Einige Grossräte im Aargau lassen fast jede dritte Sitzung sausen, wie der unangefochtene Absenzenkönig Kurt Emmenegger: Er fehlte bei den Sitzungen zwischen April 2009 und August 2012 stolze 38 Mal.

Als Erklärung für seine häufigen Absenzen gibt SP-Politiker Emmenegger gegenüber dem DRS Regionaljournal an, er habe von seinem Arbeitgeber eine Auszeit bekommen und während sechs Monaten nur zwei Sitzungen besucht: «Nach 18 Jahren Gewerkschaftstätigkeit musste ich ein Sabbatical nehmen, in diesem halben Jahr Auszeit habe ich alle politischen Tätigkeiten eingestellt», sagt er auf Anfrage.

Mit dieser Pause erklärt er sich die Hälfte der verpassten Sitzungen, die restlichen seien mit seiner Gewerkschaftstätigkeit kollidiert. Trotz den Kollisionen und Auszeiten will sich Emmenegger wieder den Wahlen stellen - und versucht künftig weniger zu schwänzen.

Silber für das Arbeitstier

Der zweite Platz geht an Christian Sprenger, BDP. Er hat in der gleichen Periode 29 Sitzungen verpasst. «Der Grund für die vielen Absenzen ist meine Arbeit, wenn es hart auf hart kommt, dann hat der Arbeitgeber Priorität vor der Politik», sagt Sprenger.

Als Projektleiter bei einem Industrieunternehmen, sei er gezwungen gewesen, Arbeit während den Parlamentssitzungen zu erledigen und die Ratsgeschäfte als Hausaufgaben zu erledigen.

Ein neuer, noch viel wichtigerer Grund sei aber der Neuzugang in der Familie. Er und seine Frau haben kürzlich ein Kind bekommen. Es sei eine dreifache Herausforderung gewesen Familie, Job und Politik unter einen Hut zu bringen. Aus diesem Grund wird Sprenger im Gegensatz zu Emmenegger nicht für eine weitere Legislatur kandidieren.

Giezendanner im Militär, Brunner weiss von nichts

Zusammen mit Andreas Brunner von der CVP, teilt sich der SVP-Grossrat Benjamin Giezendanner den dritten Platz. Giezendanner erklärt er fehle im Rat so oft, weil er als Armeekommandant seine Truppe nicht im Stich lassen möchte. Dabei kam der Grosse Rat 21 mal zu kurz.

Andreas Brunner hingegen fällt aus allen Wolken: «21 mal? Das ist nicht möglich, ich habe höchstens 10 mal gefehlt», sagt Brunner etwas überrascht. Brunner könne sich diese Absenzen nicht erklären, er vertraut aber am Ende auf die Richtigkeit der Protokolle.

Bei der Nachprüfung ergab sich dass Sitzungstage mit Sitzungen am Morgen und am Nachmittag doppelt zählen. Somit kommt Brunner trozdem knapp auf seine 21 Absenzen - auch wenn es sich eher wie 10 anfühlt. (kgh)