Kuriose Bräuche
Rote Höschen, Kugeln und Weintrauben - so wird Neujahr auch gefeiert

In Italien tragen Damen an Silvester rote Dessous. Anderswo in der Welt soll weisse, gelbe oder gepunktete Unterwäsche Glück bringen. Auch Trauben, Linsen und Reisekoffer können die Zukunft positiv beeinflussen.

Irene Widmer
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So wird Neujahr auch gefeiert
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Griechenland Die Griechen verbringen Silvester und Neujahr mit mit Karten- oder Würfelspielen. Wer gewinnt, soll das ganze Jahr Glück haben.
Russland In der Neujahrsnacht werden die Russen von Väterchen Frost und seiner Begleiterin Snegurotschka (Schnefflöckchen) beschenkt. Traditionell versammelt sich die Familie um den Tannebaum (Jolka) und isst. Die Russen feiern Neujahr - gemäss Julianischem Kalender - allerdings erst am 13. Januar.
Spanien Die Spanier schieben sich um Mitternacht zu jedem Glockenschlag eine Traube in den Mund. Achtung: Wer sich verzählt, dem droht im neuen Jahr Unheil.
Tschechien Die Tschechen giessen Blei, um in die Zukunft zu schauen. Oder sie lesen ihr Schicksal aus den Kerngehäusen von Äpfeln ab.
England Das grösste Feuerwerk gibt es am Riesenrad «London Eye». Dort versammeln sich jeweils hunderttausende Engländer.
Italien Italienerinnen und Italiener tragen in der Naujahrsnacht rote Unterwäsche - das soll Glück bringen.

So wird Neujahr auch gefeiert

Keystone

In Spanien und Lateinamerika isst man synchron zu den letzten Glockenschlägen des Jahres zwölf Trauben. Was wie eine uralte Tradition anmutet, war ursprünglich eine Marketingstrategie: Winzer aus Alicante erfanden das Ritual 1909, um ihre Überproduktion abzubauen.

Der Brauch ist heute auch in Brasilien, Ecuador, Guatemala, Mexiko und Venezuela verbreitet. Dieselben Länder pflegen auch den Gang mit einem Koffer ums Quartier - um im kommenden Jahr seine Traumreise erleben zu dürfen - sowie die Glücksfarb-Symbolik der Unterhose.

Rot sorgt dabei allerdings «nur» für Glück in der Liebe. Wer in Mexiko unter der Finanzkrise leidet, bevorzugt grün, wer andere Gebresten vertreiben will, weiss. In Venezuela sorgt gelbe Unterwäsche für Glück in allen Bereichen.

Hände weg von Bananen

Auf den Philippinen sollte man an Silvester drunter wie drüber Stoffe mit Kreismuster tragen. Das Runde symbolisiert Geld und deshalb wird beim Jahreswechsel hauptsächlich rundes Obst gegessen. Auch Linsen kommen wegen ihrer Ähnlichkeit mit Münzen auf den Tisch - nicht nur in Asien.

Ein junger Silvesterbrauch mit Kugelsymbolik sind die «Wishing Spheres» von Singapur: grosse Wasserbälle, auf die man seine Wünsche schreiben kann. Letztes Jahr trieb die Rekordzahl von 10'000 Wunschkugeln in der Marina Bay und transportierte um die 100'000 Wünsche. Nachts, wenn die Kugeln von innen beleuchtet werden, ist das besonders spektakulär.

Nur eine Kugel, allerdings eine fünf Tonnen schwere, prägt Silvester in New York. Dort wird seit 1908 das «Ball Dropping» zelebriert und landesweit im Fernsehen übertragen. Die heute mit High-Tech-Lämpchen besetzte Kugel mit einem Durchmesser von 3,7 Metern wird in den 60 Sekunden vor dem Jahreswechsel von der Spitze der Antenne auf das Dach des Gebäudes «1 Times Square» herabgesenkt.

Beliebter Hochhaus-Countdown

Auch dieser Brauch ist wie die Silvestertrauben der Wirtschaft geschuldet: Als 1904 die «New York Times» ihr neues Quartier am damals noch Longacre Square genannten Platz bezog, initiierte dessen Besitzer Alfred Ochs die erste, öffentliche, nicht-kirchliche Neujahrsfeier.

Dies geschah zunächst mit Feuerwerk, mit dem das ganze Gebäude - damals das zweithöchste der Stadt - erleuchtet wurde. 1907 wurde es auf feuerpolizeiliche Anordnung vom «Ball Dropping» abgelöst. Mit dem Absenken von Kugeln wurde seit den 1830er Jahren in Häfen der Countdown bis 13 Uhr signalisiert, damit die Seeleute ihre Chronometer stellen konnten.

Die ursprüngliche Feuerwerks-Idee ist in Taiwan wiederauferstanden: Dort erfolgt der Countdown zum neuen Jahr, indem am 828 Meter hohen Gebäude Taipei 101 auf den je 8-stöckigen Segmenten von unten nach oben Feuerwerk entzündet wird.

Dänen beglücken und Russen ärgern

Zum Jahreswechsel gehört weltweit auch der Gedanke der Reinigung. Beim Silvester-Hausputz wird oft das alte Geschirr entsorgt, in Italien etwa, indem man es aus dem Fenster wirft. Die Dänen dagegen schmeissen alte Teller an die Türen ihrer Freunde: je mehr Scherben, desto beliebter.

Unbeliebt machen kann man sich dagegen als Frau in Russland, indem man jemanden an Neujahr möglichst früh besucht. Denn nur wenn der erste Gast des Jahres ein Mann ist, ist das Glück gesichert.

Weitere Neujahrsbräuche finden sie in der Bildergalerie.