Verkehr

Senioren gefährden Verkehrssicherheit

Wer sich falsch verhält oder nicht mehr fahrtüchtig ist, muss den Führerausweis abgeben.

Wer sich falsch verhält oder nicht mehr fahrtüchtig ist, muss den Führerausweis abgeben.

Wegen grundlegender Mängel in vielen Bereichen verkehren auf den Strassen zu viele Fahrzeuglenker, die nicht oder nicht mehr fahrtüchtig sind. Tödliche Unfälle, teilweise durch ältere Lenker verursacht, zeigten auf Missstände hin.

Durch umfassende Untersuchungen sind zahlreiche Schwachstellen zum Vorschein gekommen, welche die Regierung jetzt mit gezielten Verbesserungen eliminieren will. Bei der Polizei gab es unterschiedliche Regeln, wann genau bei Unfällen, Alkohol oder anderen Verstössen der Führerausweis auf der Stelle einzogen wurde. Das Strassenverkehrsamt hat Meldungen über fahruntüchtige Lenker unbesehen an die Polizei weitergeleitet, statt sie selber zu bearbeiten. Beim schwierigen Urteil der Fahrtüchtigkeit von über 70-jährigen Personen stellten die Hausärzte teils Gefälligkeitsgutachten aus – weil sie ihre Patienten nicht brüskieren wollten.

Ausbildung für Vertrauensärzte

Die gewählten Verbesserungen erscheinen auf den ersten Blick gut durchdacht, machbar, sachgerecht und effizient. Zum Beispiel beim Arztmodell für die über 70-jährigen Lenkerinnen und Lenker: Es bleibt beim Hausarzt mit Vertrauensarztfunktion, aber dieser muss eine regelmässige Weiterbildung besuchen. Für eine Spezialisierung auf verkehrsmedizinische Untersuchungen hätten sich kaum genügend qualifizierte Ärzte finden lassen, glaubt die Regierung. Die Weiterbildung für Ärzte führt über 8 Stunden zum Zertifikat 1 und berechtigt zur Untersuchung von Autolenkern. Eine Zusatzausbildung bringt Zertifikat 2, um Lenkerinnen und Lenker von Lastwagen und Cars überprüfen zu können.

Verbesserungen für die Polizei

Die neue Regelung für die Ärzte ist mit deren Organisationen erarbeitet worden, die Aufsicht obliegt dem Strassenverkehrsamt. Es kann die Berechtigung auch entziehen, wenn etwa die Weiterbildung vergessen wird. Bei der Polizei war es so, dass die Aargauer Polizeiorgane den Spielraum für Ausweisentzüge «unterschiedlich ausgenutzt haben». Gestützt darauf sind die Dienstbefehle so angepasst worden, dass der «rechtliche Spielraum für die vorläufige Abnahme des Führerausweises voll ausgenutzt wird» – durch Kantonspolizisten und Kommunalpolizisten.

Potenzial zur Verbesserung gibt es auch im administrativen Bereich: Die Liste wird verfeinert, um aus medizinischen oder psychologischen Gründen die Fahreignung überprüfen und einen vorsorglichen Sicherungsentzug anordnen zu können. Wenn der Polizeirapport beim Strassenverkehrsamt eingeht, werden weitere Informationen zum Unfallhergang und zum Fehlverhalten eingeholt. Zudem wird das Strafregister des fehlbaren Lenkers konsultiert.

Schnell und konsequent handeln

Der Personalbestand im Strassenverkehrsamt ist bereits um 400 Stellenprozent erhöht und die Organisation verbessert worden. Neu gibt es die Teamleiter für Fahreignung, Sicherungsentzug und Warnungsentzug, zudem eine Fachspezialistin Psychologie. Mit einer Triage und einer Kurzanalyse jedes Falls soll sichergestellt werden, dass die nötigen Massnahmen zeitgerecht erfolgen können. Bei telefonischen Warnungen durch Familienangehörige und Nachbarn hat sich gezeigt, dass die Anrufer oft an die Polizei verwiesen wurden. «Das ist weder kundenorientiert noch sachgerecht», steht in der Botschaft. Das Strassenverkehrsamt «muss solche Fälle selber bearbeiten, um allenfalls gefährliche Situationen verhindern zu können».

Auflagen besser kontrollieren

Viele Fahrzeuglenkende besitzen einen Führerausweis mit Auflagen, etwa wegen Drogenproblemen. Verschärfte Kontrollen sollen verhindern, dass solche Leute bei einem Rückfall bekifft durch die Gegend rollen. Alles in allem ist der höhere bürokratische Aufwand durchaus berechtigt, um die Fahruntüchtigen rechtzeitig vom dichten Verkehr auszuschliessen. Also bevor unschuldige Kinder, Frauen und Männer zu Opfern werden, die unter den Folgen oft endlos leiden müssen.

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