Jugendarbeitslosigkeit

Sie geben der Sozialstatistik ein Gesicht

In der Region nimmt der Anteil von jungen Sozialhilfebezügern zu. Nun geben drei Betroffene Auskunft. Dabei zeigt sich: Es ist immer ein anderes Schicksal dahinter.

Es sind erschreckende Zahlen: Laut einer Studie der Fachhochschule Bern ist fast die Hälfte aller Sozialhilfebezüger in der Schweiz unter 25 Jahre alt. Gemäss der Zeitung «Sonntag» sind es 44 Prozent. Darin sind zwar auch Kinder und Jugendliche enthalten, die über ihre hilfsbedürftigen Eltern in der Statistik erfasst werden. Doch der Anteil der erwerbsfähigen Personen ist sehr gross.

Rund 30000 Personen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren sind von der Sozialhilfe abhängig. Als Hauptgrund für die Fürsorgeabhängigkeit nennt die Studie die fehlende Berufsausbildung. Die meisten jungen Sozialhilfebezüger leben ganz oder vorwiegend von staatlicher Hilfe.

Risikofaktor fehlende Ausbildung

Eine Umfrage zeigt, dass auch in der Region viele junge Menschen von der Sozialhilfe abhängig sind und dieses Phänomen in den letzten Jahren zugenommen hat. So waren 2009 etwa in Döttingen rund 43 Prozent aller Sozialhilfebezüger unter 25 Jahre alt. In Brugg betrug der Anteil gar 49 Prozent. «Wir sehen uns immer mehr mit jungen Menschen ohne Ausbildung konfrontiert», sagt Jürg Schönenberger, Leiter Soziale Dienste Brugg. Und auch die Leiterin Soziale Dienste Baden, Hildegard Hochstrasser, bestätigt diesen Befund. «Wir haben immer mehr junge Klienten. Auffällig ist, dass rund die Hälfte aller Sozialhilfebezüger über keine berufliche Ausbildung verfügen.» Kein Berufsabschluss sei das grösste Risiko, Sozialhilfe beziehen zu müssen, so Hochstrasser.

Urs Spillmann, Leiter der Sozialen Dienste in Wohlen, beobachtet ebenfalls eine Verschiebung hin zu jungen Sozialhilfebezügern. Spillmann vermutet: «Viele Junge wollen auf eigenen Beinen stehen, obwohl sie keine Ausbildung haben. Das kann nicht gut gehen.»

Viele Ausgesteuerte am 1. April

Jürg Schönenberger befürchtet, dass die Zahl junger Sozialhilfebezüger ab dem 1. April massiv ansteigen wird. Grund: Dann tritt das revidierte Arbeitslosengesetz in Kraft. In der ganzen Schweiz werden auf einen Schlag 16000 Personen ausgesteuert; davon rund 40 Prozent Jugendliche.

Betroffene erzählen ihre Geschichte

Die az Aargauer Zeitung hat sich auf die Suche gemacht, um diesen erschreckenden Zahlen ein Gesicht zu geben, und ist fündig geworden. David Di Santo (18), Richard De Koeijer (20) und Mike Wegmüller (21) verbindet das gleiche Schicksal. Sie leben von der Sozialhilfe. Offen und ohne Scham erzählen sie, wie sie in diese Situation geraten sind.

Dabei zeigt sich: Den «typischen» Fall gibt es nicht. So hat der Döttinger Mike Wegmüller bereits zwei Lehren abgebrochen, während der Wettinger Richard De Koeijer immer noch auf seine erste Lehrstelle hofft. Derweil kennt David Di Santo aus Wohlen gar nichts anderes, als von der Sozialhilfe abhängig zu sein, da seine Eltern nie in der Lage waren, ihn zu unterstützen.

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