Verkehr
Sexy und sicher: Warum die Aargauer grau fahren

Ein Drittel der Autos im Kanton sind grau oder silbergrau. Denn: Die Graufahrer mögen es gerne unauffällig und pflegeleicht. Zudem gilt diese Autofarbe als besonders sicher.

Maja Sommerhalder
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AZ

Nationalrätin Esther Egger fällt auf den Strassen nicht auf. Denn ihr Auto ist silbergrau. Die Zahl der grauen und silberfarbenen Autos hat in den letzten zehn Jahren enorm zugelegt - im Jahre 2010 waren es rund ein Drittel der immatrikulierten Aargauer Autos. Vor zehn Jahren war Blau noch die beliebteste Autofarbe. Inzwischen liegt diese mit einem Anteil von knapp 20 Prozent an zweiter Stelle, noch knapp vor dem immer beliebter werdenden Schwarz. Rot sieht man hingegen immer weniger im Strassenverkehr.

«Das klassische Ferrari-Rot bleicht mit der Zeit aus», sagt Autoverkäufer Giuseppe Olivieri. Obwohl seine Kunden in letzter Zeit in der Gebenstorfer Garage Küng Automobile vermehrt braune und weisse Autos kaufen, sind Grau und Schwarz immer noch am beliebtesten. «Schwarz ist sportlich und auf silbernen Wagen sieht man den Dreck nicht.» Zudem lassen sich neutrale Farben später besser wiederverkaufen. Dies bestätigt auch Farbdesignerin Daniela Späth: «Das ist ein grosser Vorteil und die Auswahl an Autofarben ist sowieso sehr klein.» Grau sei bei Autos beliebt, weil es für Neutralität, Understatement und Anonymität stehe: «Die Leute wollen im Strassenverkehr nicht auffallen oder Farbe bekennen.»

«Bei Kleineren hat man bessere Chancen.»

Einen entscheidenden Einfluss haben auch die Autohändler selbst, räumt der Gebenstorfer Autoverkäufer Olivieri ein: «Wir bestellen keine Ausstellungsautos in knalligen Farben, weil wir Angst haben, sie nicht mehr loszuwerden.» Gerade bunte Grosswagen würden sich kaum verkaufen: «Bei Kleineren hat man bessere Chancen.» Meistens seien es Frauen, die bunte Fahrzeuge wählten: «Ihnen sind Farben wichtiger.» Zu diesen Frauen gehört auch Lea Guidon, Ernährungspädagogin und Moderatorin der Kindersendung «Schnitz&Schwatz». Ihr Auto ist sonnenblumengelb: «Gelb bedeutet Lebensfreude. Ich bin gerne ein Farbklecks im grauen Strassenverkehr.»

Sie wird wohl noch ein Farbklecks bleiben, denn gemäss dem deutschen Lackhersteller BASF Coatings wird auf den europäischen Strassen in den nächsten Jahren Schwarz, Silber und Grau dominieren. «Allerdings wächst hier das Spektrum der Tönungen, Effekte und Nuancen von Jahr zu Jahr an», so Firmendesignerin Eva Höfli. Weiter hat und wird das steigende Umweltbewusstsein bei der Farbwahl eine Rolle spielen. Das bedeutet, dass blaue und braune Naturtöne gefragt sein werden. Schwer im Trend liege immer noch die Farbe Weiss. «Sicher hatten die weissen iPods von Apple einen Einfluss», so BASF-Sprecher Marco Benen. Glücklich mit ihrem weissen Volvo ist auch Ex-Miss-Schweiz und Moderatorin von «Automobil Revue» Jennifer Ann Gerber: «Weiss ist frisch, elegant, aber dennoch sportlich.» Der Nachteil: «Das Auto sieht schnell dreckig aus.»

Doppelt so häufig in schwere Unfälle verwickelt

Auch wenn weisse Autos modern sind, sind sie nicht unbedingt sicher. Gemäss einer Studie aus Neuseeland fährt es sich in silbernen Autos am sichersten. Weisse, graue, rote, gelbe oder blaue Autos sind in Auckland fast doppelt so häufig in schwere Unfälle verwickelt. Als besonders unfallträchtig sind laut der Studie braune Autos aufgefallen, gefolgt von schwarzen und grünen Wagen. Ähnliche Zahlen aus der Schweiz sind nicht bekannt. «Die Farbe des Autos hat auch keinen Einfluss auf die Versicherungsprämie», so Olivier Michel, Mediensprecher der AXA Winterthur.