Alkoholmissbrauch

Rauschtrinker werden nicht stärker zur Kasse gebeten

Rauschtrinker: Für die Kosten kommt die Allgemeinheit auf

Rauschtrinker: Für die Kosten kommt die Allgemeinheit auf

Pro Jahr werden rund 1000 Personen mit Alkoholvergiftung in die beiden Aargauer Kantonsspitäler eingeliefert. Eine Möglichkeit, den Rauschtrinkern die dadurch entstehenden Kosten zu übertragen, gibt es offenbar nicht.

Der Regierungsrat des Kantons Aargau sieht keine Möglichkeit, die Kosten für Ausnüchterung und medizinische Betreuung von Rauschtrinkern vollständig den Betroffenen zu übertragen.

Da das Krankenversicherungsgesetz auf Bundesebene geregelt sei, könne der Kanton keinen Einfluss auf die Kostenverteilung bei Fällen von Alkoholvergiftung nehmen, schreibt die Regierung in einer Antwort auf eine entsprechende Interpellation von BDP-Grossrat Berhard Guhl.

Es dürfte darüber hinaus schwer fallen, heisst es in dem Papier, eine Kostenbeteiligung im Bereich des Rauschtrinkens gegenüber anderen Krankenkassenaufwendungen in Bereichen risikohaften Verhaltens, wie etwa Bungee-Jumping oder Extrem-Bergsteigen, zu rechtfertigen.

Der Regierungsrat verweist zudem darauf, dass der Bundesrat zwei ähnlicher lautende Vorstösse nationaler Parlamentarier bereits zu einem frühreren Zeitpunkt abgelehnt hat.

Kosten von 500 bis 2000 Franken

Gemäss dem Kantonsspital Aarau (KSA) und dem Kantonsspital Baden (KSB) belaufen sich die Kosten bei einer Alkoholvergiftung auf rund 500 Franken pro Fall. In den Kinderkliniken, wo unter 16-jährige Rauschtrinker behandelt werden, fallen Kosten von 1300 bis 2000 Franken an.

Wieviele Menschen mit Alkoholvergiftung pro Jahr in die Notfallzentren der beiden Kantonsspitäler eingeliefert werden, ist unklar, da keine speziellen Statistiken geführt werden. Das KSA und das KSB gehen aber von je rund 500 bis 600 Personen jährlich aus.

Generell lasse sich bei Alkoholintoxikationen eine Verschiebung auf jüngere Patientinnen und Patienten beobachten, so der Regierungsrat in der Antwort auf Guhls Interpellation.

Die Kinderkliniken von KSA und KSB haben in den vergangenen fünf Jahren etwa 50 unter 16-Jährige mit Alkoholvergiftung behandelt. Die Zahl der Fälle pro Jahr ist schwankend, es lässt sich aber eine leicht steigende Tendenz ablesen. (bau)

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