Besonders spannend ist im Aargau die Ausgangslage bei den Ständeratswahlen. Ein einziges Mal, von 1943 bis 1948, konnte bis jetzt die SP einen Ständerat stellen. Karl Killer verstarb im Januar 1948 im Amt. Dieses Jahr treten die Sozialdemokraten mit Pascale Bruderer an, der Nationalratspräsidentin von 2010.

Allgemein ist man sich einig: Wenn die SP den Einzug ins Stöckli schaffen kann, dann jetzt mit ihr. Die erst 34-jährige Genossin aus Baden hat in ihrem Präsidialjahr noch einmal an Popularität und Respekt bis ins bürgerliche Lager hinein gewonnen.

Ungewöhnliche Rochade

Das Rennen ist aber völlig offen. Ihren Sitz verteidigen will die freisinnige Ständerätin Christine Egerszegi. Mit einer nicht alltäglichen Rochade sorgte die SVP für Aufsehen: Maximilian Reimann tritt nicht mehr zu den Ständeratswahlen an, kandidiert aber mit bald 70 noch einmal für den Nationalrat.

Den SVP-Ständeratssitz verteidigen soll Nationalrat Ulrich Giezendanner. Einerseits verspricht sich die Partei vom 2007 bestgewählten Nationalrat wohl noch mehr Zugkraft im Rennen gegen die populäre Kampfkandidatin der SP. Anderseits dürfte es für den 58-Jährigen, der bereits seit 20 Jahren im Parlament sitzt, die letzte Gelegenheit für einen Wechsel in die Kleine Kammer sein.

Die Frauen im Umfrage-Hoch

Insgesamt stehen im Aargau 10 Ständeratskandidaturen fest. Zu den mehr oder weniger aussichtsreichen Kandidaten dürften neben dem Favoritentrio nur noch der grüne Nationalrat Geri Müller und Gewerbepräsident Kurt Schmid gehören, der für die CVP antritt.

Allein die Kandidatenflut macht es aber unwahrscheinlich, dass die beiden Sitze bereits im ersten Wahlgang vergeben werden. Die Konstellation mit einer zweiten Kandidatur aus der bürgerlichen Mitte und der bis ins bürgerliche Lager hinein akzeptierten SP-Kandidatin könnte dazu führen, dass es am Ende trotz Bisherigen-Bonus für die freisinnige Ständerätin Christine Egerszegi gefährlich wird. Sie könnte im Zweikampf zwischen Pascale Bruderer und Ulrich Giezendanner zwischen Stuhl und Bank fallen.

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der az ergab allerdings ein anderes, überraschendes Bild: Demnach liegen Pascale Bruderer und Christine Egerszegi in der Wählergunst klar vorne, während Ulrich Giezendanner erst mit deutlichem Abstand auf dem dritten und CVP-Mann Kurt Schmid noch hinter dem Grünen Geri Müller abgeschlagen auf dem fünften Rang liegt.

Mit einer echten Wahlchance für den CVP-Kandidaten rechnet ohnehin kaum jemand. Hingegen sorgte das Ergebnis in der SVP-Zentrale und beim Rothrister Fuhrhalter für Unruhe: Giezendanner intensivierte sofort seine Inserate-Kampagne. Was ihm Schwierigkeiten machen könnte: Giezendanner hat wohl nationale Bekanntheit als wortgewaltiger Polteri, von Ständeräten eher erwartetes staatsmännisches Flair gibt man ihm weniger.

Wer mit wem, das ist die Frage

Kaum Sorgen braucht sich die SVP hingegen bezüglich ihrer Vormachtstellung bei den Nationalratswahlen zu machen. Vor vier Jahren holte sie einen Wähleranteil von sagenhaften 36 Prozent und belegt sechs der 15 Aargauer Sitze. Es ist schwer vorstellbar, dass Fukushima- oder andere Effekte hier zu einem nennenswerten Einbruch führen.

Gespannt sein darf man eher, ob und welchen Effekt die Auseinandersetzungen des noch amtierenden Nationalrats Lieni Füglistaller mit Exponenten der eigenen Partei haben. Er hatte nach monatelangen Anfeindungen aus den eigenen Reihen erklärt, er stehe für die Wahlen nicht mehr zur Verfügung. Nun wird aber spekuliert, dass er kurz vor Ablauf der Anmeldefrist am Wochenende doch noch eine «wilde» Kandidatur ankündigt. Bei den anderen Parteien wackeln reihenweise die Sitze.

Das hat vor allem auch mit der noch nicht bekannten Ausgangslage bei den Listenverbindungen zu tun. Insbesondere der CVP dürfte es schwer fallen, ihren dritten Sitz ohne Partner zu verteidigen.

Ob sich der Alleingang für die FDP (2 Sitze) auszahlt, ist ebenfalls offen. Die Grünen (1 Sitz) lassen ihren traditionellen Listenverbindungspartner SP (3 Sitze) zappeln. Kommt es stattdessen zu einer «grossen Koalition» mit Grünliberalen, EVP und BDP sind die Chancen auf einen Sitzgewinn in diesem Lager durchaus intakt.