Das ehemalige «Schwesternhaus» beim Kantonsspital Aarau, auf Suhrer Boden gelegen, beherbergt seit 1933 eine Schule für Gesundheitsberufe. Heute heisst sie «Höhere Fachschule für Gesundheit und Soziales» (HFGS). Das Gebäude an der Südallee 22 genügt den Anforderungen an eine Fachschule indes längst nicht mehr, weder in räumlicher noch in infrastruktureller Hinsicht. Seit anderthalb Jahren werden einige Stockwerke des Hauses als Asylunterkunft «zwischengenutzt».

Die Regierung schlägt dem Grossen Rat vor, den Gebäudekomplex mit Hochhaus total zu sanieren und ab 2017 der Schule zur Verfügung zu stellen. Während der Bauzeit muss der Schulbetrieb mietweise ausgelagert werden. Kürzlich ist die Anhörung zum Projekt und zur Investitionssumme von total 61,7 Mio. Franken zu Ende gegangen. Die Reaktionen der Parteien auf die Pläne sind gemischt.

SVP lehnt Projekt rundweg ab

Die Stellungnahme der SVP besteht aus drei Sätzen: «Die SVP lehnt das Projekt ab. Es ist in Bezug auf die Baukosten und die Miete während der Bauzeit wesentlich zu teuer. Wir beantragen, das Projekt zu sistieren, bis die Analyse betreffend Standort- und Raumkonzept Sekundarstufe II vorliegt.»

Die HFGS hat mit der Sekundarstufe II allerdings nichts zu tun, sie wird im für Juni erwarteten Standortkonzept nicht vorkommen. Als Höhere Fachschule gehört sie zum Bereich Tertiär B (Tertiär A = Hochschulbereich, Tertiär B = höhere Berufsbildung). Auf der Sekundarstufe II angesiedelt ist die «Berufsfachschule Gesundheit und Soziales» (BFGS) in Brugg. Man erwirbt dort eine Berufsmaturität und den Abschluss Fachfrau/Fachmann Gesundheit FaGe. Die Schule in Suhr-Aarau entlässt ihre Absolventinnen und Absolventen hingegen mit dem Titel Eidg. dipl. Pflegefachfrau/Fachmann HF.

Differenzierter urteilen die anderen Parteien. Volle Zustimmung gibt es nur von der SP und den Grünen. Die Grünen verlangen, dass das Gebäude im Minergie-P-Standard saniert wird.

Kritik an hohen Mietkosten

FDP und CVP kritisieren vor allem die hohen Mietkosten während der Bauzeit. Die CVP signalisiert grundsätzliche Zustimmung, fordert aber, die Sanierung und Nutzung des Hochhauses seien «noch besser zu begründen»; zudem seien «die Anstrengungen zur Kostenoptimierung» klar aufzuzeigen. Die BDP stimmt dem Projekt ebenfalls zu. Sie fordert aber Überprüfungen, zum Beispiel beim Thema Cafeteria/Aufenthaltsraum. Als Alternative regt sie eine «kostendeckende Kantine» an. Zudem fordert sie «ein erhöhtes Kostenmanagement», zum Beispiel mit einer «externen unabhängigen Fachstelle».

Am kritischsten unter den «im Prinzip zustimmenden» Parteien sind die Grünliberalen. Nach ihrer grundsätzlichen Zustimmung kommt in den Details fast nur noch Kritik, die im Satz gipfelt: «Aus Sicht der Grünliberalen sind sowohl der Standort als auch die finanzielle Situation erneut zu überprüfen und allenfalls die Kosten zu reduzieren.» Und auch die GLP bringt die Berufsfachschule in Brugg mit aufs Tapet: «Ein Zusammenschluss (…) wäre für uns weiterhin prüfenswert.»

Ein solcher Zusammenschluss ist
allerdings nicht möglich – weil die Schulen nicht der gleichen Stufe angehören, wie bei der Stellungnahme der SVP bereits ausgeführt. Denkbar wäre allenfalls ein räumliches Zusammenrücken zur synergetischen Nutzung von Infrastrukturen.