Aargau

Regierungsrat will weniger Kinder mit Behinderung in die Sonderschule schicken

Ziel der Änderung sei es, weniger Kinder und Jugendliche mit Behinderung einer Sonderschule zuweisen zu müssen. (Archiv)

Ziel der Änderung sei es, weniger Kinder und Jugendliche mit Behinderung einer Sonderschule zuweisen zu müssen. (Archiv)

Der Regierungsrat hat Massnahmen beschlossen, die das Ziel verfolgen, weniger Kinder und Jugendliche einer Sonderschulung zuweisen zu müssen. Dabei soll die bis anhin eher versicherungstechnische Sichtweise abgelöst werden.

Der Regierungsrat will Fehlzuweisungen in Sonderschulen vermeiden. Die Änderungen in der Zuweisungspraxis sollen grösstenteils schon ab Schuljahr 2011/12 in Kraft treten, schreibt der Regierungsrat in einer Medienmitteilung.

Kinder und Jugendliche mit Behinderung werden im Kanton Aargau in Sonderschulen oder in Regelklassen mit besonderer Unterstützung unterrichtet. Mit den nun beschlossenen Massnahmen will der Regierungsrat einige Aspekte im Zuweisungsverfahren und in den Angeboten optimieren, um eine bessere Wirksamkeit der Sonderschulung sowie eine effektivere Mittelkontrolle zu erreichen.

Konkret wird das Abklärungsverfahren geändert. Die Zuweisung in eine Sonderschule oder eine Regelklasse erfolgt neu mittels einem standardisierten Abklärungsverfahren. Dieses wurde von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren entwickelt. «Es basiert auf einer ressourcenorientierten, mehrdimensionalen Sichtweise und löst die bis anhin eher versicherungstechnische und defizitorientierte Betrachtungsweise ab», so der Regierungsrat.

Schulpflege entscheidet, wo geschult wird

Durchgeführt werde dieses Verfahren ausschliesslich durch den schulpsychologischen Dienst. Weiterhin sei es aber die Schulpflege, die am Schluss entscheide, ob ein Kind mit Behinderung in einer Sonderschule oder in der Regelklasse geschult werde.

Eine Änderung erfährt auch die Beurteilung von Störungen des Sprechens und der Sprache. Diese wird nicht mehr durch die Logopädinnen oder Logopäden in den Schulen vorgenommen, sondern von einer Fachstelle im schulpsychologischen Dienst.

Regionales Logopädieangebot

Für Kleinkinder mit Sprachstörungen bis zum Kindergarteneintritt werde anstelle des bisherigen Sprachheilunterrichts der Gemeinde ein regionales Logopädieangebot zur Verfügung gestellt.

«Die Logopädie im Kindergarten und in der Volksschule wird weiterhin von der Schule vor Ort beziehungsweise von den Sprachheilverbänden durchgeführt; jedoch werden von den 8 Wochenlektionen des bisherigen Pensenpools 0,75 im Vorkindergarten eingesetzt», so der Regierungsrat weiter.

Die Neuerungen treten mit Ausnahme der Logopädie für Vorkindergartenkinder ab Schuljahr 2011/12 in Kraft. Um dem daraus entstehenden höheren Abklärungs- und Beratungsbedarf leisten zu können, wurden im schulpsychologischen Dienst zusätzliche Stellen bewilligt. (dno)

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