Schulen und Corona
Nach den Sportferien mit Maske zurück in die Schule

Aargauer Fünft- und Sechstklässler müssen ab 22. Februar in der Schule eine Maske tragen. Das hatte der Lehrerverband seit Anfang Jahr gefordert. Der Kanton Solothurn hat die Erfahrung bereits gemacht.

Eva Berger
Merken
Drucken
Teilen

Ab 22. Februar tragen auch die Aargauer Fünft- und Sechstklässler in der Schule und auf dem gesamten Schulareal eine Maske. Bisher galt die Maskenpflicht nur für die Oberstufe, weil aber in den letzten Wochen an mehreren Schulen Virusmutationen aufgetreten sind, wird diese jetzt auf die zwei letzten Primarklassen ausgedehnt. «Damit können Übertragungen reduziert, der Schutz von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonen erhöht und Schulschliessungen vermindert werden», teilte das kantonale Bildungsdepartement gestern Donnerstag zu seinem Entschluss mit.

Gelte eine Maskenpflicht, so liege ein tieferes Ansteckungsrisiko vor, es komme zu weniger Kontakten zwischen den Schülern und Lehrern und damit seien auch weniger Tests nötig.

Schulen sollen offen bleiben

Der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband hatte seit Anfang Jahr eine ausgedehnte Maskenpflicht gefordert. «Wir sind froh über diesen Entscheid», sagt Geschäftsführer Manfred Dubach. Mit der Maskenpflicht werde jetzt, neben den Tests und Quarantänemassnahmen, verstärkt auf die Prophylaxe gesetzt. «Das ist unsere zweite Priorität. Die erste ist nach wie vor, dass die Schulen geöffnet bleiben können», so Dubach, «jetzt haben wir ein zusätzliches Instrument, um das zu erreichen.» Der Bildungsauftrag könne am besten im Präsenzunterricht erfüllt werden, schreibt das Bildungsdepartement, es werde deshalb alles unternommen, um den Schulbetrieb so normal wie möglich stattfinden zu lassen und dabei dennoch alle Beteiligten so gut wie möglich zu schützen.

Lernen mit Maske über Mund und Nase: Das ist bald Realität für Aargauer Fünft- und Sechstklässler. In Allschwil BL tragen Primarschüler die Maske schon seit Ende Januar.

Lernen mit Maske über Mund und Nase: Das ist bald Realität für Aargauer Fünft- und Sechstklässler. In Allschwil BL tragen Primarschüler die Maske schon seit Ende Januar.

Keystone

Weil die Sportferien nicht überall im Kanton gleichzeitig stattfinden, gewährt das Bildungsdepartement eine Übergangszeit für jene Schulen, die bereits am kommenden Montag in das neue Semester starten. «Die Zeit ist relativ knapp. Vor allem für grössere Schulen wäre die Umsetzung ab Montag schwierig», sagt Simone Strub, Leiterin Kommunikation des Departements Bildung, Kultur und Sport. Das betrifft vor allem Schulen im Westaargau, die nun selber entscheiden können, ob sie die Maskenpflicht bereits vor dem 22. Februar einführen. Brugger Schülerinnen und Schüler beispielsweise, werden aber sicher ab ihrem ersten Schultag, in zehn Tagen, die Maske tragen. Diese müssen sie übrigens nicht selber mitbringen. Sie gelten als Verbrauchsmaterial der Volksschule, für die Beschaffung und Finanzierung sind die Gemeinden zuständig.

Der Aargauische Lehrerverband hätte sich lieber eine gesamtschweizerische Lösung statt eines Flickenteppichs gewünscht. «Das wäre eigentlich in unserem Sinn», sagt Manfred Dubach. Der Aargau ist nach Zürich, Bern, Basel-Landschaft, Graubünden und Solothurn der sechste Kanton, der die Maskenpflicht auf die Primarschule erweitert.

Gewohnheit, Achtsamkeit und Flexibilität

Andernorts hat man also bereits Erfahrungen damit gemacht – und weiss, dass es funktioniert. Das sagt zumindest Mathias Stricker, der Präsident des Verbands Lehrerinnen und Lehrer des Kantons Solothurn auf Anfrage. Momentan sind zwar auch in Solothurn Sportferien, zuvor aber haben die Fünft- und Sechstklässler schon während zwei Wochen den Unterricht mit Maske besucht.

Mathias Stricker, Präsident des Solothurnischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands.

Mathias Stricker, Präsident des Solothurnischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands.



«Es funktioniert grundsätzlich gut», so Stricker, selber Klassenlehrer einer sechsten Klasse. Wichtig sei, die Schülerinnen und Schüler gut und umfassend auf ihre neue Pflicht vorzubereiten. «Wenn sie den Sinn hinter der Massnahme erkennen, sind sie auch willig, sie umzusetzen.» Eine gewisse Angewöhnungszeit habe er festgestellt, so Stricker, andere Illusionen brauchen sich auch die Aargauer nicht zu machen. Die Kommunikation sei erschwert, wenn Lehrerinnen und Schüler eine Maske tragen, man verstehe sein Gegenüber schlechter. «Es kommt selten auch vor, dass ein Kind über Kopfschmerzen klagt wegen der Maske. Auch auf solche Situationen muss man reagieren», so Stricker.

Lehrpersonen seien gefordert, abzuschätzen, wo die Maske zu sehr stört und dann den Unterricht anzupassen. Pausen sollen beispielsweise auch vermehrt draussen stattfinden, um kurz «durchzulüften» oder man könne einen Sitzbereich definieren, in dem Kinder, alleine und mit Abstand zu anderen, kurz die Maske abnehmen dürfen.

«Es erfordert Flexibilität und Achtsamkeit, ist aber umsetzbar»

sagt Stricker. Reklamationen von Eltern oder Schülerinnen und Schülern seien zudem die Ausnahme, die Massnahme werde insgesamt akzeptiert.

Auch im Kanton Solothurn werden an der Volksschule Einwegmasken abgegeben. Noch dürfen die Kinder aber auch mitgebrachte Stoffmasken tragen. Allerdings stehe das aus Hygienegründen derzeit zur Diskussion, sagt Mathias Stricker. «Nicht alle Masken bieten den richtigen Schutz, aber die Schulen können nicht jeden Tag kontrollieren, ob sie alle zertifiziert sind.» Ebenfalls noch offen ist, ob die Maskenpflicht an den Solothurner Primarschulen verlängert wird, vorgesehen ist sie bis Ende Monat. «Auch diese Diskussionen laufen, ein Entscheid sollte nächste Woche fallen», sagt Mathias Stricker.

Die letzte Massnahme

Im Kanton Zürich gilt die Maskenpflicht bereits ab der vierten Klasse. Der Aargauische Lehrerverband hätte sich die Pflicht ebenfalls auch für noch jüngere Kinder vorstellen können, wie Manfred Dubach sagt. Für Mathias Stricker macht die Grenze bei der fünften Klasse aber Sinn: «Wenn man ihnen erklärt, worum es geht, verstehen sie es und handeln entsprechend. Bei jüngeren Schülerinnen und Schülern würde ich aber in Frage stellen, ob sie mit den Masken richtig umgehen können.» Gerade in der ersten oder zweiten Primarschulklasse würde er sie auf keinen Fall empfehlen. Klar sei, dass man mit Einführung der Maskenpflicht und den Massentests die letzten Massnahmen vor der Schulschliessung ergreife, stellt Manfred Dubach klar. Er hofft, dass sich damit die Ansteckungen in den Schulen nach den Sportferien eindämmen lassen. «Das sind die letzten Möglichkeiten, die wir haben, wir müssen sie jetzt nutzen», sagt er.