Wahlen 2011

So reagieren die Aargauer Parteipräsidenten zur az-Wahlumfrage

Wirklich gewählt wird erst am 23. Oktober. Die repräsentative Umfrage der az Aargauer Zeitung vom Samstag hat aber bereits viel politischen Staub aufgewirbelt. Die Parteipräsidenten wollen jetzt erst recht Wählerinnen und Wähler mobilisieren.

Das Verdikt der Umfrage ist klar: Die vier grossen Parteien sind auf der Verliererstrasse. Die SVP verliert demnach 0,9 Prozent und hätte noch einen Anteil von 35,3 Prozent. Die SP verliert laut Umfrage 3,7 Prozent und kommt noch auf 14,2 Prozent, die FDP kommt auf 13,2 Prozent (minus 0,4). Deutlich der Rückgang auch bei der CVP - um 1,5 Prozent auf noch 12,0 Prozent.

Alle Parteipräsidenten wollen alles dafür tun, um in den nächsten vier Monaten auf die Gewinnerroute umzuschwenken. Dort sind die bisher kleineren Parteien mit viel Tempo unterwegs, die Grünen wachsen von rund 8 auf 11,2 Wählerprozente, die Grünliberalen waren vor vier Jahren noch nicht dabei und springen auf 6,0%. In der Tendenz können sich die Präsidenten das Wahlresultat so vorstellen, im Detail glauben sie durchaus an Veränderungen. Auffallend dabei: Die Gewinner wollen sich keineswegs zurücklehnen.

SVP will die Ärmel hochkrempeln

«Ob des kleinen Rückgangs werde ich sicherlich nicht depressiv, solche Umfragen sind mit Vorsicht zu geniessen, der Wahltag ist noch weit entfernt», sagt SVP-Präsident Thomas Lüpold (Möriken-Wildegg). Ein negatives Resultat habe auch eine positive Seite, die lautet: «Jetzt erst recht die Ärmel hochkrempeln und an die Arbeit», lautet Lüpolds Schluss.

Der Verlust werde bei der SP kaum so hoch ausfallen, «mein Gefühl sagt mir, dass die grossen Parteien den Status quo halten können». Wieweit die Japan-Welle auch im Herbst noch auf die Wahlen durchschlage, werde sich erst weisen müssen. Beim Ständerat hat sich Lüpold «sehr gewundert, dass unser Kandidat Ulrich Giezendanner so weit zurückliegt».

Denn laut Umfrage liegt das Frauenduo Pascale Bruderer (SP, 48,9%) und die amtierende Christine Egerszegi (FDP, 44,6%) klar an der Spitze. Trotz seiner grossen Popularität kommt SVP-Giezi nur auf 25,1%, vor Geri Müller (Grüne, 16,9%), Kurt Schmid (CVP, 7,8%) und Peter Schuhmacher (GLP, 5,1%).

FDP hofft auf leichte Zunahme

«Unser minimaler Rückgang ist im Grunde besser als erwartet nach Fukushima und der unklaren Energiepolitik der FDP Schweiz», erklärt der Aargauer FDP-Präsident Thierry Burkart (Baden). «Wir haben noch viel Arbeit, verbunden mit der Hoffnung, unsere zwei Sitze verteidigen und etwas zulegen zu können», meint Burkart. Interessant findet er die Tatsache, dass der Bürgerblock gleich gross bleibe, denn die minus 2,8% von SVP, FDP und CVP werde von den plus 2,8% der BDP wettgemacht.

Der grosse Verdrängungskampf finde zwischen Grünen, Grünliberalen und der SP statt. Mit Christine Egerszegi für das Stöckli haben die Freisinnigen eine gute Ausgangslage, «aber das Ziel ist noch in weiter Ferne». Denn die FDP müsse aufpassen, im Wahlkampf Bruderer gegen Giezendanner nicht zwischen Suhl und Bank zu fallen.

CVP will den Kurs nicht ändern

Verluste bei den grossen bürgerlichen Parteien kann sich CVP-Präsident Franz Hollinger (Brugg) durchaus vorstellen: «Die Gewinne der Grünliberalen gehen wohl stärker zulasten der CVP als auf Kosten von SVP und FDP», mutmasst Hollinger. Bei den Aufwind-Parteien Grüne und GLP sei auch zu beachten, «dass es viele Wählerinnen und Wähler gibt, die vor vier Jahren noch nicht teilgenommen haben».

Der CVP-Präsident sieht nach der Umfrage keine Möglichkeit, den Kurs gross zu ändern, «denn wir wollen keinen Zickzack fahren». Auf den Vorwurf, die Mutterpartei mache das ja bereits in der Atompolitik, betont Hollinger, die Aargauer CVP sei daran, ihre Haltung zur Energiepolitik zu definieren. Das geschehe unter anderem an der Zurzacher Tagung vom Samstag, «wir wollen nichts überstürzen, das Resultat ist offen, aber die Wähler wissen rechtzeitig Bescheid».

SP will Wählerschaft mobilisieren

Bei der SP haben die Umfragezahlen kein Feuer ausgelöst, Präsident Marco Hardmeier (Aarau) ist wenig erschüttert und bleibt zuversichtlich. Vor vier Jahren habe man die SP zur Siegerpartei erklärt, doch es sei anders gekommen. Statt massiver Verluste zu erleiden, «können wir nun in den meisten Kantonen zulegen und haben uns in Zürich knapp gehalten», argumentiert der SP-Präsident. Die Partei mit dem doppelt so hohen Anteil Frauen (19,2%, Männer 9,3%) will besonders darauf schauen, die Wählerinnen und Wähler auch mobilisieren zu können.

Trotz der grossen Freude über Pascale Bruderers Abschneiden «werden wir noch Gas geben, das haben wir auch bei Urs Hofmann für den Regierungsrat gemacht», so Marco Hardmeier.

Die Wahlsieger im Stöckli sind noch nicht in Stein gemeisselt: «Beim Ständerat kommt mit Sicherheit etwas anderes heraus», sagt GLP-Präsident und Grossrat Peter Schuhmacher. Seine Chancen sind für das Stöckli höchst gering, aber als Nationalrat intakt. «Ich kandidiere aus Überzeugung, wenn das Volk will, will ich auch», erklärt Schuhmacher, für den Qualitätsarbeit wichtig ist.

Grüne haben Wahlfeier geplant

«Wir können unsere Wahlfeier in der Agenda belassen», hat sich Gertrud Häseli (Wittnau) beim Lesen der Umfrage gesagt. Für die Präsidentin der Grünen macht sich die konsequente Haltung in der Energiepolitik bezahlt. «Uns kauft man den Ausstieg besser ab, wir sind vertrauenswürdiger und können jetzt die Ernte einfahren», glaubt Häseli. Im Gegensatz dazu finde die SP oft den richtigen Ton nicht und trete zu aggressiv auf.

Der Japan-Schock habe auch vielen Leuten klargemacht, dass es wichtigere Werte gebe als ein grenzenloses Wachstum und Konsumieren. Zwei Aargauer Frauen im Ständerat schätzt Häseli als realistisch ein: «Bruderer ist ein Phänomen, sie verbindet und polarisiert nicht.»

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