Es war eine der vielen Überraschungen des Wahlsonntags: Knapp 20'000 Stimmen für Lieni Füglistaller, der als wilder Kandidat gegen den Willen der SVP als Ständeratskandidat angetreten war. Damit schaffte es Füglistaller überraschend auf Platz sechs; mit nur gerade 115 Stimmen hinter CVP-Mann Kurt Schmid.

Pascale Bruderer wurde als einzige gewählt.

Resultate Ständeratswahlen 1. Wahlgang

Pascale Bruderer wurde als einzige gewählt.

«Für den materiellen Aufwand, den ich betrieben habe, ist das ein sehr gutes Ergebnis», sagte Lieni Füglistaller als erste Reaktion am Sonntagabend der az.

Dieser Achtungserfolg könnte jedoch seinen Parteikollegen Ulrich Giezendanner ausgebremst haben. «Von den knapp 20'000 Stimmen für Lieni Füglistaller sind sicher einige tausend auf Kosten von Herrn Giezendanner gegangen», sagt Politexperte und alt Regierungsrat Silvio Bircher im az-Video-Interview.

Anders sieht dies Ulrich Giezendanner: «Lieni Füglistaller hat mir kein Wasser abgegraben», ist der Rothrister Fuhrhalter überzeugt. Er habe Stimmen erhalten, die «mit mir gemeinsam auf SVP-Listen waren».

Giezendanner: «Lieni Füglistaller hat mir nicht geschadet»

Giezendanner: «Füglistaller hat mir nicht geschadet»

Gleich argumentiert Füglistaller: «Ich habe Ulrich Giezendanner nicht geschadet, es gab ja zwei Linien.» Lieni Füglistaller vermutet jedoch, dass «Christine Egerszegi im ersten Wahlgang wohl gewählt worden wäre, wenn er selbst nicht kandidiert hätte».

Silvio Bircher bleibt skeptisch: «Auch wenn immer gesagt wird, dass man zwei SVP-Namen auf die Liste schreiben könne: Viele Wähler machen einen Mix.» Bircher ist überzeugt, dass einige Wähler Lieni Füglistaller statt Ulrich Giezendanner zusammen mit einem Vertreter einer anderen Partei auf die Ständeratsliste geschreiben haben.

Rennen bleibt offen

Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang ist noch offen. Ulrich Giezendanner wird mit «grosser Wahrscheinlichkeit» nochmal antreten, wie er der az sagte – falls die Partei dies wolle. Lieni Füglistaller will das Resultat analysieren und erst dann entscheiden, ob er im zweiten Wahlgang erneut antreten wird.

Definitiv in den zweiten Wahlgang steigt die bisherige FDP-Ständerätin Christine Egerszegi, die im Gegensatz zu Pascale Bruderer (SP) das absolute Mehr knapp verpasst hatte. CVP-Mann Kurt Schmid hat seinen Entscheid noch nicht bekanntgegeben. Gewählt wird am 27. November 2011.