An Ostern, dem höchsten christlichen Feiertag, zieht es mehr Menschen als üblich in die Kirchen. In der Eucharistiefeier, die das Geheimnis von Jesu Tod und Auferstehung zelebriert, akzentuiert sich der Ostergedanke. Doch woher kommen die Hostien für die Messfeier? Im Kanton Aargau werden die runden Scheiben im Frauenkloster Hermetschwil produziert. Wo einstmals mit Handeisen ein Vaterunser lang gebacken wurde, arbeitet heute ein Hostienautomat. Doch auch mit Technik gelingt die meditative Versenkung ins Gebet.

Die grosse Apparatur, welche im Erdgeschoss der Hermetschwiler Benediktinerinnenabtei St. Martin einen kleinen Raum ausfüllt, dröhnt hochschwingend. Bedächtig lässt die Maschine acht Waffeleisen rotieren. Passieren diese den höchsten Punkt des Kettenumlaufs, quillt aus einem Schlauch Teigmasse auf die Platten. Die Eisen schliessen sich und verschwinden zischend im Rundlauf. Gut zwei Minuten später tauchen die Platten unter den konzentrierten Blicken von Schwester Cäcilia Abegg wieder auf, öffnen sich wie Muscheln und geben jene dünnen, rechteckigen Brotscheiben frei, aus denen Hostien für die Eucharistie gestanzt werden.

Sorgfältig entnimmt Schwester Cäcilia die Brotscheiben, entfernt überschüssiges Krustenmaterial und wachst bei Bedarf die Eisen nach, damit der Teig nicht anklebt. Gestört werden darf die Ordensschwester bei ihrer Arbeit nicht. Sie überwacht nicht nur die Maschine und entnimmt die Brotscheiben, sondern verbindet die ganzen Arbeiten mit Gebeten. «Stossgebete begleitende Arbeit nennen wir das», so Äbtissin Angelika Streule, die anstelle von Schwester Cäcilia die einzelnen Arbeitsschritte in der kleinen Backstube erklärt. Während eines Arbeitstages verbacken zwei Schwestern, die einander ablösen, gegen 190 Liter Teig, der aus reinem Weizenmehl und Wasser besteht.

Bete und arbeite

Alle zwei Wochen werden im Frauenkloster Hermetschwil Hostien gebacken, gestanzt und für gut hundert Pfarreien, vor allem im Aargau, abgepackt. Bestellungen können bis zu zwanzigtausend Hostien umfassen. Unterschieden wird zwischen Laien-, Priester- und Konzelebrationshostien. Die Grösse macht den Unterschied. Am meisten nachgefragt werden die kleinen Laienhostien, welche zur Eucharistiefeier an die Gottesdienstbesucher ausgeteilt werden. Seit nunmehr 21 Jahren werden in der Benediktinerinnenabtei Hermetschwil die Hostien mithilfe einer Maschine gebacken. «Zuvor hatten wir vier Handeisen», erinnert sich die Äbtissin Angelika Streule. Der Backvorgang dauerte jeweils genau ein Vaterunser lang». Die Verbindung von Gebet und Arbeit gemäss der Regel des heiligen Benedikts fliesst seit jeher in den Produktionsprozess mit ein. Überhaupt prägt das «ora et labora» alle Tätigkeiten, welche die neun in der Abtei lebenden Schwestern verrichten, sei es in der Hostienbäckerei, im Garten, beim Handarbeiten oder in der eigenen Imkerei.

Dienst an der Kirche

Die Hostien sind Gegenstand des hochheiligen Rituals des Abendmahls während jeder Messfeier. Entsprechend wird Wert daraufgelegt, dass die kleinen, flachen Brotscheiben unter besonderen Bedingungen hergestellt werden. Klöster mit ihrer konsequenten Ausrichtung auf den Glauben, ihrer fortwährenden Vertiefung ins Gebet, sind geradezu prädestiniert für die Hostienproduktion.

Allein in der Schweiz produzieren elf Klöster Hostien. «Das ist Dienst an der Kirche und für die Kirche. Zudem wirtschaften wir nicht gewinnorientiert, müssen aber davon leben», erklärt Schwester Angelika, die seit 1985 dem Frauenkloster Hermetschwil als Äbtissin vorsteht. Zur Eucharistie hat die gebürtige Appenzellerin eine besondere Beziehung. Mit der Erstkommunion entstand bei ihr bereits als Kind ein Kontakt, der sie tief prägte. «Ich war zunächst erstaunt, dass Gott wirklich existiert, dass Gebete tatsächlich erhört werden», erinnert sich die mittlerweile 59-Jährige.

Hostiensuppe aus Stanzresten

Nach dem Backen werden die Brotscheiben gestanzt. «Das erfordert Geschick», erklärt Schwester Angelika. Dank einer Maschine, die über ein Fusspedal betätigt wird, können fünfzig Brotplatten aufeinandergelegt und gestanzt werden. Alle herausgestanzten Hostien werden vor der Abpackung einzeln kontrolliert. Sind die Ränder beschädigt, werden die Scheibletten ausgeschieden. Was nicht verkauft werden kann, verwenden die Schwestern in der Küche. «Stanzresten lassen sich gut in Wasser auflösen und zu einer leckeren Suppe verarbeiten», schwärmt Schwester Angelika.