Dem vom Regierungsrat vorgelegten Reformpaket «Stärkung der Volksschule Aargau» stimmte das Kantonsparlament am Dienstag gegen die Stimmen der SVP-Fraktion klar zu.

Der Grosse Rat hiess die notwendige Änderung der Kantonsverfassung mit 80 zu 34 Stimmen gut. Das revidierte Schulgesetz wurde mit 79 gegen 35 Stimmen beschlossen. Das letzte Wort über die Änderung der Kantonsverfassung wird das Volk in einer Abstimmung sprechen.

SVP gegen eigenen Regierungsrat

Mit der Ablehnung der Reform stellte sich die SVP gegen den eigenen Regierungsrat Alex Hürzeler. Die stärkste Partei im Grossen Rat bezeichnete den Umbau der Volksschule als «reinen politischen Akt», um die Struktur ans Schulkonkordat HarmoS anzugleichen.

Ein Beitritt zur interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (HarmoS-Konkordat) steht im Aargau jedoch nicht zur Debatte. Bildungsdirektor Hürzeler will die Volksschule vielmehr «in verkraftbaren Schritten» weiterentwickeln.

Im Mai 2009 hatte der Souverän die weitreichende Schulreform «Bildungskleeblatt» in einer Volksabstimmung abgelehnt. Das Volk wählte danach den verantwortlichen Regierungsrat Rainer Huber (CVP) ab. Nachfolger für das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) wurde der neu gewählte SVP-Grosrat Hürzeler.

Umsetzung im Schuljahr 2014/15

Hinter den zweiten Anlauf, das Schulsystem des Aargaus der Struktur der anderen Kantonen anzupassen, stellten sich die Fraktionen FDP, CVP, GLP, Grüne und SP. Es werde für Familien einfacher, über die Kantonsgrenzen hinweg umzuziehen, hiess es.

Die Verlängerung der Primarschule und Verkürzung der Oberstufe soll mit Beginn des Schuljahres 2014/15 umgesetzt werden. Der Regierungsrat will in der Oberstufe die drei Schultypen Real-, Sekundar- und Bezirksschulen erhalten.

Spezialklassen als «letzte Chance»

«Problemschulen» sollen zusätzliche Unterstützung erhalten. Vorgesehen ist, dass Klassenlehrer auf eine Assistenz zurückgreifen können. Kriterien für die Hilfe sollen unter anderem der Ausländeranteil und die Sozialhilfequote in der Schulgemeinde sein.

Für Schülerinnen und Schüler mit massiven disziplinarischen Problemen sollen an vier Orten im Kanton regionale Spezialklassen eingerichtet werden. In diesen Klassen sollen Jugendliche während eines halben Jahres eine «letzte Chance erhalten, um wieder Fuss zu fassen». (sda)