Ständeratswahlkampf
Roland Bialek: «Mit Ressourcen schonender umgehen»

Parteipräsident Roland Bialek (Buchs) will für die EVP Aargau ins Stöckli. Seine Kandidatur habe er sich wirklich gut überlegt, sagt er, denn ein Amt auf eidgenössischer Ebene bedinge eine berufliche Neuorientierung.

Hans Lüthi
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Roland Bialek, Kandidat und Präsident der EVP Aargau. Bodmer

Roland Bialek, Kandidat und Präsident der EVP Aargau. Bodmer

Die Frage brennt auf der Zunge, ob es überhaupt einen Sinn macht, wenn eine Kleinpartei wie die EVP für den Ständerat kandidiert – ohne Aussicht auf Erfolg? «Die Ausgangslage für die grossen Parteien ist sicher viel besser, da ist viel Geld im Spiel. Aber es sind Personenwahlen, im Ständerat gibt es auch Personen aus kleinen Parteien», sagt Roland Bialek.

Heute sei es schon fast Sitte geworden, auch bei den Wahlen ins Stöckli dabei zu sein. Politbeobachter haben fest mit Grossrätin Lilian Studer gerechnet, jetzt steht ihr Bialek im Weg. Warum? «Am liebsten wären wir mit einem Dreier-Team angetreten, aber das geht ja nicht. Darum haben wir der Generalversammlung drei Personen präsentiert und den Entscheid der Partei überlassen», schildert der Kandidat die demokratische Auswahl.

Die Kandidatur gut überlegt

Weil er mit erst 24 Jahren relativ jung in die Politik kam, ist der heute 49-jährige Bialek schon ein alter Politfuchs, mit typischer Karriere: 14 Jahre im Einwohnerrat Buchs, seit 1990 im Grossen Rat gehört er hier schon zu den Amtsältesten. Darin liege auch der Reiz, in Bundesbern mit anderen Leuten über andere Themen zu diskutieren. An die oft endlos lang wirkenden Verfahren bis zum Ziel gewöhne man sich in der Politik.

Seine Kandidatur habe er sich wirklich gut überlegt, denn ein Amt auf eidgenössischer Ebene bedeute einen mindestens halbprofessionellen Einsatz und bedinge eine berufliche Neuorientierung. Wenn Bialek so spricht, denkt er natürlich an den Nationalrat, «wo wir dank Listenverbindungen eine reale Chance auf einen Sitz haben». Auf dem ersten Platz der EVP-Liste steht jedoch die 34-jährige Lilian Studer, mit Familien- und Frauenschub als Tochter des langjährigen EVP-Nationalrates und Partei-Präsidenten Heiner Studer (Wettingen). Ob das mehr Stimmen bringt als der Schub für Roland Bialek aus dem Ständeratswahlkampf lässt sich erst am Abend des 23. Oktober beantworten. Der Auftritt im «Duell Aktuell» von Tele M1 hat ihm viele positive Reaktionen beschert.

Ringen um beste Lösungen

Interessant ist das Politverständnis von Roland Bialek: «Schon im Wahlkampf erlebe ich jetzt Leute, die versuchen, mir Wahlversprechen abzuringen», betont er. Doch genau das macht er nicht, weil er das Parlament als Diskussionsforum versteht. Denn auf der Suche nach den besten Lösungen müsse man für andere Argumente offen sein, auch einmal bereit, die eigene Position zu überdenken. Gemäss diesem Credo politisiert der EVP-Spitzenmann auch im Grossen Rat, statt des harten politischen Schlagabtausches sucht er Konsens und Kompromiss. Vor diesem Hintergrund findet Bialek es richtig, die politische Mitte zu stärken. «Wir sind näher bei den Lösungen als die Parteien an den Rändern.»

Bei einer zu grossen Materialschlacht und mit einem zu schlechten Stil schrecke man das Wahlvolk eher ab. Aber Hand aufs Herz: Hat eine religiöse Kleinpartei wie die EVP überhaupt eine Zukunft, wenn immer mehr Leute der Religion den Rücken kehren? «Ich glaube schon, obwohl es im grossen Gedränge für Kleinparteien in der politischen Mitte nicht ganz einfach ist», lautet die Antwort. Es sei wichtig, zwischen Interessen und Werten einen Ausgleich zu schaffen.

Für geordneten AKW-Ausstieg

Nach all den vielen Absichtserklärungen will man wissen, wo die EVP und Roland Bialek konkret stehen, zum Beispiel bei der Energie. «Wir befürworten den geordneten Ausstieg mit einer klaren Neuausrichtung der Energieversorgung.» Künftig dürften neue Atomkraftwerke nicht im Vordergrund stehen. Mit den Ressourcen müssten wir ganz allgemein viel schonender umgehen «und uns ernsthaft Gedanken machen, wie viel Land wir noch überbauen dürfen».

Im Kontext von Wachstum der Bevölkerung, Landverschleiss und Energie müsse man die Diskussion jetzt führen und die Weichen rechtzeitig stellen, um nicht plötzlich die Notbremse ziehen zu müssen.

Eine gemeinsame Wertebasis

Auf der Grundlage des Evangeliums eine sachbezogene und am Menschen orientierte Politik betreiben, lautet das Ziel von Bialeks Partei. Im Umgang mit der Religion ergäben sich heute ganz neue Fragen, weil sich Staat und Religion immer weiter entfernen. Was bedeutet das?

«Die Leute können mit den eigenen Werten nicht mehr umgehen, aber das Land braucht eine gemeinsame Wertebasis, geprägt von den Menschen, die hier wohnen», meint der EVP-Parteipräsident. Wer dazukomme, müsse das tolerieren. «Aber wer auf einem starken Fundament steht, kann auch gegenüber anderen Religionen tolerant sein», versichert Roland Bialek zum Konflikt mit dem Islamismus und anderen Religionen.

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