«Der Aargau ist ein Kanton der Zukunft, Sachsen ist ein Bundesland der Zukunft. Wir sind uns in vielem ähnlich, so dass es sich lohnt, engere Kontakte zu knüpfen.» Auf diese Kurzformel brachte Landammann Urs Hofmann gestern den Empfang des Ministerpräsidenten des Freistaats Sachsen, Stanislaw Tillich, durch ihn und Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Im April war Hofmann mit einer Wirtschaftsdelegation nach Dresden gereist, um in Sachsen für den Wirtschaftsstandort Aargau zu werben. Gestern hielt der Regierungsrat Gegenrecht.

Der «Staatsbesuch» war dabei auch so etwas wie eine Generalprobe für den Empfang des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann Ende Monat, bei dem es unter Umständen nicht nur Höflichkeiten auszutauschen, sondern auch handfestere Diskussionen über Fluglärm und andere Themen geben wird.

Tillich - ein sachkundiger Zuhörer

Das Programm für den Besuch aus Sachsen war auf das Themengebiet Forschung und Technologietransfer ausgerichtet. Mit einer fünfköpfigen Delegation besuchte Tillich das Paul- Scherrer-Institut, die Mammut Sports Group in Seon und das ABB-Werk in Turgi. Dort wurde ihm unter anderem ein Stromrichter für die Triebwagen der ICE-Züge der Deutschen Bahn präsentiert, dank denen sich der Energieverlust um 15 bis 20 Prozent reduziert. Als gelernter Ingenieur für Konstruktion und Getriebetechnik erwies sich Stanislaw Tillich dabei nicht nur als interessierter, sondern auch sachkundiger Zuhörer. «Wir wollen den Aargauer Unternehmen eine Plattform bieten, um den Wirtschaftsstandort Sachsen kennen zu lernen und allfällige Unternehmenskooperationen oder -expansionen anzupeilen», so Landammann Urs Hofmann. Kontakte mit Wirtschaftsvertretern wurden beim Abendessen auf Schloss Lenzburg zu Gazpacho, Roastbeef und Aprikosenvariationen geknüpft.

Er sei sicher, dass es nicht beim gestrigen Treffen bleiben wird, zeigte sich Stanislaw Tillich überzeugt. Im Forschungsbereich bestehen Kontakte zwischen dem Aargau und Sachsen schon seit längerem: das Paul- Scherrer-Institut pflegt verschiedene Kooperationen mit dem ähnlich ausgerichteten Helmholtz-Zentrum in Dresden, wie PSI-Vizedirektor Martin Jermann beim Empfang in Villigen ausführte. Dort fand ETH-Präsident Fritz Schiesser im Ministerpräsidenten von Sachsen einen Verbündeten im Geist: Wenn Tillich erkläre, sein Bundesland wolle ein Forschungsland sein, dann beeindrucke ihn das, so Schiesser. Denn das sei auch ein teurer Satz, weil die Forschung auf eine langfristig gesicherte Finanzierung angewiesen sei.