauert eine halbe Stunde und wird stündlich wiederholt.

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