Schnee im Frühling
Kälteeinbruch bereitet den Aargauer Obstbauern Sorgen: «Jetzt ist die kritische Phase für die Ernte im Sommer»

In der Nacht auf Dienstag sanken die Temperaturen im Kanton unter null Grad. Das gefährdet die Obstbäume, die bereits zu blühen begonnen haben – zum Beispiel bei Othmar Strebel in Muri.

Zara Zatti
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Weisse Blüten und Eiszapfen an den Kirschbäumen von Othmar Strebel.

Weisse Blüten und Eiszapfen an den Kirschbäumen von Othmar Strebel.

zVg

Der Obstbauer Othmar Strebel aus Muri begutachtet seine Kirschbäume. Sie haben bereits zu blühen begonnen. An den untersten Ästen hängen lange Eiszapfen, ein Überbleibsel der frostigen Nacht auf Dienstag, in der die Temperaturen auf bis zu minus drei Grad sanken. Auch der Boden, auf dem der Bauer steht, ist gefroren.

Noch vor einer Woche war der Frühling da: Die warmen Temperaturen und der Sonnenschein liessen die Natur erblühen. In der Nacht auf Dienstag kam dann der grosse Kälteeinbruch: Temperaturen bis zu minus fünf Grad wurden im Kanton Aargau gemessen, teils fiel sogar wieder Schnee.

Obstbauer Othmar Strebel schaut mit leichter Sorge auf die kommenden Tage. Denn bis Freitag werden weiterhin Minustemperaturen in der Nacht erwartet. Das kann Schäden an den Obstbäumen verursachen. Das Problem: Haben die Bäume bereits zu blühen begonnen, sind sie anfällig auf Kälte. Aus diesem Grund schützt Strebel seine empfindlichsten Kirschsorten für die kommenden Nächte: Mit Frostkerzen verschafft er ihnen ein paar Extragrade.

Was romantisch aussieht, ist eine Überlebensmassnahme für die Kirschen: die Frostkerzen von Obstbauer Othmar Strebel im April 2020.

Was romantisch aussieht, ist eine Überlebensmassnahme für die Kirschen: die Frostkerzen von Obstbauer Othmar Strebel im April 2020.

zVg

«Ob die Bäume einen Schaden von den kalten Nächten tragen werden, ist schwierig abzuschätzen», sagt Strebel. Vor einem Jahr um die gleiche Zeit gab es ebenfalls einen Kälteeinbruch. Der Bauer erlitt sozusagen einen Totalschaden: 90 Prozent des Obstes ging ihm damals kaputt. Doch dieses Jahr sind die Voraussetzungen etwas besser: «Die Blüten sind noch nicht so weit wie letztes Jahr, das macht sie weniger empfindlich, sagt Strebel.

Besonders gefährdet sind Kirschen, Aprikosen und Zwetschgen

Besonders gefährdet bei einem Kälteeinbruch sei Steinobst, also etwa Kirschen, Aprikosen und Zwetschgen, sagt Othmar Eicher vom landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. «Diese blühen früher als Kernobst wie Äpfel oder Birnen, was sie anfälliger macht für die Kälte.» Für die Obstproduzenten sei ein so später Kälteeinbruch eine hektische Zeit, sie müssten abschätzen, welche Massnahmen sie treffen sollen.

«Besonders wenn es jetzt noch regnet und Pflanzenteile nass werden, kann es zu Schäden kommen. Jetzt ist die kritische Phase für die Ernte im Sommer.»

Zwar könne ein Regendach für mehr Wärme montiert werden, doch wenn dann Schnee fällt, ist die Gefahr gross, dass dieses unter der Last einbricht.

Doch die Situation sei besser als etwa im Jahr 2017, in dem es auch sehr spät nochmals kalt wurde. Denn damals waren die Blüten schon ganz offen, jetzt befinden sie sich erst in der Anfangsphase. Am wenigsten Sorgen müssen sich Bauern um ihre Weinreben machen. Diese befinden sich erst im Stadium der Knospen, was sie resistenter macht.

Auch für die Kühe hat der Kälteeinbruch eine unangenehme Folge: Sie müssen wieder zurück in den Stall. Weil es dieses Jahr schon einmal sehr warm war, konnten sie bereits Weideluft schnuppern. Dass die Kühe Anfang April noch im Stall sind, sei normal, sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau. Aber: «Wenn die Kühe schon einmal draussen waren, dann wollen sie eigentlich nicht mehr zurück in den Stall. Doch ich glaube, sie werden das verstehen.»