Spektakuläre Aktion

Rückbau unter rollendem Verkehr

Auf dem Bünztal-Viadukt arbeiten Abbruchequipen neben fahrenden Autos

Zwischen dem 30 Tonnen wiegenden Abbruch-Bagger und dem vorbeidonnernden Schwerverkehr steht nur eine schmale Abschrankung. Der Baggerführer bemerkt die Lastwagen nicht. Er ist voll konzentriert auf seine Arbeit, die er am äussersten Rand des Bünztal-Viadukts in luftiger Höhe verrichtet. Auf der südlichen Hälfte der 275 Meter langen, knapp 23 Meter breiten Autobahnbrücke, die 1970 in Betrieb genommen wurde, fahren Lastwagen und Autos auf engstem Raum – über 80000 täglich.

Aufwändige Planung nötig

Die nördliche Hälfte des Bünztal-Viadukts wird zurzeit abgebrochen. Eine heikle Arbeit, die eine intensive Vorarbeit erfordert hat: «Ich habe an diesem Projekt in Zusammenarbeit mit den Auftraggebern rund ein Jahr lang geplant», sagt Urs Meier, Geschäftsführer und Inhaber der Wettinger Firma Eduard Meier AG, die den Abbruch ausführt. Dabei ging es um die Vorbereitung der Rückbauarbeiten an sich. Ebenso wichtig waren jedoch die statischen Berechnungen sowie die Erarbeitung der Kontrollmechanismen. Schliesslich soll nicht nur der südliche Brückenteil den Abbruch des nördlichen Teils schadlos überstehen, sondern auch keiner der beteiligten Arbeiter gefährdet werden. Sicherheit wird auf dieser Baustelle denn auch besonders gross geschrieben: «Von unseren Mitarbeitern ist in jeder Phase höchste Konzentration erforderlich. Ich bin überzeugt, dass es gut kommt. Aber ich schlafe dennoch wohl erst wieder ruhiger, wenn die Brücke fertig abgebrochen ist», sagt Meier zum Projekt, welches er als das «bisher spektakulärste in der Firmengeschichte» bezeichnet.

Zum Einsatz kommen beim Rückbau ein 180-Tonnen-Bagger mit maximal 60 Meter langem Ausleger, zwei 30-Tonnen-Bagger sowie ein 11-Tonnen-Bagger. Die Betonzangen an diesen Maschinen können am Beton des 40-jährigen Bünztal-Viadukts mit einem Druck von 200 bis 370 Tonnen zubeissen und ihn so richtiggehend pulverisieren.

Zwillingsbrücke als Ersatz

Ersetzt wird der alte Talübergang in zwei Phasen durch eine Zwillingsbrücke mit einer Spannweite von 47,5 Metern. Mit dem Bau der ersten dieser beiden Brücken wird begonnen, wenn der Abbruch der nördlichen Viadukthälfte beendet ist.

Die neuen Brücken sind jeweils knapp 16 Meter breit, zusammen also 9 Meter breiter als der alte Viadukt. Das ermöglicht endlich richtige Pannenstreifen, die bisher auf der Bünztal-Brücke fehlten. Und es ermöglicht bei Bedarf weiter auch den Ausbau auf sechs Spuren. Die Kosten für Abbruch und Ersatz des BünztalViadukts sind auf 36 Mio. Franken veranschlagt. Das sind 17 Prozent der 210 Mio. Franken, welche die laufende A1-Sanierung Lenzburg–Birrfeld kosten wird.

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