Regionalstudie der Credit Suisse
Aargau bei Standortqualität sehr gut – er muss trotzdem aufpassen, dass er nicht Firmen an Nachbarkantone verliert

Der Aargau verteidigt in der neusten Regionalstudie der Credit Suisse den fünften Rang im Standortqualitätsranking der Kantone. Er hat aber ein Problem bei der Firmenbesteuerung.

Mathias Küng
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Roberto Belci, Leiter der Credit Suisse Aargau: «Diese Studie ist ein wichtiges Instrument, um zu zeigen, wo der Kanton Aargau steht.»

Roberto Belci, Leiter der Credit Suisse Aargau: «Diese Studie ist ein wichtiges Instrument, um zu zeigen, wo der Kanton Aargau steht.»

Severin Bigler

Die Credit Suisse Aargau (vormals Neue Aargauer Bank) publizierte in Aarau ihre jüngste Regionalstudie zum Kanton Aargau. «Diese Studie ist ein wichtiges Instrument, um zu zeigen, wo der Kanton Aargau steht, im positiven, aber auch im negativen Sinn», sagt Roberto Belci, Leiter der Credit Suisse Aargau. Darin zeige man auch Schwachstellen auf: «Es freut uns, dass der Regierungsrat bereits an diesen Themen arbeitet», so Belci weiter.

Zur Studie gehört ein Standortqualitätsranking. Dieses Jahr belegt der Aargau (wie im Vorjahr) den sehr guten fünften Rang (vgl. Grafik). Er gehöre damit zu den attraktivsten Unternehmensstandorten der Schweiz, so die Studie.

Regionen Baden und Mutschellen unter den Top Ten in der Schweiz

Ausserdem bewegen sich laut Studien-Co-Autorin Emilie Gachet von Credit Suisse (CS) alle Aargauer Regionen punkto Standortqualität im oberen Drittel der 110 Schweizer Wirtschaftsregionen. Die Wirtschaftsregion Brugg-Zurzach ist auf Rang 21, Fricktal auf Rang 26, die Wirtschaftsregion Aarau auf Rang 28, das Freiamt auf Rang 33.

Mit Baden (Rang 6) und Mutschellen (Rang 10) befinden sich sogar zwei Aargauer Wirtschaftsregionen unter den besten zehn. Starke Konkurrenz liege allerdings in geografisch unmittelbarer Nähe. Zu seinen grössten Standortvorteilen zählt die Studie die zentrale Lage und die gute verkehrstechnische Erreichbarkeit.

Die Ökonomin Emilie Gachet bei der Präsentation der Regionalstudie in Aarau.

Die Ökonomin Emilie Gachet bei der Präsentation der Regionalstudie in Aarau.

Severin Bigler

Bei Firmenbesteuerung in kürzester Zeit zehn Ränge verloren

Rang fünf im Ranking ist sehr gut. 2018 stand der Aargau allerdings mit Rang 3 noch auf dem Podest. Den relativen Attraktivitätsverlust führt die Studie «primär auf steuerpolitische Entwicklungen zurück».

Während natürliche Personen im Aargau im landesweiten Vergleich von relativ tiefen Steuern profitieren, habe der Aargau «bei der steuerlichen Attraktivität für juristische Personen seit 2019 zehn Plätze verloren und liegt 2021 nur noch auf Rang 19».

Dies lasse sich dadurch erklären, dass er Aargau im Gegensatz zu den meisten anderen Kantonen im Rahmen der kantonalen Umsetzung des Bundesgesetzes über die Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF) vorerst auf eine Reduktion der ordentlichen Gewinnsteuersätze verzichtete. Er setzte aber gleichzeitig auf die volle Ausschöpfung der neuen steuerlichen Instrumente für innovative Unternehmen (z. B. Patentbox, zusätzlicher Abzug für Forschung und Entwicklung). Da sei der Aargau gut, so Gachet.

Roberto Belci: «Sehr gut positioniert, aber ...»

«Der Aargau ist im Standortqualitätsranking mit dem fünften Rang sehr gut positioniert. Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht Firmen verlieren, indem diese wegen günstigerer steuerlicher Rahmenbedingungen in Nachbarkantonen statt im Aargau investieren.» Damit würde der Aargau Investitionen und Steuergelder verlieren.

Belci findet es darum richtig, «wenn der Aargau die Firmensteuern in vernünftigem Mass senkt. Er kann sich damit verbessern und bei den Unternehmenssteuern wieder ins Mittelfeld vorrücken. Der Regierungsrat hat das erkannt und legt eine entsprechende Vorlage vor, über die der Grosse Rat in Bälde entscheidet».

Der Ökonom Pascal Zumbühl: Bei Fachkräften mit Abschluss mindestens Sekundarstufe 2 steht der Aargau überdurchschnittlich da.

Der Ökonom Pascal Zumbühl: Bei Fachkräften mit Abschluss mindestens Sekundarstufe 2 steht der Aargau überdurchschnittlich da.

Severin Bigler

Bei Hochqualifizierten unterdurchschnittlich

Bei der Verfügbarkeit von Fachkräften mit mindestens einem Bildungsabschluss auf Sekundarstufe II schneidet der Aargau im interkantonalen Vergleich laut Studien-Co-Autor Pascal Zumbühl leicht überdurchschnittlich ab.

Im Gegensatz dazu liege die Dichte an Hochqualifizierten mit einem tertiären Abschluss in allen Aargauer Wirtschaftsregionen – mit Ausnahme der Region Baden – unterhalb des Landesmittels. Dies, obschon der Aargau mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) selbst eine bedeutende Fachhochschule beheimatet.

Hoch qualifizierte Arbeitskräfte seien auf dem Aargauer Arbeitsmarkt aber durchaus gefragt. Davon zeuge auch die Tatsache, dass in den Aargau pendelnde Erwerbstätige im Durchschnitt ein höheres Ausbildungsniveau aufweisen als die ansässige Bevölkerung.

Mit der Integration der Bank sehr zufrieden

Im Blick zurück auf die Integration der Neuen Aargauer Bank (NAB, die vorher schon der CS gehörte), in die CS sei man sehr zufrieden, sagte Roberto Belci an der Medienorientierung weiter: «Wir haben nur sechs Prozent Geschäftsvolumen verloren. Das ist ein hervorragender Wert.» Die Mitarbeitenden hätten sich mit viel Herzblut und mit Erfolg dafür eingesetzt, damit die Integration gelingt und um ihre Kundinnen und Kunden behalten zu können. Er sei sehr stolz darauf.

So entsteht das Standortqualitätsranking

Das langfristige Wirtschaftspotenzial der Schweizer Kantone wird insbesondere durch die Rahmenbedingungen für Unternehmen geprägt. Der intensive Standortwettbewerb zwinge die Kantone und Regionen, ihre Attraktivität kontinuierlich zu optimieren. Der jährlich erhobene Standortqualitätsindikator (SQI) der Credit Suisse (CS) misst denn auch nach Angaben der CS die Attraktivität der Schweizer Kantone und Regionen für Unternehmen basierend auf den folgenden sieben Teilindikatoren: Steuerbelastung der natürlichen und juristischen Personen, Verfügbarkeit von Fachkräften und Hochqualifizierten sowie Erreichbarkeit der Bevölkerung, Beschäftigten und Flughäfen. Er gelte als Wegweiser für Unternehmen und Unternehmer, die verschiedene Standorte evaluieren und dient zudem als Benchmarking-Instrument für die Optimierung der kantonalen und auch regionalen Standortpolitik. 

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