Die Aargauer Kantonshauptstadt verwandelte sich am Wochenende in eine veritable eidgenössische Kapitale. Und zwar als Austragungsort des neunten Schweizerischen Chorwettbewerbs. Damit erklärten sich die Grüppchen von Menschen, die am Samstag und Sonntag jeweils mit einheitlichen Accessoires ausgestattet in der Aarauer Altstadt zu sehen waren: Eine Gruppe gut gekleideter Herren, die alle die gleiche Fliege trugen, oder Damen unterschiedlichen Alters mit tiefroten Foulards. Es waren allesamt Sängerinnen und Sänger eines der 60 Chöre, die sich singend am schönen Wettkampf massen.

15 Minuten vor einer Fachjury

Das Wettbewerbskonzept kennt fünf Kategorien vom reinen Männerchor über Schulchöre bis zu den Elitechören. Sie alle hatten jeweils 15 Minuten Zeit, ihr Können einer Fachjury vorzuführen. Aber natürlich nicht nur der Jury – die Konzerte waren für das chorinteressierte oder einfach nur neugierige Publikum geöffnet. Und dieses durfte sogar ein Wort mitreden, wenn es um die Verleihung des Publikumspreises ging.

Dieser wurde neben der Vorstellung der preisgekrönten Chöre am Sonntag in der Kirche St. Peter und Paul vergeben. Zur Festgemeinde würdigten Verbandspräsident Claude- André Mani, Schirmherrin und Ständerätin Christine Egerszegi und Chefexperte Rainer Held die hohe Qualität und die kulturelle Bereicherung durch den Chorgesang.

Riesige Auswahl und Vielfalt

Die Eindrücke vom Chorwettbewerb bei einem Rundgang waren bunt und vielfältig. Das dürfte wohl die Entscheidungsfindung der Fachjury nicht gerade erleichtert haben. Chöre verschiedenster Grössen und aus allen Landesteilen der Schweiz stammend, gaben sich die Klinke in die Hand. Und sie boten eine riesige Auswahl an allen erdenklichen Musikstilen, darunter neben traditionellem Chorrepertoire auch Gospel, Volkslieder in den diversesten Sprachen und gar Songs – teilweise in ungewohnter Bearbeitung – von Herbert Grönemeyer oder Freddie Mercury.

Lauschen konnte man der hochstehend interpretierten Chormusik an drei Standorten: Im Kultur- und Kongresszentrum, in der katholischen Kirche St. Peter und Paul mit ihrer wunderbaren Akustik und in der Aula der Alten Kantonsschule Aarau. Gehörte der Samstag vor allem den Chören mit erwachsenen Mitgliedern oder denen, die sich auf Gospel, Alte Musik oder Ähnliches spezialisiert haben, so konnten am Sonntag die Jugendchöre schon früh am Morgen mit der Präsentation ihres Könnens beginnen.